Heiniger ist mit seinem ersten Soloprogramm «drus u dänne»

Heiniger ist mit seinem ersten Soloprogramm «drus u dänne»
Pesche Heiniger erzählt und singt in seinem Soloprogramm von Heimatgefühl und Fernweh. / Bild: Werner Bosshard / Bild: zvg
Langnau: Mit «drus u dänne» präsentiert Pesche Heiniger sein erstes abendfüllendes Programm. Humorvoll und nachdenklich ist das Stück, das der Slam-Poet am 4. Januar im Kellertheater zeigt.

Wer denkt nicht auch mal daran, die Koffer zu packen und das Weite zu suchen, fremde Kulturen kennenzulernen, Neues zu erleben, Distanz zu gewinnen, nur um dann wieder in die geliebte Heimat zurückzukehren? Und wer tut es nicht gar hin und wieder, wenn auch nur im Kleinen: in den Zug steigen, in die Berge fahren, auswärts essen, ein Theater besuchen oder einfach nur im Lehnstuhl sitzen und sich ans andere Ende der Welt träumen? Auf und davon – «mit diesem Thema können sich sehr viele Menschen identifizieren», ist sich der Langnauer Slam-Poet, Kolumnist, Geschichtenschreiber und Liedermacher Pesche Heiniger sicher.


Detailarbeit nach Castinggewinn

Das Spannungsfeld zwischen Reisefieber und Heimatgefühl ist auch das zentrale Thema seines ersten abendfüllenden Soloprogramms «drus u dänne». Anfang Oktober 2024 feierte er damit im Berner La Capella eine Auswärtspremiere, im Januar präsentiert er es nun auch daheim in Langnau. Das 90-minütige Stück setzt sich aus Texten, Songs, aus älterem wie auch neu geschriebenem Material zusammen. Eine Auswahl, die zu tref-fen Pesche Heiniger alles andere als leichtgefallen ist. «Ich hätte mit meinen Arbeiten drei Programme füllen können», sagt er.

Umso wertvoller war für den Künstler der Gewinn des Oltner Kabarett-Castings 2024. Der mit 10´000 Franken dotierte Förderpreis, symbolisiert durch ein Cornichon-Glas, ermöglichte Heiniger eine mehrtätige Zusammenarbeit mit dem in Tösstal lebenden Theaterautor und -regisseur Paul Steinmann. Die beiden trafen sich zu einem Zeitpunkt, an dem sie direkt bei den Details, beim Feinschliff ansetzen konnten, so Heiniger. Das Grundgerüst war bereits solide genug und der rote Faden klar. «Dank Steinmanns Inputs bin ich aber dann von der Idee weggekommen, dass mein Programm einer klaren Storyline folgen muss.» Er habe mehr Raum für Experimente geschaffen und das Stück dadurch unterhaltsamer gestalten können.


Sehnsüchte und Heimatliebe

Inspiration holt sich Pesche Heiniger aus seinem Alltag, notiert Gedanken in seinem «ziemlich chaotischen» Notizbuch, das er immer bei sich trägt und auf eine ganz eigene Art und Weise strukturiert – oder eben nicht. In «drus u dänne» verarbeitet er viele eigene Sehnsüchte und seine Liebe zur Heimat. «Ich beziehe mich sehr oft auf das Emmental», sagt Heiniger. Das komme sowohl inhaltlich wie auch sprachlich zum Ausdruck – etwa wenn er «gotthelfisches Hochdeutsch» spricht. Was funktioniert und was nicht, erörtert Heiniger in einem ersten Schritt immer mit Frau Heiniger. «Meine Ehefrau ist meine erste und strengste Kritikerin», offenbart der Wort- und Klangkünstler aus dem Oberfrittenbach. «Wenn sie mich fragt, was ich mit dem einen oder anderen genau sagen will, dann sind das meistens genau diejenigen Stellen, bei denen ich mich selber unsicher fühle.» Ihre Rückmeldungen veranlassen ihn, zu reflektieren, und was dabei herauskomme, sei immer zum Besseren. Mit «drus u dänne» erwarten das Publikum «wohlwollende und wohltuende» eineinhalb Stunden. Das Programm sei mal absurd, mal überraschend und ganz sicher voller Humor, fasst Pesche Heiniger zusammen. «Ich spiele mit Worten und mit dem Klang der Sprache, und ich arbeite mit Pointen.» Eine Pointenparade werde es aber ganz sicher nicht. Pesche Heiniger sieht sich selber nicht als Schenkelklopfer-Comedian. Vielmehr schätzt er auch die ruhigen und nachdenklichen Momente. «Das Ganze rhythmisiere ich mit meiner Musik.» Was so viel heisse wie: «Man muss nicht immer voll fokussiert sein, sondern kann sich zwischendurch auch mal entspannen.»

03.01.2025 :: Miriam Margani-Lenz (mml)