Die Portmanns wohnen inmitten einer Keramiksammlung

Die Portmanns wohnen inmitten  einer Keramiksammlung
Teller, Dosen, Terrinen: Die Sammlung der Portmanns ist vielseitig. / Bild: Bettina Haldemann-Bürgi (bhl)
Langnau: Josef und Christine Portmann besitzen eine grosse Keramiksammlung des Langnauer Töpfers Adolf Gerber. Überall im Haus sind die schönen Stücke ausgestellt.

Das von Ernst Mühlemann gebaute Haus steht an der Oberfeldstrasse in der Nähe der Kirche Langnau. Josef Portmann begrüsst uns freundlich in der Eingangshalle. Unser Blick fällt auf eine Gruppe Keramikteller an der Wand. Doch zuerst geht es in den
Keller hinunter in die Werkstatt. Der Hausherr nimmt einen Teller in die Hand, dreht ihn um und zeigt auf die in Druckbuchstaben eingravierte Signatur «A.Gerber Langnau». «Darauf achte ich als erstes», erklärt Portmann, «ich sammle nur Keramiken, die signiert sind.» Der ehemalige Drogist und Geschäftsmann führt genau Buch. Jedem Stück teilt er eine Nummer zu und hält fest, wann, wo und zu welchem Preis er die Keramik erstanden hat.


Vielfältige Farben und Formen

Wieder oben im Erdgeschoss passieren wir die Wand mit den Tellern. Sie zeigen die Kirche Langnau, die Kramlaube, Micheli Schüpbach. Dann treten wir in die Stube. In einem grossen Büchergestell bilden prachtvolle Terrinen und Teller neben Büchern, Platten und Fotoalben ein farbenfrohes Stillleben. Darüber stehen Dosen, eine verspielter als die andere, aussen die kleinsten, gegen die Mitte die grösseren. Der Blick schweift weiter zu einem Holzbuffet, auf dem neben Tellern und Tassen ein halbes Dutzend Krüge stehen, die an Milch, Käse und «Anke» erinnern. Die schönste Wand ist jene beim Kamin. In einem in die Wand eingelassenen Bücher­gestell stehen an die vierzig Vasen.
Sie zeigen eine grosse Farben- und Formenvielfalt. «Ja», bestätigt Portmann, «bei einigen Vasen hätte ich
nie gedacht, dass sie von Adolf Gerber stammen.» Portmann zeigt auf eine aufgemalte exotische Blume. «Schauen Sie», sagt der Sammler, «diese Blütenform hat Gerber selber entworfen. Er kopierte nicht nur das alte Geschirr, sondern kreierte auch Neues.» Die Farben leuchten kraftvoll, als wären sie eben erst angebracht worden.

Portmann nimmt eine Dose in die Hand und zeigt auf eine kleine Schadstelle. «Diese Dose war mit vierzig Franken angeschrieben», beginnt er zu erzählte. Er habe dann das Gespräch mit dem Händler gesucht und ihm gesagt, dass der Preis viel zu hoch sei. Nach weiteren Wortwechseln habe er dann dem Händler vier Franken in die Hand gedrückt. «Kein Händler gibt Bargeld wieder aus der Hand», verrät Portmann lachend, «der Verkäufer behielt das Geld, und ich durfte die Dose mitnehmen.»


Brockenstuben und Brocanten

Auch Christine Portmann, welche die Sammlerleidenschaft ihres Mannes unterstützt, kann eine Geschichte beitragen. Sie habe einmal etwas in die Brockenstube in Langnau gebracht. Da habe es der Zufall gewollt, dass vor ihr eine Frau einen grossen Übertopf abgegeben habe. Sie habe sofort gemerkt, dass das Gefäss von Adolf Gerber stammte. «Ich liess mir nichts anmerken, fragte ruhig nach dem Preis, zahlte die acht Franken und trug den Topf triumphierend nach Hause.»

Auf dem Kamin entdecken wir eine weitere Kuriosität: Ein Serviertablett und darauf eine Schnapsflasche und kleine Becher. Alles aus Ton und im Stil von «Alt-Langnau» dekoriert. Josef Portmann hebt die Kostbarkeit hoch und posiert damit fürs Foto. Auch dieses Jahr wird er wieder die Brocanten in Burgdorf, Thun und anderswo besuchen. Ein Büchlein mit Musterbeispielen von Gerber Keramik und Gerber Signaturen hat er immer dabei. «Mit den Fotos kann ich zeigen, was ich suche», erklärt Portmann, «denn ‹Alt-Langnau› kennen lange nicht alle.»

Der Erfinder des Stils «Alt-Langnau»

Adolf Gerber (1879?–?1951) war der Töpfer, der die berühmte Langnauer Keramik aus dem 18. Jahrhundert aus dem Dornröschenschlaf weckte. 1911 zog er mit seiner Frau Marie Gerber-Kohler nach Langnau an die Güterstrasse. Dort begann er, Geschirr im Stil «Alt-Langnau» herzustellen, kombiniert mit neuen Motiven und Dekors. Paul Wyss, Zeichenlehrer und Kunstmaler, unterstützte ihn dabei. Der Versuch, die Langnauer Töpferkunst neu zu beleben, gelang. Gerbers Töpferei wurde die erfolgreichste Werkstatt der Region und der Stil «Alt-Langnau» zu einer beliebten Marke. Im Regionalmuseum Chüechlihus sind neben dem berühmten alten Geschirr auch Gerber-Keramiken zu bewundern.

22.01.2026 :: Bettina Haldemann-Bürgi (bhl)