Welche Partei kann die Stimmen der FDP erben?

Welche Partei kann die Stimmen der FDP erben?
In welche Richtung steuert die Gemeindepolitik von Oberdiessbach? / Bild: Silvia Wullschläger (sws)
Oberdiessbach: Am 28. September wird der Gemeinderat neu gewählt. Ins Rennen steigen drei Parteien. Spannend wird, wer den Sitz der FDP, die nicht mehr antritt, sichern kann.

Nicht umstritten ist in Oberdiessbach das Gemeindepräsidium. Bettina Gerber (die Mitte, Liste SVP) stellt sich zur Wiederwahl und wird nicht herausgefordert. Damit es klappt, muss sie somit einzig die Wahl in den Gemeinderat schaffen.

Auf eine Wiederwahl hoffen auch die weitere drei bisherige Mitglieder des Gemeinderats: Christina Lädrach von der SVP sowie Priscilla Furrer und Jürg Zurbrügg von der EVP. Insgesamt bewerben sich 13 Personen auf drei Listen für die Exekutive.

Klar ist bereits, dass in der nächsten Legislatur die FDP nicht mehr im Gemeinderat vertreten sein wird. Ihr aktueller Gemeinderat Stephan Hänsenberger tritt nach acht Jahren in diesem Amt nicht mehr an. Mögliche Nachfolger fanden die Freisinnigen nicht. Auch die GLP reichte keine Liste ein. Vor vier Jahren bildete sie zusammen mit der SP das Bündnis Oberdiessbach Mitte Links (OML). Dessen Gemeinderat Thomas Friedli stellt sich nicht zur Wiederwahl. Fragt sich, wer von der neuen Konstellation  profitieren kann.


EVP profitiert vom Bisherigen-Bonus

Komfortabel ist die Ausgangslage für die EVP, die ihre beiden Sitze mit zwei Bisherigen verteidigen kann. Trotzdem meint Präsident Hanspeter Schmutz, dass es nie selbstverständlich sei, dass Bisherige quasi automatisch betätigt würden. Ob die EVP gar einen Sitz gewinnen könnte, bezeichnet er als «unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen». Entscheidend werde sein, wer die Stimmen der FDP erben könne. «Mit unserem Schwerpunkt auf der werteorientierten Ortsentwicklung könnten wir auch das Gewerbe ansprechen, falls ihre Vertreter nicht resigniert haben», findet Schmutz. Grundsätzlich bedauert er, dass es nicht alle bisherigen Parteien geschafft haben, eine Liste einzureichen. Die EVP ihrerseits kann gleich mit einer Fünferliste antreten. Ihr Ziel sei es gewesen, glaubwürdige Kandidierende aus möglichst allen Alters- und Berufsgruppen zu finden, was viel Überzeugungsarbeit gebraucht habe, aber nun gelungen sei.


SVP will vier bürgerliche Sitze

Auch die SVP kann aus dem Vollen schöpfen. Fünf Namen stehen auf ihrer Liste, zwei davon Bisherige. Wegen Amtszeitbeschränkung nicht mehr antreten kann André Furrer. So viele Kandidierende zu finden, sei nicht einfach gewesen, sagt Präsident Simon Hadorn. Aber dank grossem Effort und hartnäckiger Arbeit des ganzen Vorstandes sei es gelungen. Das minimale Ziel der SVP sei es, wieder mit drei Personen im Gemeinderat vertreten zu sein. Anzustreben sei aber, alle bürgerlichen Sitze, auch den der FDP, zu halten. Oberdiessbach sei ein bürgerliches Dorf und solle dies auch bleiben. «Es gilt unbedingt, eine Mehrheit der SP und EVP zu verhindern», betont der Präsident. Einfach werde das aber nicht. Zugute kommt der SVP, dass Gemeindepräsidentin Bettina Gerber, die der Mitte-Partei angehört, auf ihrer Liste kandidiert. «Es ist immer gut, wenn man Bisherige auf der Liste hat. Die Wähler kennen sie bereits und wissen deshalb, wofür sie stehen», sagt Simon Hadorn.


SP hofft auf ein Restmandat

Die SP kann nicht vom Bisherigen-Bonus profitieren. Trotzdem ist Präsident Christoph Joss zuversichtlich, den Sitz verteidigen zu können. «Unsere Wählerbasis war bisher immer genügend gross für einen Sitz.» Ab und zu sei es sogar gelungen, dank eines Restmandats zwei Vertretungen im Gemeinderat zu stellen. Der bisherige Sitz der FDP, deren Fernbleiben er bedaure, werde wohl ein Restmandat sein. «Die Chancen sind also vorhanden, dass dieses uns zufallen könnte», hält Joss fest. Und weshalb tritt die SP bei dieser Wahl alleine, ohne die GLP, an? Die Mitglieder hätten dies nach eingehender Diskussion so entschieden. «Als Hauptgrund wurde moniert, dass sich so die SP-Wählenden in der SP-Liste wieder besser finden können.» Auf dieser stehen nun drei Namen und sie ist somit die kleinste. Für Joss aber kein Nachteil: «Wir haben bewusst darauf verzichtet, weitere Leute als Listenfüller aufzuführen. Unsere Kandidierenden streben eine Wahl auch wirklich an.»

18.09.2025 :: Silvia Wullschläger (sws)