Unterschiedlich organisiert, dasselbe Ziel

Unterschiedlich organisiert, dasselbe Ziel
Beim neuen Holzheizkraftwerk in Schüpfheim sind drei Parteien beteiligt. / Bild: zvg
Emmental/Entlebuch: In der Region gibt es zahlreiche Wärmeverbünde. Manche Gemeinden sind daran beteiligt, was Vor- und Nachteile mit sich bringt, wie zwei Beispiele zeigen.

Der Wärmeverbund Landiswil ist seit 2023 in Betrieb. Die AG ist zu 100 Prozent im Besitz der Gemeinde. Wie dem Gemeindeheft «Landiswiler» vom November zu entnehmen ist, hat der Gemeinderat seit Beginn auf Zinseinnahmen in der Höhe von 13'000 Franken verzichtet. Auch für das nächste Jahr seien noch keine Einnahmen budgetiert. Grund für diesen holprigen Start: die schlechte Auslastung sowie hohe Fixkosten. Der Gemeindepräsident Samuel Wittwer, gleichzeitig Verwaltungsratspräsident des Wärmeverbunds, ordnet ein. Nachdem ein privater Investor ausgestiegen sei, habe die Gemeinde das Projekt retten wollen. Die jetzige Lösung sei aus seiner Sicht die schlankste und effektivste Organisationsform. Die Gemeinde habe das Sagen, die Entscheidungswege seien kurz. «Aber ja, die Anlage ist noch nicht ausgelastet», gibt Wittwer zu.


Massnahmen ergriffen

In der Machbarkeitsstudie sei man von 18 Bezügern ausgegangen, aktuell seien es 11. Man habe Massnahmen eingeleitet. Die Information werde verstärkt, der Energie-Einkaufspreis sei nach unten angepasst worden. Zudem richte sich der Verwaltungsrat keine Entschädigung aus. Und die Gemeinde verzichtet, wie erwähnt, auf Zinseinnahmen der Kredite (drei Darlehen von total 525'000 Franken) sowie auf die Verrechnung der Dienstleistungen. Obwohl vorerst der Fokus auf der aktuellen Lösung liege, schliesst der Gemeindepräsident mittelfristig eine Beteiligung von Privaten nicht aus. «Sollte das Aktienkapital allerdings unter 50 Prozent sinken, müssten die Reissleine gezogen und grundlegende Strukturentscheide getroffen werden», so Wittwer.


Schüpfheim hat noch Kapazitäten

Nach vier Jahren Planung wurde im Oktober dieses Jahres das Holzheizkraftwerk des Wärmeverbunds Schüpfheim AG in Betrieb genommen. Daran beteiligt sind die Axpo-Tochter CKW (70 Prozent), die Gemeinde Schüpfheim (20 Prozent) und die Waldgenossenschaft oberes Entlebuch (10 Prozent). Gemäss Christoph Hug, Mediensprecher der CKW, liegt die Auslastung des Kraftwerks bei rund 65 Prozent. «Es wäre schön, wenn noch weitere Haushalte und Gewerbebetriebe ihre Gebäude anschliessen würden.» Die Frage eines Verbunds zu 100 Prozent im Besitz der Gemeinde habe sich nie gestellt, sagt Gemeindepräsident Hanspeter Staub. Es habe bereits ein Wärmeverbund der CKW bestanden. «Deshalb war sie, als ursprüngliche Betreiberin, immer im Boot.» Mit dieser Lösung schätze er die finanziellen Risiken für die Gemeinde als gering ein. Diese sei nicht Betreiberin, sondern Aktionärin. Gemeinden, die ähnliche Projekte planen, empfiehlt Staub, von Beginn weg offen und kontinuierlich zu kommunizieren. «Auch bei uns gab es viele Diskussionen und zahlreiche Konflikte. So konnte das Dorf rund vier Monate lang nur einspurig befahren werden. Da galt es, die Leute abzuholen.»

Wie kommt die Wärme in die gute Stube?

Gemäss dem Verband Thermische Netze Schweiz sind schweizweit derzeit über 1´300 Wärmeverbünde in Betrieb, wobei Schätzungen bis zu über 2'000 reichen, da viele kleine, lokale Anlagen nicht zentral erfasst werden. Aus technischer Sicht entspricht ein Wärmeverbund de facto einem Fernwärmenetz. Fernwärme wird in einer zentralen Anlage - zum Beispiel einer Kehricht-, Holzschnitzel-, Verbrennungs- oder Kläranlage oder einem Heizkraftwerk - erzeugt und über ein Rohrleitungsnetz den Kunden zum Heizen und zur Warmwasser-Aufbereitung zugeleitet. Das Ganze funktioniert wie eine grosse Zentralheizung. Sie versorgt die Gemeinden, Quartiere, Städte und Regionen mit Wärme. Die Fernwärme wird über ein gut isoliertes Verteilnetz in Form von heissem Wasser (80°C bis 130°C) zum Endverbraucher zugeleitet. Das in den Heizungen abgekühlte Wasser (rund 50°C oder tiefer) fliesst über ein zweites Rohr in die Fernwärmezentrale zurück, womit der Kreislauf geschlossen ist.


Vor- und Nachteile für Gemeinden

Energie Schweiz gibt Rat für das Vorgehen der Gemeinden. Im Leitfaden werden auch die Vor- und Nachteile der möglichen Organisations- und Finanzierungsvarianten aufgeführt. Die Vorteile bei einer Realisierung durch Dritte liegen auf der Hand: Der Kapitalbedarf der Gemeinde ist gering, das Know-how wird durch Dritte bereitgestellt, ebenso ist der Betriebsaufwand niedrig. Als Negativpunkt kann das geringe Mitspracherecht der Gemeinde ins Feld geführt werden. Bei einer gemeindeeigenen Lösung sieht die Gewichtung entsprechend gegenteilig aus. Möglich ist noch eine Zusammenarbeit der Gemeinde mit einem Partner. Hier heben sich die Vor- und Nachteile ziemlich auf.

31.12.2025 :: Daniel Schweizer (sdl)