Aus kleinen, schwarzen Strichmännchen lässt Werner Emmenegger einen Mercedes entstehen. / Bild: Bernadette Waser-Unternährer (wbe)
Schüpfheim: An seiner ersten Ausstellung präsentierte der Künstler Werner Emmenegger eine Auswahl seiner umfangreichen Werke - Autos haben es ihm dabei besonders angetan.
Werner Emmenegger ist ein Naturtalent. Er absolvierte nie eine Kunstausbildung und hat auch kein spezielles Vorbild. Trotzdem malt er eindrückliche Bilder. Seine Sujets sind vielseitig. Menschen, Tiere, Landschaften, Autos – alles scheint ihn zu inspirieren und zu faszinieren. Kleine Details verraten das Gesicht einer «Verruchten». Eine ratlose Frau im roten Abendkleid steht hilflos neben einem schwarzen VW-Käfer mit platten Reifen, während daneben das «Moto Girl» mit seinem Fahrzeug zu verschmelzen scheint. Und aus kleinen, schwarzen Strichmännchen entsteht ein Mercedes.
Schon als Kind gerne gemalt Werner Emmenegger ist gelernter Automechaniker mit einer Weiterbildung als Maschinenmechaniker. Daher kommt wohl auch seine Begeisterung für Autos. Zu seinem Interesse an der Malerei sagt er: «Ich habe immer gerne gemalt, schon als Kind.» Früher habe er es aus beruflichen Gründen für das Geschäft getan und erst nach der Pensionierung richtig angefangen. In dieser Zeit schuf der 73-Jährige 80 Bilder in Acryl- oder Aquarell-Technik auf Leinwand. 25 bis 30 Stunden braucht er im Schnitt für ein Bild. Es gebe aber auch aufwändigere, wie beispielsweise Jagdszenen.
Fotografie als Ausgangslage
Viele seiner Bilder gestaltet er nach einem zuvor gemachten Foto, wie dasjenige vom Times Square, den er auf einer Amerika-Reise fotografierte. Oder das 1 auf 1,5 Meter grosse Dorf- und Landschaftsgemälde von Schüpfheim, welches er vorher auf der Schüpfer Egg aufgenommen hat. An diesem Bild arbeitete er gar 100 Stunden. Auch das Porträt von Schauspieler und Autorennfahrer Steve McQueen (1930-1980) entstand nach einer alten Fotografie. Da Werner Emmenegger als Jugendlicher von McQueen inspiriert wurde, widmete er ihm zusätzlich noch eine 2 auf 3 Meter grosse Installation aus Modellautos. Diese sammelte er während eines halben Jahres bei Privatpersonen, auf Flohmärkten und in Brockenstuben. Fast 3000 Automodelle kamen so zusammen, die der Künstler mit Carrosserieharz auf Metallschienen klebte, welche er zuvor an einem Holzbrett befestigt hatte. Für das Malen des Porträts mit Carrosseriefarben brauchte er danach nur noch einen Tag.
Bilder ergänzt mit Sprüchen
Seinen Traum, wie Steve McQueen selber ein Autorennen zu fahren, konnte sich Emmenegger vor zehn Jahren als Teilnehmer an einem Oldtimer-Bergrennen in Altbüron erfüllen. Er startete mit einem legendären, in Schüpfheim gebauten Enzmann-Rennwagen, den er selbst aufwändig restauriert hatte. Dass der Maler auch dichterische Fähigkeiten hat, zeigen seine Sprüche und Lebensweisheiten, die er zu seinen Bildern verfasst. Über einen ausrangierten VW-Käfer schrieb er: «Neu und schön war der VW, noch eben. Nun ist er alt, kaputt und steht daneben.» Sein Kommentar zum eingeschneiten VW lautet: «Früher gab es noch sehr viel Schnee. Die Autos waren total eingeschneit, ojeh.» Und einen ins Rutschen geratenen Wagen ergänzt er mit dem Neujahrswunsch: «Einen guten Rutsch ins neue Jahr, nimm´s gemütlich, dann wird´s wunderbar.»