Geheimnisvolle Moorlandschaft

Geheimnisvolle Moorlandschaft
Das Band wird durchschnitten, der grosse Moorrundweg eröffnet. / Bild: Rudolf und Dorothea Trauffer (rtt)
Sörenberg: Das Moorerlebnis auf der Rossweid ist um eine Attraktion reicher: Nach dem Wasser-Erlebnisspielplatz und dem kurzen, kinderwagentauglichen Sonnentauweg wurde nun die dritte Etappe des «Mooraculums» eröffnet, der Grosse Moorrundweg.

Mooriger hätte sich die Landschaft auf der Rossweid am Freitagvormittag kaum präsentieren können. Zwar liessen die Wolken nach und nach einzelne Sonnenstrahlen durchblitzen, aber überall rauschten Bäche und Rinnsale zu Tal, und wenn man einen Schritt abseits des Weges tat, gluckste und quoll das Wasser aus allen Erdporen: Wasser, das Lebenselement der Moore.

Eigentlich war zur Eröffnung des neuen Moorpfades ein grosses Kinderfest geplant. Doch wegen der behördlichen Auflagen in Zusammenhang mit Covid-19 verzichteten die Organisatoren auf diesen Paukenschlag und wählten eine kleinere Form mit geladenen Gästen. Theo Schnider, Verwaltungsratspräsident der Bergbahnen und Biosphären-Leiter, und René Koller, Direktor der Bergbahnen Sörenberg AG, stellten in ihren Begrüssungsreden in kurzen Zügen die Geschichte des «Mooraculums» dar. 

Moorschutz als Chance

Es war den Verantwortlichen im Entlebuch vor über 20 Jahren gelungen, die Bevölkerung davon zu überzeugen, dass der strenge Moorschutz, der nach der Annahme der Rothenthurm-Initiative gesetzlich verankert worden war, eine Chance sein könnte. Einige Tourismus-Promotoren waren von Anfang an überzeugt, dass man mit einer cleveren Präsentation des Themas «Moor» Touristenscharen ins Entlebuch locken könnte. Dafür brauchte es aber mehr als ein paar Info-Tafeln am Wegrand. Klar war auch, dass die Begegnung nicht auf eine reisserische Art passieren sollte und dass man sich der Nachhaltigkeit verpflichten und keine künstliche Welt aufbauen wollte. Zu viele Bergdestinationen wetteifern heute im Errichten von Funparks, weil offenbar das Erleben der reinen Natur als Magnet nicht mehr reicht. Was auf der Rossweid seit 2013 geschaffen wurde, gehört nicht in diese Sparte: Die Anlagen sind kindgerecht, aus einheimischen Materialien gebaut, regen alle Sinne an, ermuntern die ganze Familie zur Teilnahme und heben sich ab von billigem Kinderhütedienst.

Als Forscher im Moor unterwegs

Das österreichische Unternehmen Pronatour, das mit der Konzeption und Realisierung beauftragt wurde, hat grosse Erfahrung im Bau von Themenparks und Erlebniswegen. Der neue Rundweg führt auf einer Länge von zirka fünf Kilometern von der Rossweid gegen das Salwideli und wieder zurück auf die Rossweid. Unterwegs kommt man an 17 interaktiven Erlebnisstationen vorbei, die zu verschiedensten Tätigkeiten anregen. Dabei lernt man auf spielerische Weise den einzigartigen Lebensraum kennen, seine Entstehung, seine Pflanzen und Tiere mit ihren vielfältigen Überlebensstrategien, auch die unheimlichen Seiten des Moors in Geschichten und Sagen. Sechs Expertinnen und Experten, die ihr Leben ganz oder teilweise im Moor verbringen, «begleiten» den Wanderer: Wolf, Luchs, Grasfrosch, Sumpfschrecke, Hochmoormosaikjungfer und Auerhahn. Per Moortelefon erzählen sie an den Stationen ihre Geschichten. Aber Achtung: Das Telefon funktioniert nur, wenn man vorher einige Zeit die Kurbel gedreht und damit einen Akku aufgeladen hat! Wer noch gründlicher ans Werk gehen will, kann sich an der Seilbahnstation eine Forscherbox kaufen. Lupe, Kompass, Messband, pH-Set und das beiliegende Forscher-Handbuch helfen beim Lösen kniffliger Forschungsaufträge. Nach genauem Studium der Info-Tafeln kann man auch den Moorflüsterer-Pass ausfüllen. Wer das richtige Lösungswort findet, wird am Ziel mit einer kleinen Überraschung belohnt. Gut und gerne kann man sich einen halben Tag mit den Themen des Rundweges beschäftigen. Es reicht zum Schluss doch noch zum Spielen im Wasserpark oder für eine Erfrischung im Restaurant.

Das grösste Moor-Mandala der Schweiz

Einen grossen Anteil an der Realisation des Themenweges – vor allem in der Schlussphase – hatte  Jana Richter, seit drei Jahren Leiterin des Marketing-Teams der Bergbahnen Sörenberg AG. Sie versprühte bei der Einweihung Stolz und Freude über das gelungene Werk. Zur Eröffnung hat sie sich etwas Besonderes ausgedacht: Die ersten 1000 Kinder, die den Weg besuchen, erhalten an der Talstation eine bedruckte Jutetasche. Unterwegs sammeln sie allerlei Naturmaterialien wie Tannzapfen, Steine, Zweige, Federn, mit denen sie am Ziel ein grosses Gemeinschaftswerk kreieren können: das grösste Moor-Mandala der Schweiz!

Auch das einheimische Gewerbe engagierte sich beim Bau. Die Firma Bieri Holzbau, Flühli, schuf die grossen Holztafeln bei den einzelnen Posten. Die Gilli Transport AG in Schüpfheim lieferte die Betonblöcke, die man im Boden versenkte, um die Info-Tafeln stabil zu verankern. So konnte auf das Betonieren in der heiklen Landschaft verzichtet werden.

Theo Schnider erwähnte, dass es während der dreijährigen Planungs- und Bauzeit Momente gab, wo man zweifelte, ob der Moorpfad zu verwirklichen sei, vorab wegen zäher Einspracheverhandlungen. «Ein Naturschutz nur mit Verboten ist nicht mehr zeitgemäss», betonte er, «wer die Natur mit ihren Geheimnissen kennt, wer etwa weiss, dass es 1000 Jahre dauert, bis sich ein Meter Torfboden gebildet hat, der ist bereit, sich im Moor behutsam zu bewegen.»

15.07.2021 :: Rudolf und Dorothea Trauffer (rtt)