Im beschaulichen Bergdorf Schattenbühl fragt man sich, was zu tun sei, wenn ein Bundesrat seine Aufwartung machen will. / Bild: Beatrice Keck (keb)
Marbach: Der Theaterverein Marbach feierte im bis auf den letzten Platz gefüllten Gemeindesaal die Première seiner neuesten Produktion, einer Komödie über einen amtsmüden Bundesrat.
Bundesrat Oskar Wyss (Andreas Aeschlimann) reichts: «Schluss, aus, Ende, ich habe genug. Ich bin der Clown im Bundeshaus. Der eine will Geld, der andere mehr Subventionen, der Dritte will mich als Gastredner und der Vierte will mich nicht sehen.»
Sein deutlich geäusserter Frust wird unterstrichen durch die Radionachrichten, die im Wohnzimmer der Familie Wyss gerade aus dem Äther tönen: «An der traditionellen Armin-Grütli-Tagung hat Bundesrat Oskar Wyss nur jedes zweite Wort seiner Rede gelesen, weil ihn Nationalrat Christoph Kocher zuvor als halben Bundesrat bezeichnet hatte. In Zug hat die Vereinigung gescheiterter Börsenhändler VGBH die staatliche Einmischung von Bundesrat Oskar Wyss in die Finanzwirtschaft aufs heftigste kritisiert und eine Vervierfachung der Arbeitslosen-Unterstützung gefordert. Und in Olten hat der Schweizer Verband der Chamäleon-Züchterinnen gegen Bundesrat Oskar Wyss eine Strafanzeige eingereicht, weil er Nationalrat Ulrich Saurer mit einem Chamäleon verglichen und damit gegen das Tierschutzgesetz verstossen habe.»
Er will im Bergdorf abtauchen
Gegen den Willen seiner Gattin Elvira (Trudi Lötscher), seiner pupertierenden Tochter Lucie (Cheyenne Meier), seinem Sohn Benno (Patrik Bucher) und der Parteipräsidentin (Esther Beer) entscheidet Wyss kurzerhand, sich eine Auszeit zu nehmen. Eine Auszeit von der Familie und der Politik. Inkognito, verkleidet als Oskar Schwarz, reist er ins abgelegene Bergdorf Schattenbühl, um dort Wanderferien zu machen. Doch anstatt auf Ruhe trifft er dort auf emsiges Treiben. Durch eine Indiskretion hat der Gemeinderat von Schattenbühl erfahren, dass das Dorf prominenten Besuch erwartet: Bundesrat Oskar Wyss soll seine Aufwartung machen. Umgehend plant der Gemeinderat (Jonas Stadelmann, Melanie Grüter, Sämi Giger und Raphael Hurni) einen gebührenden Empfang für den hohen Gast. Auch die Wirtin (Monika Bieri), ihre Tochter (Seline Siegrist), die Serviertochter (Jasmin Stadelmann) sowie der Coiffeur (Thomas Lötscher) werden in die Vorbereitungsarbeiten einbezogen. Was sie nicht wissen: Der Gast ist längst unter ihnen. Der vermeintliche Fremde, der ganz offensichtlich ein Gespür für Politik hat, wird prompt in die Vorbereitungen einbezogen – und hilft unwissentlich, seinen eigenen Empfang zu organisieren. Turbulenzen sind vorprogrammiert und das unausweichliche Chaos macht die Komödie zu einem humorvollen Vergnügen.
17 Schauspieler und 9 Sängerinnen
Der damals prominente Schweizer Komiker César Keiser hat das humorvolle Stück 1982 zusammen mit Peter Farner unter dem Titel «Schwarzi Göggs und wyssi Chräge» geschrieben. Unter dem neuen Titel «Verchleidet» schrieb Nicolas Russi eine aktualisierte Version der turbulenten Komödie. Zusammen mit 17 Marbacher Laienschauspielenden und verstärkt von einem neunköpfigen Kinderchor, unter der Leitung von Eveline Stadelmann-Krummenacher, haben nun Regisseurin Dorli Giger und Regisseur Heinz Lötscher das Stück mit dem Theaterverein Marbach einstudiert.
Am 26. und 27. Dezember sind weitere Aufführungen.