Annina Keller mit ihrem neuen Buch «Anna» über das Leben ihrer Ururgrossmutter; die Geschichte startet in der «Krone» Zäziwil. / Bild: Rebekka Schüpbach (srz)
Zäziwil: Die Vernissage von «Anna» liess alte Zeiten in der «Krone» aufleben. Annina Keller stellte ihr erstes Buch vor, das im ehemaligen Gasthof seinen Anfang nimmt.
Der Saal in der rund 200-jährigen «Krone» Zäziwil war fast bis auf den letzten Platz besetzt. Zahlreiche Medienberichte hatten mitgeholfen, Neugierde auf das neue Buch von Annina Keller zu wecken, so dass aus Platzgründen noch eine zweite Vernissage am selben Tag stattfand.
«Sie liess mich nicht mehr los»
«2010 ist mir Anna zum ersten Mal begegnet, als mir Trudi, eine Cousine meiner Grossmutter, von ihr er-zählte», erläutert die Autorin aus dem Kanton Schaffhausen. Die bewegte Geschichte ihrer Ururgrossmutter aus dem Emmental liess Keller nicht mehr los und langsam reifte die Idee, sie in einem Buch zu veröffentlichen. Die Verlegerin Gabriella Baumann-von Arx vom Wörterseh Verlag bestärkte sie in ihrem Vorhaben. Keller sammelte über die Jahre allerlei Gegenstände und Geschichten ihrer Protagonistin: Ein Überseekoffer, ihr Vergissmeinnicht-Büchlein, wo Anna wichtige Daten notierte, ein handgeschriebenes Kochbuch, Zeitungsartikel, Fotos und mündlich überlieferte Familienlegenden.
Nur ein Tagebuch fehlte und so musste die Autorin ihrem Ururgrosi selber einen Charakter geben. «Das war die grösste Herausforderung», erzählt sie später im Interview. Irgendwann seien sie sich jedoch begegnet und von da an lief es wie von selbst.
«Rösti, Zuckerrohr und Liebe»
Die Geschichte beginnt in der «Krone» Zäziwil, wo die junge Anna Blaser aus dem Oberthal als Köchin arbeitet. Als sich ihre Chefin das Leben nimmt, steht der Wirt Fritz Joss plötzlich mit seinen acht Kindern alleine da. Anna muss sich entscheiden. Nimmt sie den Heiratsantrag von Fritz an und wird mit ihren 25 Jahren die neue Mutter seiner Kinder und gleichzeitig Wirtin, oder wartet sie auf ihre Jugendliebe Paul, den sie eigentlich heiraten möchte? «Zu dieser Zeit hatte sie kaum eine andere Wahl als die Ehe mit dem um 14 Jahre älteren Fritz einzugehen», erklärt die Autorin. Anna wird dennoch eine tüchtige Wirtin und den Kindern eine liebevolle Mutter und später Grossmutter. Eigene Kinder gebar sie hingegen nie. Nach dem Tod von Fritz führt sie den Gasthof weiter, bis eines Tages Paul wieder im Türrahmen steht. Für Anna beginnt ein neuer Lebensabschnitt in einer ganz anderen Welt.
Rezepte zum Ausprobieren
Keller war es wichtig, sich möglichst genau an Fakten und damaligem Zeitgeschehen zu orientieren. So gelang es ihr, ein unterhaltsames Buch zu schreiben, ergänzt mit «gluschtigen» Rezepten von Anna. Wer jedoch, anders als die Autorin, im Emmental aufgewachsen ist und Denkweise und Sprache der Grosseltern und deren Generation noch im Ohr hat, dürfte hie und da etwas stolpern beim Lesen. Eine schnelle «Baumwollsuppe» oder Annas «Brönnti Creme» trösten jedoch sicher schnell darüber hinweg. Für Keller ist ihr Buch ein Startschuss als Autorin. Über weitere Projekte will sie noch nichts verraten.