Stéphane Charlin durfte sich nach dem Lausanne-Match feiern lassen. / Bild: Peter Eggimann (ped)
SCL Tigers: Die Langnauer verlieren zwar in Davos, haben zuvor aber dreimal in Folge gepunktet. Grossen Anteil hat Stéphane Charlin, der in jedem Spiel das Tor hütete.
Mit 1:3 mussten sich die SCL Tigers am Dienstag in Davos geschlagen geben. Die Bündner waren nicht unbedingt besser, aber effizienter. Die Langnauer rannten 55 Minuten lang einem Rückstand nach. Besonders zu Beginn des Schlussdrittels dominierten sie, kamen aber trotz aussichtsreichen Chancen und zwei Powerplay-Gelegenheiten zu keinen weiteren Toren. Der Davoser Torhüter Sandro Aeschlimann liess sich nur beim zwischenzeitlichen Ausgleich durch Julian Schmutz bezwingen.
Trotz der Niederlage in Davos dürfen die Langnauer mit den Leistungen der letzten Spiele zufrieden sein. Wie schon mehrfach in dieser Saison rückte die Mannschaft nach einem Rückschlag zusammen und zeigte eine positive Reaktion. Nach der 0:8-Heimpleite gegen Lugano konnten die Tigers dreimal in Serie punkten – und das ausgerechnet in einer der strengsten Wochen. Auf dem Programm der Tigers standen drei Spiele in vier Tagen: Am Mittwoch im Derby gegen Bern wurden sie, genau wie am Freitag in Genf, für eine gute Leistung mit nur einem Punkt belohnt. Am Samstag im Heimspiel gegen Lausanne rettete das Team von Thierry Paterlini mit vereinten Kräften einen 4:3-Sieg über die Zeit. Nach einem spielerisch überzeugenden Mitteldrittel sah man den Spielern an, dass die Kräfte langsam schwanden. Der Einsatz und das leidenschaftliche Verteidigen wurde von den Fans honoriert, die Stimmung im Stadion war noch lange nach der Schlusssirene grandios.
Charlin springt ein
Für einen Langnauer war die Woche besonders intensiv: Torhüter Stéphane Charlin. Nachdem er gegen Bern durchgespielt hatte, nahm er gegen Genf auf der Bank Platz – jedoch nur für vier Minuten. Dann musste Luca Boltshauser verletzt vom Eis. Charlin sprang ein und brillierte mit einer Fangquote von 93,33 Prozent. Diese konnte er gegen Lausanne gar noch toppen, nebenbei stellte er mit 54 Paraden in einem Spiel einen neuen Klubrekord auf. Nach der Partie skandierten die Fans noch minutenlang seinen Namen, bis er erneut aufs Eis zurückkehrte. «Es war grossartig, schon das ganze Spiel über herrschte eine unglaubliche Atmosphäre», sagte der 23-jährige Torhüter über die Unterstützung der Fans, welche der Mannschaft Kraft gegeben habe.
Wie streng waren die drei Spiele in vier Tagen für Charlin? «Ich fühlte mich gut, es war gar nicht so streng. Ich war viel mehr glücklich und habe es genossen, denn normalerweise Spiele ich nicht drei Spiele innert einer Woche.» Es dürften wohl noch ein paar dazukommen: Stammgoalie Boltshauser wird aufgrund seiner Rückenprobleme voraussichtlich noch einige Tage ausfallen; das Comeback vor der Natipause ist ungewiss.
Nicht zu euphorisch, nicht zu wütend
Auf die Frage, wie er es sowohl nach einem ärgerlichen Gegentor als auch nach einem Big Save schaffe, so ruhig zu bleiben, antwortet Charlin: «Vielleicht liegt es in meiner Natur.» Er habe sich aber angewöhnt, nie zu euphorisch zu werden, aber auch nie zu wütend. «Es bringt nichts, man muss immer nach vorne schauen.»
Gleich handhabt es der Welsche mit den Schlagzeilen um seine Person. Noch zu Beginn der letzten Saison war die gängige Meinung, dass Langnau – hauptsächlich wegen Charlin – über das schwächste Torhüter-Duo der Liga verfüge. «Ich verstehe, woher die Einstellung der Leute kam. Ich hatte zuvor eine schlechte Saison in Genf.» Mit konstant guten Leistungen hat sich Stéphane Charlin inzwischen etabliert. Jüngst wird er viel öfter mit dem Langnauer NHL-Goalie Akira Schmid verglichen, mit dem er in den Junioren-Nationalteams zusammenspielte. Auch das bekommt Charlin mit, macht sich darüber aber kaum Gedanken, obwohl die NHL für jeden Spieler ein Traum sei.
Vorderhand konzentriert er sich aber auf die nächsten Spiele mit den Tigers. Das Ziel: «Ich will jede Gelegenheit, bei der ich spielen kann, nutzen. Dabei muss ich dem Team Vertrauen und die Chance auf den Sieg geben.» Mittelfristig will er in der National League Nummer-1-Torhüter sein – so wie er es in diesen Tagen bereits ist.