Nach langer Zeit sind Span wieder mal im Emmental aufgetreten. / Bild: Gertrud Lehmann (glh)
Lützelflüh: In der Kulturmühle spielte die Mundart-Rockband Span, die vor 50 Jahren mit ihrer Gründung in der Hämlismatt bei Arnisäge Geschichte geschrieben hat.
«Schön, wider mau im Ämmitau z spile», meinte der Leadsänger Georges «Schöre» Müller. Er ist eines der Gründungsmitglieder von Span, und er wusste im Laufe des Abends manches «Müsterli» aus der Anfangszeit zu erzählen.
Lange Geschichte
Span, ursprünglich Grünspan, das waren fünf junge «Giele», die als Kommune zehn Jahre in einem Bauernhaus in der Hämlismatt bei Arnisäge zusammenlebten, um Musik zu machen. Entgegen der vorherrschenden Mentalität imitierten sie nicht irgendwelche Weltstars, sondern erfanden eigene Texte, und sie sangen Berndeutsch. Mit «Bärner Rock» und «Tschou zäme» wurden sie erstmals bekannt. Auch Musiker und Songwriter Housi Wittlin gehörte einige Jahre zu der Gruppe. Ab 1978 produzierte Span zusammen mit Marianna Polistena und Polo Hofer als Polos Schmetterding einige Platten und konnte sensationelle Erfolge feiern. Damit durften sie sich als Erfinder des Mundartrocks feiern lassen. Später trennten sich ihre Wege: Polo gründete Rumpelstilz, während Span wieder den eigenen Stil verfolgte. Als «unsterbliche», noch heute gern gesungene Hymne machte sie «Louenesee» berühmt.
Begeistertes Publikum
Mit der heutigen Besetzung: Christoph Kohli, Bass und Vocals, Stefan Müller, Keyboard, Georges Müller, Gitarre und Vocals, und dem relativ «neuen», erst seit 13 Jahren dazugehörenden Matthias Nydegger am Schlagzeug, bewies die Band in der Kulturmühle, dass sie keineswegs Patina angesetzt haben. Ob alte oder neuere Perlen aus ihrem umfangreichen Repertoire, wurden die Songs fetzig interpretiert. Nach einer melodiösen Ballade folgte «Säg doch du bruchsch mi», es hätte ein Stück von Rolling Stones sein können. Nur eben auf Berndeutsch, so wie sämtliche anderen Lieder auch. «Isch guet so, nid z lut?» sorgte sich Georges Müller um seine Zuhörer, die, wie er selber auch, grossenteils zur älteren Generation gehörten. Im familiären Rahmen der Kulturmühle war platzbedingt kein wildes Gehopse möglich. Man wiegte sich also in den Hüften, nickte im Takt mit dem Kopf, und klatschte manchmal im Rhythmus der Musik in die Hände. Zwischendurch konnte man sich im ersten Stock auf einen Stuhl setzen und ausruhen, dann sah man aber nicht auf die Bühne.
Erinnerungen
Der Bauer, der den jungen Musikern damals das Bauernhaus überliess, habe damit den Dörflern eins auswischen wollen, weil sie ihm einen Neu-bau verhinderten, erzählte Müller zwischendurch. Man stelle sich die Aufregung damals vor, die Männer mit langen Haaren und schräger «Alegig», welche die ganze Nacht laute Musik machten, und morgens die Vorhänge zuzogen, und nicht einmal «Granium» vor den Fenstern hatten. Sogar der Bernhardiner sei ihnen manchmal fortgelaufen, wenn es ihm zu viel wurde. Aber er sei immer wieder heimgekommen, und auch die Dorfbewohner hätten sich mit der Zeit an die Hippies gewöhnt und diese in Ruhe gelassen.
«Ga schaffe» heisst Musik machen
«I bi ne langsame Bärner, u ha ne zimlech herte Gring» singt Müller jetzt, und «Du tuesch mir guet» und – eines der Schönsten – «Rosegarte». Das Publikum kommt langsam in Fahrt, es gibt Zwischenrufe und Szenenapplaus, bei «Louenesee» singt man sogar mit. «Stöffu un i, sit 50 Jahr zäme uf dr Büni, u es fägt no gäng» ruft Müller, «u mi chlin Brüetsch, wo ne Gring grösser isch aus i, am Keyboard». Es geht dem Ende zu. Und mehr als drei «Beilagen» liegen nicht drin, denn morgen früh gehts für Span aufs Kreuzfahrt-Schiff. «Nid öppe i d Ferie, nenei, mir schaffe», erklärt Müller, und meint damit Musik machen. So wie seit 50 Jahren.