Kommt es zu einem Anschutz, wie im Juli 2022, besteht die Gefahr von Personen- oder Sachschäden. / Bild: Pedro Neuenschwander (pnz)
Emmental: Eine neue Analyse zeigt: Vor allem entlang von Emme und Ilfis ist das Risiko gross, dass Menschen und Sachwerte von einem Unwetter betroffen sein könnten.
Mit welchen Massnahmen können Menschen und Sachwerte am effizientesten vor Hochwasserereignissen geschützt werden? Diese Frage kann – zumindest im Oberemmental – mit neuen Daten beantwortet werden. Dieses Gebiet kommt als erstes im Kanton Bern zu einer Risikokarte. Dies, weil derzeit der erste Gewässerrichtplan für die Emme erarbeitet wird. «Bis 2030 verlangt der Bund kantonsweit solche Karten», erklärt Georg Heim, Bereichsleiter Wasserbau im
Oberingenieurkreis IV.
Personen und Sachwerte einbezogen
Im Unterschied zu den bestehenden Gefahrenkarten, aus denen ersichtlich ist, welche Gebiete bei einem bestimmten Ereignis überflutet würden, gehen die Risikokarten einen Schritt weiter. «Aus den Karten geht hervor, welches Schadenpotenzial an Menschen und Sachwerten erwartet werden muss», sagt Georg Heim. Um dies berechnen zu können, wurde die Gefahrenkarte ergänzt mit Zahlen zu den Belegungen von Gebäuden des Bundesamts für Statistik sowie mit Angaben der Gebäudeversicherung zum Wert und der Bauart der Häuser. Georg Heim nennt ein Beispiel: «Wenn ein Pflegeheim in einem gefährdeten Gebiet steht, sind hohe Sach- und Personenschäden zu erwarten. Umgekehrt ist der erwartete Schaden in einem Landwirtschaftsgebiet gering, selbst wenn dort häufig Überschwemmungen auftreten.» Zur Berechnung potenzieller Personenschäden wurden Werte verwendet, welche vom Bund vorgegeben wurden. «Diese bilden im Prinzip ab, wie viel die Gesellschaft bereits ist, zur Vermeidung solcher Schäden zu zahlen», führt Georg Heim aus. Die neuen Risikokarten weisen die erwarteten Hochwasserschäden als jährlichen Geldwert aus, auch wenn Überschwemmungen nur alle paar Jahrzehnte auftreten. Die Karten dienen Gemeinden, den Schwellenkorporationen und dem Kanton als Planungsgrundlage für künftige Massnahmen zum Hoch-wasserschutz. Vergleicht man die acht Oberemmenta-ler Gemeinden, fällt vor allem eines auf: Die Unterschiede sind gewaltig. In Röthenbach ist das Risiko mit gut 90'000 Franken pro Jahr am niedrigsten; in Signau mit rund 450'000 Franken am zweithöchsten - am grössten sind die erwarteten Schäden in Langnau. Hier beträgt der Wert gut 2 Millionen Franken pro Jahr. «Dass Langnau bei der Analyse obenaus schwingt, habe ich wegen der dichten Besiedelung erwartet», sagt Georg Heim, «aber dass der Wert so hoch ist, überrascht dann doch.» In Langnau geht das grösste Risiko von der Ilfis aus, für die aktuell ein Hochwasserschutzprojekt geplant wird (siehe Kasten).
Über die Grenze schauen
«Aus der Karte geht auch hervor, dass von den Seitengräben – bezogen auf die Sach- und Personenschäden – ein eher geringes Risiko ausgeht», erklärt Georg Heim weiter. Solche Erkenntnisse seien wertvoll, um die finanziellen Mittel effizient einsetzen zu können. «Das kann auch über die Gemeindegrenzen hinausgehen», fügt er an. «In Schangnau wird, wenn alles nach Plan läuft, noch heuer mit dem Bau massiver Schwemmholzrechen begonnen. An den Kosten werden sich auch weiter unten gelegene Gemeinden wie Eggiwil oder Lauperswil beteiligen», berichtet Georg Heim. «Die Ereignisse der letzten Jahre haben gezeigt, dass es wichtig ist, sich regional gegen die immer häufigeren und heftigeren Ereignisse zu wappnen.»