Die Brandis Ladies wehrten sich gegen Top-Stürmerinnen aus Zug nach Kräften. / Bild: Stephan Schori (ssr)
Eishockey: Die Brandis Ladies verlieren ihr Heimspiel gegen die Frauen des EV Zug mit 0:14. Das klingt erst einmal schlecht, bei näherer Betrachtung ist es aber nur halb so schlimm.
Die aktuelle Saison in der zweithöchsten Spielklasse der Frauen ist alles andere als ausgeglichen. Das liegt am EV Zug: Dort wurde auf diese Saison ein Frauenteam gegründet und gleich mit der grossen Kelle angerichtet. Mit Lara Stalder, Noemi Ryhner, Ivana Wey sowie diversen weiteren Spielerinnen wurden grosse Namen mit zum Teil bereits über 100 Länderspielen verpflichtet.
Die Ambitionen sind klar, der EVZ will auch im Eishockey der Frauen ganz vorne mitmischen. Aber nun gibt es da gewisse Reglemente von Verbandsseite, die eingehalten werden müssen. Für neu gegründete Klubs gilt eigentlich, dass sie in der tiefsten Liga beginnen, bei den Frauen wäre das die SWHL D. Demgegenüber wäre Zug gerne ganz oben, in der SWHL A, eingestiegen – kein Wunder mit diesem Kader. Also fand man einen Kompromiss: Die EVZ-Frauen würden ihre erste Saison in der SWHL B, der zweithöchsten Liga, bestreiten. Sehr zum Leidwesen der anderen SWHL-B-Teams, wie sich schon bald herausstellen sollte. Was auf dem Papier noch nachvollziehbar erscheint, ist in der Praxis, nun ja, ein sportliches Gemetzel, anders kann man es nicht ausdrücken.
Erst ein Gegentreffer
Nach den ersten zehn Begegnungen der Saison erzielten die Zugerinnen im Schnitt knapp 18 Treffer pro Spiel. Erhalten haben sie im selben Zeitraum exakt ein Tor, in Zahlen: 1. Das Kunststück gelang dem DHC Lyss, ausgerechnet dem Tabellenletzten, doch das Endergebnis von 1:?24 wird die Lysserinnen auch nicht glücklich gemacht haben. Den bisher höchsten Sieg fuhren die Zugerinnen gegen die Rapperswil-Jona Lakers ein, 27:0 stand es dort zum Schluss. So betrachtet ist die Zielsetzung für die Gegnerinnen des EVZ schnell erarbeitet; wer weniger als 18 Tore kassiert, liegt schon mal über dem Durchschnitt. Wer ein Tor erzielt, kann seinen Enkeln davon erzählen.
Gute Phase im Schlussdrittel
Für den Match gegen die Brandis Ladies fehlten den Zugerinnen sage und schreibe sieben Spielerinnen, die für die Nationalmannschaft aufgeboten waren. War das eine Chance für Brandis? Kurze Antwort: Nein. Nach dem ersten Drittel lagen die Brandis Ladies 0:5 zurück. Ungefähr zur Spielmitte wurde Torhüterin Nubya Aeschlimann durch Jeannine Bürki ersetzt. Nicht, weil Aeschlimann schlecht gespielt hätte, sondern weil das bei den Emmentalerinnen gängige Praxis ist. Und wenigstens wurde so der Frust gleichmässig verteilt.
Die beste Phase des Spiels durchlebten die Ladies im letzten Drittel ab der 52. Minute beim Stand von 0?:11. Da blieben sie sieben Minuten lang ohne Gegentor und hatten selber noch eine Riesenchance auf den Ehrentreffer. Torhüterin Bürki lief zu Höchstform auf und vereitelte eine Zuger Chance nach der anderen. 11:?0, das wäre für Zug einer der tiefsten Siege der Saison gewesen. Doch in den letzten anderthalb Minuten des Spiels schenkten sie den Ladies nochmals drei Treffer zum Schlussresultat von 0?:14 ein.
Nie aufgegeben
Selbst wenn die Brandis Ladies während des gesamten Spiels wenig Zeit im gegnerischen Drittel verbracht haben: aufgeben war kein Thema. Eine Spielerin ging bei dem ganzen Spektakel allerdings fast ein wenig unter, und zwar die Torhüterin des EVZ. Natürlich, Eveliina Mäkinen wird es sich gewohnt sein, nicht unbedingt im Zentrum des Geschehens zu stehen. Aber ein bisschen mehr Betrieb vor ihrem Tor, dafür wären wohl auch die Brandis Ladies zu haben gewesen. Wenn man sie denn gelassen hätte.
Die Frauen des EVZ werden kommende Saison in der SWHL A spielen, daran besteht kein Zweifel. Dann wird es in der zweithöchsten Liga hoffentlich wieder etwas ausgeglichener zugehen.