Es hat nicht gereicht: Goalie Luca Boltshauser (Nummer 39) und seinen Kollegen nach dem Match in Zürich. / Bild: Peter Eggimann (ped)
Eishockey: Die SCL Tigers waren nahe dran an einem Platz im Play-In, den Top 10 der höchsten Schweizer Liga. Obwohl es am Ende nicht gereicht hat, war die Saison ein Erfolg. Eine Bilanz.
Der Match in Zürich ist vorbei, die Tigers haben verloren. Die Enttäuschung ist gross. Goalie Luca Boltshauser bleibt lange auf dem Eis knien, Teamkollegen kommen vorbei, versuchen ihn aufzumuntern. Aber auch ihre Gesichter sind leer. Und die hunderten Langnauer Fans in der Zürcher Arena, fast alle in rot gekleidet, sind für einen Moment still. Während des ganzen Spiels haben sie Stimmung gemacht, ihr Team angetrieben – trotzdem hat es nicht gereicht. Weil Biel seinen letzten Match gewonnen hat, schaffen es die Seeländer in die Top 10 und qualifizieren sich fürs Play-In. Den Langnauern bleibt der 11. Rang, ihre Saison ist vorbei. «Wir haben gekämpft, waren so nahe dran. Es ist einfach nur schade», sagt Stürmer Oskars Lapinskis später vor der Garderobe. Doch bald mischt sich auch Stolz in seine Stimme. Dann, wenn er nach der Saisonbilanz gefragt wird. «Ich denke, als Team haben wir einen Schritt nach vorne gemacht.»
Die Kontinuität
Vor drei Jahren wurden die SCL Tigers in der höchsten Liga abgeschlagen Letzte – mit 34 Punkten. Vor zwei Jahren hatten sie ebenfalls nur 35 Punkte, letzte Saison 60 Punkte und nun 71 Punkte. Headcoach Thierry Paterlini und seine Assistenten haben das Team vor zwei Jahren übernommen, es stabilisiert und weiterentwickelt. Pascal Müller, der Leiter Sport, schenkt der Trainercrew Vertrauen. Diese Saison zum Beispiel bezog Langnau früh drei Kanterniederlagen in Serie: 3:7 gegen Lausanne, 1:6 gegen Davos und 0:7 gegen Bern. Darauf wurden nicht etwa die Trainer infrage gestellt, sondern die Vertragsverlängerungen mit ihnen kommuniziert. Auch sonst gab es wenige Nebenschauplätze, Gerüchte und Spekulationen. Dafür viel Kontinuität; die Verträge mit den Schlüsselspielern wurden ebenfalls früh fixiert.
Die Jungen
Ein weiterer Grund für die Fortschritte: Noch letztes Jahr waren die Tigers stark von ihren ausländischen Spielern abhängig; sie erzielten fast 70 Prozent aller Tore. Diese Saison schossen die Schweizer fast 45 Prozent der Tore, allein Julian Schmutz kam auf 21 Treffer und verdiente sich ein Aufgebot für die Nationalmannschaft. Das Debüt in der Nati gab auch Torhüter Stéphane Charlin. Mit einer Abwehrquote von 91,9 Prozent gehört er ebenso zu den Topgoalies der Liga wie auch Teamkollege Luca Boltshauser (91,7 Prozent). Charlin ist erst 23-jährig und damit bei weitem nicht der jüngste Stammspieler bei den Tigers. Brian Zanetti (20), Oskars Lapinskis (21), Noah Meier (21), Bastian Guggenheim (22) und diverse weitere U25-Spieler erhalten in Langnau viel Eiszeit. Die SCL Tigers hatten diese Saison total 243 verletzungsbedingte Absenzen zu beklagen, doppelt so viele wie im Vorjahr. Routiniers wie Sebastian Schilt (48 Spiele verpasst), Matthias Rossi (46 Spiele) und Nolan Diem (36 Spiele) fehlten dem Team mehr als die halbe Saison. «Das war eine Hypothek», sagt Headcoach Thierry Paterlini. «Aber es war auch eine Chance für andere, sich weiterzuentwickeln.»
Die Perspektiven
«Wenn man bedenkt, wie weit unten wir vor zwei Jahren waren, dürfen wir stolz sein auf das Team», sagt Thierry Paterlini. Für ihn und seine Crew folgen nun das Debriefing, übermorgen Samstag (ab 18 Uhr im Tigersaal) steigt das Saisonschlussfest. Dann geht es für die Spieler in die Ferien – und bald beginnt das Sommertraining. «Nächste Saison wird es nicht einfacher», blickt Paterlini voraus. Heuer waren Biel, der amtierende Vizemeister, und Servette, Meister sowie Champions-League-Sieger, unmittelbar vor den Tigers platziert. «Wollen wir solche Teams überholen, müssen wir in allen Belangen besser werden», so der Headcoach. Durchschnittlich 5605 Zuschauer verfolgten diese Saison die Heimspiele der SCL Tigers. Die Stadionauslastung stieg auf 93 Prozent, 10 Prozent mehr als in der Vorsaison. «Es hat Spass gemacht, so oft in einem vollen Stadion zu spielen», sagt Thierry Paterlini. Die Mehreinnahmen sind auch positiv für die Jahresrechnung. Zudem wird im Herbst der Campus mit dem zweiten Eisfeld und dem grossen Athletikbereich eröffnet. Die Zukunftsaussichten sind also gut in Langnau. «Nun müssen wir weiter lernen, wichtige Spiele zu gewinnen und konstanter zu werden», sagt Oskars Lapinskis. «Dann liegt auch nächste Saison ein Schritt vorwärts drin.»