Nächtliche Himmelsbeobachtung: Paul Ehrler bedient das Teleskop in der Sternwarte Oberberg. / Bild: Benedikt Meier
Schüpfheim: Zum Jahreswechsel richten wir in der Sternwarte Oberberg den Blick nach oben. Wir hören von künftigen Himmelsereignissen und erinnern uns an die eigene Winzigkeit.
Wer an einem klaren Abend in den Sternenhimmel schaut, ist oft nicht nur neugierig, sondern stellt sich auch Fragen, kleine und grosse: Was genau sieht man da oben? Wie gross ist das Universum? Und können uns die Sterne vielleicht sogar etwas über die Zukunft verraten? In der Sternwarte Oberberg, die oberhalb von Schüpfheim gelegen ist, erhält man darauf zwar keine endgültigen Antworten, aber einen neuen Blickwinkel. Paul Ehrler, der nebst Bruno Stadelmann und Martin Sprecher für die Stiftung Sternwarte Oberberg Führungen organisiert, betritt das unscheinbare Holzhaus und dreht an einer Handkurbel. Mit einem Rattern werden Wände und Dach über eine Seilwinde zurückgefahren. Ein grosses Teleskop kommt zum Vorschein, bereit, den Himmel zu erkunden.
Der Blick in die Vergangenheit
Über die Frage nach der Zukunft lächelt der Hobbyastronom. «Eigentlich schauen wir ja in die Vergangenheit», erklärt er. «Das Licht des Mondes erreicht uns in etwa einer Sekunde, das der Sonne nach gut acht Minuten, und vom Saturn braucht es etwa eine Stunde und zwanzig Minuten», sagt Ehrler. Doch es gebe auch Galaxien, deren Licht Millionen von Jahren unterwegs ist, bevor es für uns sichtbar ist. «Das ist kaum zu begreifen, aber man bekommt eine Ahnung von der Unendlichkeit des Weltalls.» Auch wenn wir sie erst als vergangene Ereignisse sehen werden - welche astronomische Höhepunkte hält 2026 bereit? «Jedes Jahr ist anders und speziell», erklärt Ehrler. Manchmal seien es aussergewöhnliche Planetenkonstellationen, Sternschnuppen oder Finsternisse. «Solche Ereignisse lassen sich genau berechnen, aber auch Überraschungen sind möglich.» Manchmal wisse man, dass etwas passiere, aber nicht genau, wann.
Grösste Sonnenfinsternis seit 1999
Ein besonderer Höhepunkt erwartet die Sternguckenden am 12. August 2026: Eine Sonnenfinsternis, bei der in der Schweiz rund 90 Prozent der Sonne verdeckt sein werden. Es ist in Mitteleuropa die stärkste Verfinsterung der Sonne seit 1999. In Grönland, Island und Spanien wird sie als totale Sonnenfinsternis zu sehen sein. In der Schweiz wird es eine solche erst wieder 2081 geben. Von der Sternwarte Oberberg aus kann man die Sonnenfinsternis diesen August nicht beobachten, da die Sonne hinter dem nahegelegenen Bauernhaus untergeht. «Wir wollen uns dieses Ereignis trotzdem nicht entgehen lassen», sagt Ehrler. Die Sternwarte plant eine öffentliche Beobachtung auf Heiligkreuz. «Wir werden kleine Teleskope einsetzen, das grosse der Sternwarte können wir nicht transportieren.» Schon kleinere Phänomene lohnen den Blick nach oben, zum Beispiel gleich zu Jahresbeginn: Am 10. Januar erreicht der Jupiter seine Opposition. Das heisse, dass er gegenüber der Sonne stehe und besonders hell strahle, erklärt Paul Ehrler. Im Januar, August, November und Dezember liessen sich zudem viele Sternschnuppen beobachten - neben dem Mond seien dies die Himmelskörper, die für Laien am besten zu beobachten sind.
Staunen garantiert
Viele Besucherinnen und Besucher würden die Sternwarte mit Staunen verlassen, erzählt Ehrler. «Es ist beispielsweise faszinierend, zum ersten Mal die Ringe des Saturns zu sehen. Solche Beobachtungen können nicht durch Bilder aus dem Internet ersetzt werden», ist er überzeugt. Doch Astronomie ist weit mehr als das Beobachten einzelner Himmelsereignisse. «Der Blick ins All relativiert unsere Bedeutung, macht gelassen und weckt Neugier», so Ehrler. Die Faszination für das Weltall zu vermitteln, war auch das Anliegen von Franz und Peter Stalder. Die beiden Brüder und Landwirte haben die Sternwarte 1989 erbaut und konstruierten in hunderten von Arbeitsstunden sogar das Teleskop selbst. Testamentarisch verfügte Peter Stalder, der 2015 als zweiter Bruder verstarb, dass die Sternwarte in der Form einer Stiftung weitergeführt werden soll. Er hielt zudem fest, dass auch künftig kein Eintritt verlangt werden soll - um allen den Blick in die Sterne zu ermöglichen.