Antons schräge Texte aus der Chäsi

Antons schräge Texte aus der Chäsi
Originelle Texte eines Originals: Nach den Kolumnen widmet sich Anton Brüschweiler nun dem Roman. / Bild: zvg
Gysenstein: Seit Jahrzehnten bereichert Anton Brüschweiler als «bunter Hund» die Kultur­szene. Als Autor, Gitarrenkünstler und mit seinem Kulturzentrum, der Chäsi Gysenstein.

Anton. Einfach Anton. Sein Vorname ist sein Markenzeichen, seit er vor Jahrzehnten mit der Rockband Pünktchen und Anton und seiner Stromgitarre die Berner Bühnen eroberte. Antonline.ch heisst dementsprechend seine Webseite. Irgendwann zügelte er ins Emmental und verwandelte als leicht ungezogener Zugezogener die alte Chäsi Gysenstein in ein Kulturzentrum. Wo ein Jahrhundert lang Emmentalerkäse produziert wurde, präsentiert Anton Kleinkunst von Rock- und Weltmusik bis Comedy und Literatur.


Groteske Gedankengeschichten

Letzten Samstag, am dreizehnten, sorgte Anton persönlich für ein Heimspiel. Denn er las aus seinem frisch erschienenen zweiten Buch mit 42 Kolumnen aus der «Wochen-Zeitung». 17 Jahre lang verfasste er unermüdlich fantastische Kurztexte: überraschend, schräg, inspirierend und absurd. «Dieses Buch ist für labile, unausgeglichene Personen absolut ungeeignet», warnt der Buchdeckel. Er trage gerne gelbe Hosen, berichtet Anton etwa. Deshalb werde er immer wieder mal als Gemeindearbeiter angesprochen, obschon er über keine handwerkliche Begabung verfüge, was natürlich nicht stimmen kann - wie so vieles in den 120 Kolumnen, die er für die «Wochen-Zeitung» verfasst hat. Seine waghalsigen Stories haben tatsächlich immer wieder unerwartete Folgen, die Autor Brüschweiler - «ich hasse meinen Nachnamen» - selber erschauern lassen. So wurde seine Satire darüber, wie er unversehens zu einem Milliardenvermögen gekommen sei, für bare Münze genommen. Als Nebenwirkung erhielt er Bettelbriefe, einen TV-Auftritt bei Aeschbacher und einen Magazin-Beitrag mit dem Titel «Der Anarchist im Emmental».


Auf dem Weg zum Roman

Wenn Anton über den Lehrermangel schreibt, über die geklauten kleinen Bleistifte von Ikea, einen Klopfgeist, über Ferien als Geschäftsmodell gegen den Klimawandel oder über «sein» Gitarrenriff bei «Smoke On The Water», ist dies erfrischend irritierend. Im Buch zeigen die in der Zeitung erschienenen Kolumnen ihre ganze Grösse und sorgen für nachhaltiges Lesevergnüngen. Er habe sich bei den Kolumnen ausgeschrieben, erklärt Anton. Nun wagt er sich an einen Roman, einige Wochen lang bündelt er als «Artist in residence» in Ventspils in Lettland seine Gedanken und Worte. Gleichzeitig musiziert er in Bands wie Küre Güdel (ehemals Schlagzeuger bei Rumpelstilz), Houston Solution, Flashgarden, Back Doors Men oder der Fritz Demeter All Star Band, die auch seine Lesung am 17. Januar 2026 im Mauerhoferhaus in Trubschachen begleiten wird. Der Titel des Buches «Die Hoffnung zu stören» ist eine Art Lebensprogramm von Anton. Einst tourte er für die CD «Tütü» im Ballettkleid durch die Lande und auf seiner «Superanton-Tour» im waschechten Superman-Kostüm. «Bin ich Gitarrenlehrer, Musiker, Katzen-Dompteur, Liedermacher, Komponist, Leiter eines Kulturzentrums oder Schriftsteller?», fragt er sich auf Seite 26 des neuen Buches. «Drahtzieher» ist ein Vorschlag, um die Schreibereien, Klangmalereien und Mischlereien seines Wirkens zu beschreiben. Wer ihn besser kennenlernen will, macht am besten eine Weiterbildung bei ihm, zum Beispiel im Kurs zu «Ungesund leben».

18.12.2025 :: Karl Johannes Rechsteiner (kjr)