Lützelflüh wird sich weiterentwicklen – doch die Dorfränder sollen auch in 20 Jahren ähnlich aussehen wie heute. / Bild: Erhard Hofer (hol)
Lützelflüh: Leicht wachsen, gegen innen verdichten – so die Stossrichtung der Lützelflüher Ortsplanungsrevision. Noch bis am 14. September liegt sie öffentlich auf.
Wird man in 20 Jahren aus der Vogelperspektive auf die Gemeinde Lützelflüh blicken, sollen die Siedlungsränder vergleichbar mit den heutigen sein. So lautet eines der Ziele der Ortsplanungsrevision. «Wir möchten ein tiefes und nachhaltiges Wachstum, bestätigt Gemeindepräsident Kurt Baumann. Für kommende Generationen solle es trotzdem noch Entwicklungsmöglichkeiten geben.
Wie diese Ziele erreicht werden sollen, war letzte Woche an einer Informationsveranstaltung zu erfahren. Rund 80 Personen seien gekommen und «die Stimmung war gut», bilanziert Kurt Baumann. Dass mit der Einzonung von Arbeitszonen (Emmentalstrasse, Kentaur) sowie mit der Umzonung fürs Dändlikerhaus drei grosse Themen vorgezogen worden waren und von der Gemeindeversammlung bereits bewilligt sind, habe die Diskussion entlastet. Nun gehe es noch um rund 60 kleinere Anpassungen im Zonenplan.
Wohnquartiere verdichten
Die Gemeinde strebt an, in den bestehenden Bauzonen die Voraussetzungen für zusätzlichen Wohnraum, zu schaffen, «um den Bedarf für die nächsten 15 Jahre zu decken», wie Kurt Baumann erklärt. Möglich machen dies verschiedene Massnahmen zur Innenverdichtung. Vor allem die Wohnquartiere im Unterdorf sowie in Grünenmatt im Umfeld des Bahnhofes sollen verdichtet bebaut werden können.
Konkret sind Aufzonungen vorgesehen. Aktuell sind in diesen Gebieten nur zweigeschossige Wohnhäuser erlaubt. In Zukunft soll ein drittes Vollgeschoss möglich werden. Zusätzlich sollen Änderungen im Baureglement – zum Beispiel reduzierte Grenzabstände oder zusätzliche Möglichkeiten für den Näherbau – das verdichtete Bauen fördern. Im Oberdorf sowie in Ortsbildschutzgebieten sind hingegen keine solchen Aufzonungen geplant.
Erwartet die Gemeinde in diesen Gebieten nun einen Bauboom, indem Einfamilienhäuser aufgestockt oder durch Mehrfamilienhäuser ersetzt werden? «Ich rechne vorerst mit einer bescheidenen Entwicklung», relativiert Kurt Baumann. Trotzdem wolle man die Möglichkeit für Bautätigkeiten schaffen.
Auch die Arbeitszonen sollen optimal ausgenutzt werden können. Mehrere Areale werden in Arbeitszonen mit grösseren Gesamthöhen umgeteilt. Dies gelte insbesondere südlich der Emmentalstrasse.
Varianten für Kindergartenparzelle
In den öffentlich aufgelegten Unterlagen fällt eine Besonderheit auf: Für das Gebiet am Dammweg/Birkenweg, wo sich der Kindergarten Unterdorf befindet, wurden zwei Varianten erarbeitet. Die Stimmberechtigten werden ihre bevorzugte Lösung auswählen können.
Aktuell befindet sich der Kindergarten im Unterdorf in einer Wohnzone. Der Gemeinderat will dies so belassen, bis klar ist, wie die Parzelle in Zukunft genutzt wird. Dies weil geplant ist, dass der jetzige Kindergarten dereinst ins neue Kindergartenzentrum Rain zügeln wird (die «Wochen-Zeitung» berichtete). Anders will es die Variante «Schertenleib», die auf einen Antrag an einer Gemeindeversammlung im Jahr 2022 zurückgeht: Die öffentliche Nutzung der Parzelle mit Zweck Kindergarten und Schule soll im Zonenplan festgeschrieben werden.
Es bleibt beim Kindergartenzentrum
Würde die Annahme der Variante «Schertenleib» dem neuen Kindergartenzentrum in die die Quere kommen? Kurt Baumann verneint: «Am neuen Kindergartenzentrum wird festgehalten. Aktuell läuft das Vorprojekt.» Was in der Zone für öffentliche Nutzung im Unterdorf realisiert werden könnte, müsste in diesem Fall geklärt werden.
Die Ortsplanung liegt nun bis am 14. September öffentlich auf. Trotz der konstruktiven Diskussionen rechnet Kurt Baumann mit Einsprachen. «Bei einer solch umfassenden Revision ist dies der Normalfall.» Doch das Ziel steht fest: Am 24. November soll das Geschäft vor die Gemeindeversammlung kommen.