Vereidigt: Wie Timo Schmid zur Garde kam

Vereidigt: Wie Timo Schmid zur Garde kam
Timo Schmid vor der Reiterstatue des Kaiser Konstantin, auf dem gleichnamigen Dienstposten Konstantin. / Bild: Oliver Sittel Päpstliche Schweizergarde
Sörenberg/Vatikan: Timo Schmid ist Schweizer Gardist. Der «Wochen-Zeitung» erzählt der 20-Jährige, was ihn dazu bewegt hat, sich von seinem zivilen Leben zu verabschieden und wie sein Alltag im Vatikan aussieht.

Vergangenen Donnerstag schwörte Timo Schmid im Vatikan in Anwesenheit seines Bruders und seiner Eltern, dass er Papst Franziskus um jeden Preis beschützen werde – auch unter Einsatz seines eigenen Lebens. Die Entscheidung, sein Leben dem Papst und der Schweizer Garde zu verschreiben, sei ihm «federleicht» gefallen, sagte er zuvor der «Wochen-Zeitung». Schon länger habe er eine militärische Karriere angestrebt. «Die Schweizer Garde bietet eine spannende Arbeit im militärischen Umfeld», führt er aus. Es fasziniere ihn zudem, «dass wir Schweizer nun über ein halbes Jahrtausend mit diesem wichtigen und ehrenvollen Dienst betraut sind». Sein Umfeld habe «mit viel Begeisterung» auf seinen Entscheid reagiert. Vereinzelt habe es auch Kritik gegeben. «Aber eher von Leuten, die generell nichts mit der Kirche anfangen können», erklärt Schmid. In die Garde werden nur praktizierende Katholiken aufgenommen. 


Scharfer Alarm wegen bewaffnetem Mann 

Die Schweizer Gardisten bewachen die Papstresidenz, den Apostolischen Palast und die Eingänge zum Vatikan. Sowohl an Arbeitstagen als auch an definierten Feiertagen finden zudem das Exerzieren (militärisch «Zugschule»), Schulungen, Trainings oder Musikproben statt. Das Spezielle im Vergleich zum Militär sei das Exerzieren mit der altehrwürdigen Hellebarde, berichtet Schmid. Das sei etwas, das keine andere Truppe mache. Auch der Umgangston sei «nie so rau wie im Militär». Das brauche es aber auch nicht, «wir sind schliesslich alle freiwillig hier». 

Seit er vor einem Jahr in die Garde eintrat, gab es einmal scharfen Alarm, weil sich in Rom ein angeblich bewaffneter Mann herumtrieb. «Ich war gerade auf meinem Zimmer», erzählt Timo Schmid. «Wir mussten uns im Eiltempo anziehen und uns zum Sammelpunkt begeben für den Fall, dass wir eingreifen müssen. Soweit kam es zum Glück nicht.»


Visitenkarte für den Heiligen Stuhl

Die Gardisten sind auch eine Art Visitenkarte des Heiligen Stuhls und treffen während ihrer Dienste auch auf Pilger und Touristen. Das erfordert manchmal Geduld: «Wenn wir den ganzen Tag zig Male die gleichen Fragen gestellt bekommen, gilt es, jedes Mal zuvorkommend, hilfsbereit und freundlich zu sein», berichtet der Sörenberger. Mit all diesen Aufgaben betraut zu sein, sei ist eine «enorme Verantwortung». 

In ihrem Dienst treffen die Gardisten natürlich auch auf den Papst. «Der Heilige Vater nimmt sich immer wieder Zeit, zu fragen, wie es geht oder sogar, um ein paar Worte zu wechseln», hat Schmid die Erfahrung gemacht. «Papst Franziskus ist ein sehr bodenständiger und freundlicher Mann.» 


Frauen sind nicht zugelassen

Die freien Tage verbringen die Gardisten meistens ausserhalb des kleinsten Staates der Welt. Es gelte schliesslich, die Millionenstadt Rom und ihre Umgebung zu erkunden, meint der 20-Jährige. Die Kameradschaft sei hervorragend. «Es tut gut, nach Feierabend in einer Runde zu sitzen, wo man seine Muttersprache sprechen kann.» Im Vatikanstaat wird italienisch gesprochen, Amtssprache ist Latein. Frauen sind in der Schweizer Garde nicht zugelassen. Timo Schmid sagt dazu, dass die Gardisten sehr dichtgedrängt arbeiten und wohnen würden. In der «winzigen Kaserne» gebe es zu wenig Möglichkeiten, den Kameradinnen die Privatsphäre und Absonderung zu ermöglichen, die notwendig seien. 


Ohne Furcht heikle Themen ansprechen

Nun steht die katholische Kirche immer wieder in der Kritik wegen sexuellen Missbrauchs. Wie geht Timo Schmid damit um? «Die Kirche, und allen voran Papst Franziskus, tun ihr Möglichstes, um gegen dieses grausame Phänomen vorzugehen», betont Schmid. «Darum ist es mir ein noch grösseres Anliegen, für die Sicherheit des Heiligen Vaters zu sorgen. Damit er heikle Themen ansprechen kann, ohne sich vor etwaigen Gegnern fürchten zu müssen.»

Zweifel, ob sein Entscheid richtig gewesen ist, hatte Timo Schmid bislang nicht. Wie lange er im Vatikan bleiben wird, und ob er nicht doch in der Schweizer Armee Karriere machen will, wird er nach der obligatorischen zweijährigen Dienstzeit entscheiden. Er hofft, die Zeit im Vatikan auch nutzen zu können, um das Land und die Kultur Italiens besser kennenzulernen. Während des Lockdowns sei das nicht immer möglich gewesen. Die Corona-Pandemie macht auch vor dem Heiligen Stuhl nicht Halt.


Dieses Interview wurde schriftlich geführt. 

12.05.2021 :: Cornelia Jost (coj)