Escholzmatt: Das Jodeln wurde von der Unesco in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Gody Studer aus Escholzmatt war aktiv am Gelingen beteiligt.
Das Winzerfest in Vevey gehört dazu, ebenso wie die Basler Fasnacht oder die Prozessionen in Mendrisio. Sie wurden von der Unesco unter dem etwas sperrigen Namen «immaterielles Kulturerbe» geadelt. Neu gehört auch das Jodeln dazu.
«Dieses Erbe umfasst lebendige Traditionen, widerspiegelt die kulturelle Vielfalt und zeugt von der menschlichen Kreativität.» So ist es in einer Medienmitteilung des Bundes zur Aufnahme des Jodelns in die Unesco-Liste zu lesen. Für die Schweizer Volkmusik ist das eine grosse Sache. Dem Jodeln wird eine kulturelle Bedeutung zugestanden, die oft genug in Zweifel gezogen wurde. Mitgewirkt an diesem Erfolg hat der Escholzmatter Gody Studer, der als Vertreter des Eidgenössischen Jodlerverbands (EJV) im Vorstand der IG Volkskultur Schweiz den Prozess begleitet hat. Die Aufnahme des Jodels bei der Unesco bezeichnet Gody Studer als vorgezogenes Weihnachtsgeschenk. Überrascht hat es ihn aber nicht. «Ich war zu nahe dran und wusste, dass das Anliegen nirgends anstellte und überall begrüsst wurde.» Es sei eine grosse Wertschätzung gegenüber dem Jodeln und öffne die Türen für die weitere Entwicklung.
In der Hitparade
In der öffentlichen Wahrnehmung hat das Jodeln in den vergangenen Jahrzehnten einen Wandel erfahren. Dazu Gody Studer: «In den 1970er-Jahren wurde das Jodeln belächelt. Das ist auch heute zum Teil noch der Fall. Mein Ziel ist es, zu zeigen, dass Jodeln nichts Minderwertiges an sich hat.» Es handle sich um eine eigenständige Musikform, die Anerkennung verdiene. Die Akzeptanz ist heute jedoch weitaus grösser als früher, das lässt sich leicht an der Schweizer Hitparade ablesen; der Jodlerklub Wiesenberg erreichte mit allen drei veröffentlichten Alben die Charts, als Höhepunkt Platz eins mit «Land ob de Wolke». Auch Popgrössen wie Trauffer, Gölä oder Francine Jordi zeigen keine Berührungsängste. Der Aufschwung schlägt sich auch in den Mitgliederzahlen der Vereine nieder. Der EJV zählt heute etwa aktive 12'000 Jodlerinnen und Jodler, die meisten von ihnen gehören einem der 711 registrierten Chöre an. Die über 70 Kinderjodelchöre untermauern das Interesse der Jüngsten am Jodeln.
In der Pflicht
Die Anerkennung zum Kulturerbe ist auch mit Verpflichtungen verbunden, werden diese nicht wahrgenommen kann der Status von der Unesco wieder entzogen werden. Besonders im Fokus steht dabei die Weitergabe des Erbes, aber auch die Digitalisierung diverser Archive. Was die Weitergabe betrifft, existieren bereits mehrere Projekte, eines davon nennt sich «das jodelnde Klassenzimmer». Dafür werden Jodlerinnen und Jodler gesucht, die als Lehrpersonen an Primarschulen unterrichten und bereit sind, Jodeln in ihren Klassen zu vermitteln. Eine gelebte Kultur ist auch Veränderungen unterworfen. Wie kann sich der Jodel weiterentwickeln und gleichzeitig die Tradition bewahrt werden? Gody Studer hat dazu eine klare Meinung. «Man muss wegkommen von starren Regeln und Grenzen. Das freie Jodeln, ausserhalb den Vorgaben des Verbands, muss an Bedeutung gewinnen. Aber selbstverständlich soll auch der traditionelle Jodel innerhalb der Klubs weiterhin gepflegt werden.» Doch um eine bestehende Tradition zu erhalten braucht es auch klare Regeln, oder? Daran sei ja auch nichts falsch, findet Studer. Dank der Vorgaben durch den EJV sei der Jodel in seiner Form erhalten geblieben. «Doch nicht der Verband allein bestimmt, was Jodeln ist. Man darf keine Scheuklappen tragen, sondern muss offen bleiben für weitere Entwicklungen.»