Mit neuer Motivation zurück im Hockey

Mit neuer Motivation zurück im Hockey
Zwei Freundinnen an der Bande: Marina Zürcher (links) und Assistenztrainerin Claudia Riechsteiner. / Bild: Monika Mülchi
Eishockey: Nach sechs Jahren Pause ist die 36-jährige Aargauerin Claudia Riechsteiner zurück im Hockey-Business – als Assistenztrainerin und Spielerin bei den Brandis Ladies.

41 Länderspiele hat Claudia Riechsteiner während ihrer 13-jährigen Karriere mit dem Reinacher Frauenteam bestritten. Eines davon war die letzte Partie des Olympia-Qualifikationsturniers in Peking im Jahr 2004. Gegen das hochfavorisierte Heimteam China schoss sie sechs Sekunden vor Schluss den entscheidenden Treffer zur erstmaligen Olympia-Qualifikation der Schweizerinnen. Dieses Spiel blieb ihr in bester Erinnerung. Der Chronist der Hockey-Webseite www.frauennati.ch schrieb damals: «Es war der eine Moment, der eine Schuss, der die Geschichte neu schreiben liess. Die Scheibe flog an allen Spielerinnen vorbei, düpierte die Torhüterin über der linken Schulter und krachte in die weite obere Ecke und die Welt war nicht mehr dieselbe.» 

Claudia Riechsteiner erinnert sich: «Ja, dieses Tor hat vieles bewirkt, für mich, aber auch für die Nati, die 2006 am ersten olympischen Frauenhockey-Turnier in Turin teilnehmen durfte.» Es sei ein Riesending gewesen und dieser Treffer habe sie auch persönlich verändert. «Ich spürte mehr Selbstvertrauen, habe mehr Dinge gewagt und bin auch als Mensch gewachsen.» Aber jede Medaille, jeder noch so schöne Moment habe auch eine Kehrseite: «Ich musste feststellen, dass es sowohl im sportlichen als auch im privaten Bereich Neider gab, die mir diesen Erfolg überhaupt nicht gönnen wollten.»


Rückschläge neben dem Eis

Ende der Saison 2015/2016 trat Claudia Riechsteiner zurück. «Ich habe mich vom Eishockey distanziert, mein Leben neu geordnet und bin anderen Interessen nachgegangen.» Vermisst habe sie das Hockey eigentlich nicht, sagt sie, obwohl zumindest eine langjährige Freundschaft sie immer wieder daran erinnerte. Es war die enge Verbindung zu Brandis-Spielerin Marina Zürcher und deren Lebenspartner, Brandis-Coach Mathias Leuenberger. «Sie haben mir den roten Teppich ausgelegt und ich hätte von einem Tag auf den andern bei Brandis wieder spielen können. Aber ich war dazu mental nicht bereit.» Hinzu kam, dass sie eine Knieoperation und eine längere Rehabilitation von einem Comeback abhielten. Dann reizte sie das Hockey langsam wieder. Aber der Tod ihres Vaters vor drei Jahren hat sie getroffen wie kein anderes Ereignis in ihrem Leben. «Wir waren 30 Jahre lang ein super Team. Er hat mir jenen Halt gegeben, den ich als Sportlerin und als Mensch brauchte.» 


Erfahrung weitergeben

Nun ist sie doch zurück, auf und neben dem Eis. Das Werben ihrer beiden Brandis-Freunde hat endlich Früchte getragen. «Ich bin mit Leib und Seele wieder dabei und voll motiviert.» Ihr Job als Coach an der Seite von Mathias Leuenberger macht ihr Spass: «Wir beide harmonieren sehr gut. Und es macht Spass, mit einem sehr jungen Team zu arbeiten, meine Erfahrung weiterzugeben und zu sehen, wie sich die einzelnen Spielerinnen entwickeln.» Sie ist überzeugt, dass «wir viel Talent in unserem Team haben und wir vorne mitspielen können». Das Ziel ihrer Arbeit sei, den jungen Spielerinnen zu lehren, Verantwortung zu übernehmen. «Wir haben einige Spielerinnen, die das können. Die Aufgabe der Coaches ist es, sie dabei zu unterstützen.» 

Einmal hat sie die Ausrüstung angezogen und beim Saisonstart gegen Sursee (14:4-Sieg) auch ein Tor geschossen. «Mättu möchte natürlich, dass ich mehr spiele», sagt sie und lacht. Aber Probleme mit dem nicht operierten Knie hielten sie davon ab. «Jetzt ist alles wieder gut und ich denke, ich werde noch das eine oder andere Spiel bestreiten können.» Möglicherweise bereits am kommenden Samstag beim Spitzenspiel gegen Leader Freiburg. 


Dominique Aegerter als Nachbar

Claudia Riechsteiner wohnt seit Jahren in Rohrbach. In Rohrbach ist auch das Zuhause von Töff-Weltmeister Dominique Aegerter. «Er ist quasi mein Nachbar», sagt sie. Der Freund ihres Lebenspartners ist Aegerters Bruder, und zusammen mit ihrem Arbeitgeber, der Hostettler Gruppe in Sursee, kam sie zu einem Erlebnis der besonderen Art. «Ich hatte das Privileg, die Rennen in Magny-Court hautnah mitzuerleben, das war eine herausragende Erfahrung.» Sie arbeitet zwar im Logistikbereich der Töff-Firma der Hostettler Gruppe und ist damit auch mit dem Motorrad-Zirkus verbunden, «aber Töffrennen schaue ich nur, wenn Dominique fährt», meint sie.

10.11.2022 :: Daniel Monnin (dmb)