Gestärkt aus der Krise herauskommen

Gestärkt aus der Krise herauskommen
Seit diesem Sommer leitet Ueli Kipfer die Musikschule Oberemmental. / Bild: Bettina Haldemann (bhl)
Langnau: Die Musikschule Oberemmental versucht mit kreativen Lösungen die Corona-Pandemie zu meistern. Ueli Kipfer, der neue Leiter, sieht in der Krise Chancen und Risiken.

Längst haben E-Gitarre, Keyboard, Schlagzeug in den Musikschulen Einzug gehalten. Pop und Jazz bilden im Angebot neben der klassischen Musik wichtige Standbeine. An der Musikschule Oberemmental wird zudem der Gesang grossgeschrieben, die Volksmusik hat ihren Platz und zwei Orchester, Bands, Ensembles und drei Chöre runden das reiche Angebot ab. 41 Lehrkräfte unterrichten an der 1974 gegründeten Schule, die seit 1998 in einem der schönsten Häuser in Langnau, dem «Schlössli», untergebracht ist. 

Der Neue

Seit diesem Sommer steht Ueli Kipfer dem Unternehmen vor. Als Solist (Euphonium), Dirigent und Lehrer und mit einem Master in Musikmanagement in der Tasche, bringt der Musiker gute Voraussetzungen für das Amt mit. Die Musikschule Oberemmental ist ihm lieb, weil er seinen ersten Unterricht hier genossen hat, weil er nach der Ausbildung hier zu unterrichten begann und weil ihm die Atmosphäre und das Kollegium zusagt. Er hätte sich nie träumen lassen, sich um Sicherheitskonzepte und grössere Räume kümmern zu müssen, sagt der Musiker. Ein glücklicher Zufall wollte es, dass er im Januar 2020 eine Zusatzausbildung in «Digitaler Transformation» abschloss. So war er, als im März der Lockdown verhängt wurde, gut für den digitalen Austausch gerüstet und sorgte von einem Tag auf den anderen dafür, dass der Fernunterricht bei allen Lehrkräften klappte.

Die digitalen Kanäle sieht Ueli Kipfer als Chance, um auf die Musikschule aufmerksam zu machen, gerade jetzt, wo in der zweiten Corona-Welle jeder öffentliche Auftritt wieder verwehrt ist. 

Gelungene Videoporträts

Im Frühling, nachdem der Tag der offenen Türe nicht durchgeführt werden konnte, rief er im Lehrerkollegium dazu auf, in kurzen Videoaufnahmen ihr Fach vorzustellen. Nicht alle konnten seinem Ruf folgen, doch viele wurden aktiv. Die Videos sind auf der Webseite und auf Youtube aufgeschaltet. Ein überaus authen-tisches Porträt hat ein Jazzpianist geschaffen, indem er abwechslungs-weise am Flügel, am Klavier und am Keyboard passende Stücke aus Jazz, Pop und Rock vorträgt. Ein anderer Musiker brilliert auf der elektrischen Gitarre. Sehr gelungen ist auch das Video, auf dem elf Fagottistinnen und Fagottisten örtlich voneinander getrennt, aber digital miteinander verbunden, gleichzeitig Beatles «Yesterday» spielen. 

Freude am Musizieren

Ueli Kipfer freut es, dass die Schülerinnen und Schüler trotz der Einschränkungen wie Maskenpflicht und Abstandsregeln gerne den Musikunterricht besuchen. «Die Kinder und Jugendlichen sind froh, dass etwas stattfindet», meint er. Gleichzeitig lobt er die Haltung seiner Kolleginnen und Kollegen, welche mit allen Mitteln versuchten, das Beste aus der Situa-
tion zu machen. «Ich hätte nie geglaubt, dass man mit Masken singen kann, aber es geht», habe kürzlich eine Sängerin ausgerufen. «Wir sind jetzt besser miteinander vernetzt. Das bringt Vorteile. Muss sich ein Schüler oder eine Lehrkraft in Quarantäne begeben, können wir Fernunterricht anbieten», meint der Musikschulleiter.

Die Gefahr, ins Abseits zu geraten

Trotzdem ist sich Ueli Kipfer bewusst, dass die Corona-Pandemie eine Gefahr für die Musikschulen darstellt. «Wenn wir keine Konzerte und Musizierstunden durchführen können, fehlt uns eine wichtige Möglichkeit, an die Öffentlichkeit zu treten. Fallen die Auftritte weg, besteht die Gefahr, dass wir ins Abseits geraten. Kommt dazu, dass die wirtschaftliche Lage sich verschlechtert. Knappes Geld führt zu Sparübungen, denen die Kultur und damit auch die Musik leicht zum Opfer fallen.» Das will der Verband Musikschulen Schweiz verhindern. Am 7. November lancierte er deshalb den «Tag der musikalischen Bildung», um auf die schwierige Situation der Musikschulen in der Corona-Pandemie und auf den Wert der musikalischen Bildung aufmerksam zu machen. 

Wertvolle musikalische Bildung

«Was ist der Wert der musikalischen Bildung?», wollen wir zum Schluss von Ueli Kipfer wissen. Dieser muss nicht lange überlegen: «Zahlreiche Studien belegen, dass das Spielen und Üben auf einem Musikinstrument die intellektuellen Fähigkeiten des Hirns fördert, die Sozialkompetenz erhöht und wichtige Grundsätze wie Disziplin, Üben und Geduld fördert. Auch im digitalen Zeitalter ist der Erfolg nicht mit einem Klick zu haben», sagt Ueli Kipfer und hofft, mit seinem Team gestärkt aus der Krise zu kommen.

19.11.2020 :: Bettina Haldemann (bhl)