Der Matchwinner: Junior Joschua Lüthi (Mitte) sichert dem FC Aemme den Sieg gegen Langnau. / Bild: Stephan Schori (ssr)
Fussball, 2. Liga: Derbys sind das Salz in der Suppe – auch im Emmental. Beim Match FC Langnau gegen FC Aemme ging es hitzig zu und her, mit dem besseren Ende für die Gäste.
Langnau gegen Zollbrück: Schon in der dritten Liga war es ein spezielles Spiel, das Derby um die Vorherrschaft im Oberemmental. «Dieses Spiel willst du unter keinen Umständen verlieren», sagt zum Beispiel Peter Beutler, Sportchef des FC Aemme, dem ehemaligen FC Zollbrück
Letzte Saison ist Aemme aufgestiegen, so findet das Derby diese Saison erstmals in der zweiten Liga statt. Die Premiere im Herbst gewann der FC Aemme zuhause mit 4:1. Nun duellieren sich die beiden Teams im Langnauer Moos. 250 Fans stehen um den Platz, deutlich mehr als bei anderen Spielen. Die Glocken der weidenden Kühe nebenan sorgen für eine entspannende Geräuschkulisse. Doch als beim Einmarsch der Teams der Kampfsong «Let´s get ready to rumble!» aus den Lautsprechern tönt, ist es vorbei mit der Idylle.
Die emotionale Szene
Ja, es rumpelt gehörig im Moos. Nennenswerte Torchancen gibt es in der ersten Halbzeit zwar keine, dafür einige Zweikämpfe, die hart an der Grenze sind. Oder sogar darüber: In der 32. Minute lässt sich Aemme-Stürmer Silas Rindisbacher zu einem heftigen Foul an Langnau-Verteidiger Damian Siegenthaler hinreissen. Direkt vor der Langnauer Bank. Langnau-Trainer Reto Flückiger rennt wütend auf das Spielfeld, schreit den Aemme-Spieler an, der sich bei der Aktion selber an der Schulter verletzt hat. Es gibt zweimal Gelb: für Rindisbacher und Flückiger. Nach einigen Minuten beruhigen sich die Gemüter. Der reklamierende Flückiger entschuldigt sich beim Schiri – «Sorry, Herr Lopez!» –, der foulende Rindisbacher wird mit Schmerzen ins Krankenhaus gebracht, auch der gefoulte Siegenthaler muss sich angeschlagen auswechseln lassen.
Das Spezielle am Lokalderby ist, dass sich die Spieler auch privat gut kennen. Im Winter spielen einige Langnau- und Aemme-Fussballer sogar im gleichen Team Eishockey: bei den «Aemme Flames» in der wilden Liga. «Man ist speziell motiviert; aber nicht feindschaftlich, sondern freundschaftlich», sagt Langnau-Captain Florian Peverelli.
Die späte Entscheidung
Dass es auch ein kapitales Spiel im Abstiegskampf ist, dass der Rasen holprig ist und auf beiden Seiten diverse Stammspieler fehlen: Das alles spürt man. Die Qualität des Spiels ist bescheiden. In der zweiten Halbzeit übernimmt der FC Aemme allmählich das Diktat, klare Torchancen gibt es aber weiterhin kaum. Dafür kommt die berüchtigte «Moos-Bise» auf, und manch ein Zuschauer wünscht sich wohl, er hätte daheim eine wärmere Jacke angezogen.
Als sich schon alle mit dem 0:0 abgefunden haben, passiert es doch noch. In der Nachspielzeit erzielt Joschua Lüthi – Jahrgang 2005 – das 1:0 für den FC Aemme. Dessen Spieler liegen sich in den Armen, die Ersatzspieler rennen jubelnd auf das Feld, die Gästefans neben der Spielerbank strecken vor Freude die Fäuste in die Höhe. Auch Aemme-Trainer Vladislav Spunda lacht. Ansonsten strahlt der ehemalige tschechische Profi im Emmentaler Derby eine bewundernswerte Ruhe aus. «Wir wussten, dass es kein schönes Spiel gibt, dass es ein grosser Kampf wird», sagt er nach dem Match. «Unsere Jungs haben Moral gezeigt, das ist cool.»
Seit dem Schlusspfiff ist fast eine halbe Stunde vergangen. Aus der Garderobe des FC Aemme dröhnt Musik. Die Langnauer trinken im Klubbeizli mit den Fans Bier. Und Kinder beider Klubs spielen neben dem Beizli gemeinsam Fussball – Derby hin oder her.