Neues Bildungszentrum für Holzbranche

Neues Bildungszentrum für Holzbranche
Das Ausbildungszentrum soll in der rechten Hälfte der umrahmten Parzelle gebaut werden. / Bild: Peter Egli
Lützelflüh: Die Schreiner und die Holzbauer planen an der Emmentalstrasse ein neues Bildungszentrum. Rund 1000 Lernende sollen dort ihre überbetrieblichen Kurse besuchen.

Beim Berner Schreinermeisterverband hat das Projekt für ein neues Bildungszentrum in Lützelflüh bereits die erste Hürde genommen: Letzte Woche wurde an der ausserordentlichen Generalversammlung der Planungskredit über 250´000 Franken genehmigt. Geprüft worden seien drei Varianten, sagt Jürg Rothenbühler, Präsident des Verbands sowie Inhaber und Geschäftsführer der Schreinerei Rothenbühler in Zollbrück. Die anderen beiden Standorte in Uetendorf und in Burgdorf hätten deutlich schlechter abgeschnitten als Lützelflüh. «Hier, an der Emmentalstrasse, können wir die Parzelle kaufen und nach unseren Bedürfnissen bauen.» Gespräche mit dem Grundeigentümer seien positiv verlaufen. Für Lützelflüh habe auch die gute Erreichbarkeit mit dem öffentlichen Verkehr gesprochen. Das sei wichtig, denn die Lernenden stammten – mit Ausnahme des Ber-ner Oberlands – aus dem ganzen Kantonsgebiet, so Rothenbühler. Heute führt der Berner Schreinermeisterverband seine überbetrieblichen Kurse (ÜK) in Langnau, Langenthal und Lyss durch. Diese Standorte sollen geschlossen werden.


Ein Leuchtturmprojekt

«In unserem Verband wird seit gut zehn Jahren über das Zusammenlegen der ÜK-Zentren diskutiert», erklärt Jürg Rothenbühler. Vielerorts bestehe Nachholbedarf beim Maschinenpark, und da sei es von Vorteil,
nur einen Standort neu ausrüsten zu müssen statt deren drei. «Wenn wir weiterhin eine zeitgemässe und qualitativ hochstehende Ausbildung bieten wollen, müssen wir jetzt handeln.» Der Hauptgrund aber, weshalb es jetzt vorwärtsgehe, sei das Zentrum in Langenthal. Der Kanton saniere dort den Campus und es sei ungewiss, ob die Schreiner überhaupt dort bleiben könnten. Besonders freut Jürg Rothenbühler die Tatsache, dass auch die Holz-

bauer planen, ihr Bildungszentrum nach Lützeflüh zu verlegen. Aus diesem Grund spricht er von einem Leuchtturmprojekt. «Die Augen der ganzen Schweiz sind auf den Kanton Bern gerichtet, weil hier erstmals zwei Branchenverbände für ihr Ausbildungszentrum zusammenspannen», freut sich der Emmentaler.


Es braucht mehr Platz

Beim Verband der Holzbauer ist das Projekt etwas weniger weit. Demnächst soll der Planungskredit an einer ausserordentlichen Generalversammlung beantragt werden. «Unsere ÜK finden heute in Lyss statt, wo wir eingemietet sind», erklärt Peter Haudenschild, Präsident der Sektion Bern von Holzbau Schweiz. Das sei von Anfang an eine Übergangslösung gewesen. Der Mietvertrag laufe zwar noch, doch es sei bekannt, dass die Parzelle irgendwann überbaut werde. Ausserdem bräuchten sie dringend mehr Platz. «Die Chance, nun zusammen mit den Schreinern ein eigenes Bildungszentrum zu bauen, wollen wir packen.» Auch die Lernenden der Berufe Zimmermann?/?Zimmerin EFZ sowie Holzbearbeiter/-bearbeiterin EBA kommen aus dem ganzen Kanton mit Ausnahme des Berner Oberlands. 

Beide Branchenvertreter erhoffen sich, Synergien nutzen zu können. Sie denken dabei an Theorie- und Aufenthaltsräume, Empfang, Büros oder Absauganlagen. Auch organisatorisch könne man in gewissen Bereichen zusammenarbeiten, etwa bei der Planung. Ob im Bildungszentrum auch eine Kantine entstehen wird, sei noch nicht bestimmt, sagt Jürg Ro­thenbühler. Zimmer dagegen würden nicht eingebaut. «Lernende, die vor Ort übernachten müssen, finden bestimmt im Dorf Möglichkeiten. Da können auch neue Angebote entstehen.»


Zentrum für 1000 Lernende

Rund 540 Lernende der Schreiner sowie 500 der Holzbaubranche werden die ÜK besuchen, die je zwischen 40 und 45 Tagen dauern. Sowohl Ro­thenbühler als auch Haudenschild können sich vorstellen, dass auch Weiterbildungskurse für Erwachsene in Lützelflüh angeboten werden. «Das Zentrum wird auf jeden Fall gut ausgelastet sein.» 

Rothenbühlers Zeitplan sieht vor, den Verbandsmitgliedern den Baukredit in 15 bis 18 Monaten vorzulegen. Würden die Schreiner das Zentrum alleine bauen, rechnet er mit Kosten von 8 Millionen Franken. Spannen beide Verbände zusammen, sollen es insgesamt 14 Millionen sein. «Das heisst, jeder Verband spart eine Million.»

«Positive Nachricht für Lützelflüh»

Lützelflühs Gemeindepräsident Kurt Baumann zeigt sich «sehr erfreut» ob dem geplanten Bildungszentrum. «Das ist eine positive Nachricht.» Das Dorf könne sicher profitieren, etwa die Gastronomie oder Lebensmittel-geschäfte. Da die meisten Lernenden mit dem ÖV anreisen würden und die Parzelle von der Emmentalstrasse her erschlossen werde, komme es auch nicht zu Mehrverkehr. Ebenso seien keine grösseren Lärmimmissionen zu befürchten, was die Anwohnerschaft freuen dürfte, sagt Baumann. Die Parzelle an der Emmentalstrasse war letzten Herbst Thema an der Gemeindeversammlung. Die Stimmberechtigten sagten damals grossmehrheitlich Ja zur Einzonung der Arbeitszone. Auf knapp der Hälfte der 15´900 Quadratmeter grossen Fläche will die Firma Wüthrich AG einen Erweiterungsbau erstellen. Das neue Bildungszentrum soll daran anschliessend entstehen.

06.06.2024 :: Silvia Wullschläger (sws)