Ein einstiger Grenzwächter, welcher künstlerisch kaum Grenzen kennt

Ein einstiger Grenzwächter, welcher künstlerisch kaum Grenzen kennt
Wenn aus Alteisen eine Blume wird. / Bild: Corina Kobi
Schangnau: Bis am Sonntag stellt Lui Husistein seine aus Alteisen gefertigten Skulpturen im Gasthof Löwen aus. Die Ausstellung zeugt von dessen grossem Ideenreichtum.

Wer bei Eisenplastikern nur an Jean Tinguely und Bernhard Luginbühl denkt, liegt nicht ganz richtig. Da gibt es noch einen gewissen Lui Husistein, dessen Atelier in Schüpfheim steht. Der heute 70-jährige Künstler stammt aus dem luzernischen Udligenswil und ist gelernter Bäcker-Konditor. 1972 trat er ins Eidgenössische Grenzwachtkorps ein und blieb deswegen fast 40 Jahre in der Region Basel, bis er im Entlebuch zusammen mit Ehefrau Sandra seinen Unruhestand geniessen darf. Wie Husistein anlässlich der samstäglichen Vernissage erzählte, erschaffte er 1992 seine erste Skulptur. Daher werde nächstes Jahr «30 Jahre Alt­eisen und Lui» gefeiert. Die Liebe zu diesen Materialien ist geblieben und seit er sich das Schweissen beigebracht hat, werden seine Kunstwerke immer varianten- und einfallsreicher, aber auf grössere und sich bewegende Objekte  verzichtet er, «denn im Vergleich zu Tinguely und Luginbühl fehlen mir Kräne und Lastwagen.»


Kultfigur Butler Johann

Trotzdem lohnt sich ein Besuch der Ausstellung. 90 extra für diesen Anlass geschaffene Kunstwerke und Gebrauchsgegenstände wie ein Wasserkocher oder ein Fondueöfeli bedecken den Boden der Heubühne. Vögel, Geissen, Krokodile, Blumen, Engel, Menschen und sogar verzierte Milchkannen gehören zu den liebsten Motiven des Künstlers. Zum Schmunzeln Anlass gibt aber der Butler «Johann», welcher einfallsreich aus einem Expansionsgefäss einer Heizung (Oberkörper), zwei Pickeln (Füsse), Rundeisen (Arme und Beine), einer Holzkugel (Kopf) und einem Pfannendeckel (Hut) besteht und damit zu einer Kunst- und Kultfigur geworden ist. Die Ideen gehen Husistein nicht aus dem Kopf und er schreibt diese sogar nachts bei einer Schlafpause auf einen Notizblock. Noch nicht vollendete Werke ändert er manchmal kurzfristig. Der Ideenreichtum kennt zurzeit noch keine Grenzen. «Es geht schon so weit, dass mir Nachbarn oder Freunde Alteisenmaterial spontan vor die Haustüre legen.»


In der Heubühne, Gasthof Löwen in Schangnau:

Täglich bis Sonntag, 6. Juni 2021, jeweils ab 13.00 Uhr bis 19.00 Uhr (am Sonntag bis 17.00 Uhr). Der Künstler ist jeweils anwesend.

03.06.2021 :: Herbert Kobi