Anton Küchler und Mike Curran prüfen die Reife der Hopfendolden. / Bild: Landwirschaftlicher Informationsdienst (lid)
Trub: Der Hof Balmeggberg setzt auf Selbstversorgung, testet neue Ansätze im Bereich Energie und Ernährungssicherheit und bringt Menschen mit der Landwirtschaft in Kontakt.
Rund 15 Personen leben auf dem abgeschiedenen Hof in Trub und üben sich in Selbstversorgung. Einerseits aus Überzeugung, andererseits aber auch aufgrund von praktischen Überlegungen, wie Anton Küchler vom Balmeggberg erklärt. «Alles, was wir selber machen, müssen wir nicht hier heraufführen», sagt er. Auf drei Hek-taren landwirtschaftlicher Nutzfläche wird in einem grossen Garten Gemüse gezogen, Obstbäume und Beerensträucher liefern Früchte. Es werden Pilze kultiviert, Legehennen gehalten, und dank Ziegen und Kaninchen gibt es auch ab und zu Fleisch auf dem Teller.
Selbstversorgung in all ihren Formen
Die Gemeinschaft auf dem Balmeggberg ist sich bewusst, dass sie keine absolute Selbstversorgung betreiben kann. Unter anderem ist Getreideanbau aufgrund der Topografie auf ihrem Hof kaum möglich, und auch bei der Energie ist der Kleinstbetrieb auf eine Versorgung von aussen angewiesen. Geheizt wird zwar mit eigenem Holz und für das Warmwasser ist die einzige geeignete Dachfläche mit Sonnenkollektoren belegt. Der Strom wird aber über die Plattform «Strom von hier» von umliegenden Anlagen zugekauft. «Selbstversorgung muss nicht klein gedacht sein. Man kann sie auch regional, national oder noch grösser verstehen», sagt Anton Küchler und fügt an, dass es auf dem Balmeggberg mehr darum gehe, herauszufinden, wie viel Selbstversorgung mit den vorhandenen Ressourcen zu schaffen sei. Mit rund drei Hektaren Wiesland und ebenso viel Wald produziert die Gemeinschaft etwa einen Drittel ihrer Lebensmittel und zwei Drittel der Energie selbst.
«Sicher kann man uns als Idealisten belächeln. Doch auch wir müssen eine gewisse Effizienz erreichen, damit es funktioniert», meint Mike Curran, der ebenfalls auf dem Hof lebt. Jährlich pilgern zahlreiche Menschen für Workshops hierher. Pro Jahr verbucht der agrotouristische Betriebszweig bis zu 4000 Übernachtungen. «Rund ein Viertel der Verpflegung für unsere Gäste wird hier auf dem Betrieb produziert – wir ernähren also auch noch weitere Menschen ausser uns selbst und bringen sie auf kleiner, aber nachhaltiger Ebene mit der Landwirtschaft in Kontakt», ergänzt Curran.
Botschafter für die Landwirtschaft
Tatsächlich lägen die Realitäten in der Bevölkerung heute weit auseinander, beschreibt Anton Küchler seine Erfahrungen. Der Konsum werde häufig unabhängig von der Produktion wahrgenommen. Ihr Ansatz sei darum vielschichtiger: «Wir wollen Menschen die Möglichkeit geben, praktische Erfahrungen in der Landwirtschaft zu sammeln», erklärt er. «Alle, die hier durchkommen, nehmen etwas mit – den Bezug zur Versorgung und das, was hinter der Lebensmittelproduktion steckt», ergänzt Mike Curran. Dafür sei ein kleinstrukturierter Betrieb geeignet. Ausserdem könnten sie viel einfacher neue Ideen ausprobieren und Risiken eingehen. «Kleinstbetriebe wie der Balmeggberg leisten einen Beitrag zur Diversität in der Landwirtschaft – einerseits durch die ökologischen Strukturen, andererseits auch, weil Nebenerwerbshöfe oft nach anderen Wirtschafts- und Lebensmodellen funktionieren als Vollerwerbsbetriebe», ist Küchler überzeugt.
Robuste Landwirtschaft in Krisen
Ansätze wie Permakultur oder Agroforst, die auch in der produktiven Landwirtschaft immer relevanter werden, sind auf dem Balmeggberg schon lange Realität. So könnten Erfahrungen später auch für grössere Betriebe bedeutsam werden. «Während sich die Forschung Gedanken über Technik und ertragreiche Lösungen machen muss, bevor sie Projekte umsetzt, können wir einfach mal starten und ausprobieren», meint Curran, der nebenbei beim Forschungsinstitut für biologischen Landbau im Bereich Nachhaltigkeit arbeitet. «Ich schaue unseren Hof auch ein bisschen als Versuchsbetrieb an.» Eine Landwirtschaft, die nicht nur wirtschaftlich oder technisch innovativ sei, sondern auch gesellschaftlich neue Wege gehe, könne ungenutzte ökologische und ökonomische Potenziale erschliessen, ergänzt Küchler. «Wenn eine Volkswirtschaft ihre landwirtschaftliche Produktion diversifiziert, bleibt sie im Krisenfall robust.»