Autorin Martina Emmenegger Burkart an der Vernissage mit ihrem neusten Buch «Männergeschichten». / Bild: Bernadette Waser-Unternährer (wbe)
Schüpfheim: In ihrem neuen Buch lässt Martina Emmenegger Burkart zwölf Entlebucher
Männer zu Wort kommen, jeder mit seiner ganz eigenen, berührenden Geschichte.
«Es gibt auch kommunikative Männer», sagte Martina Emmenegger Burkart an der Vernissage ihres neuesten Werkes «Entlebucher Männergeschichten». Vor sechs Jahren porträtierte die Journalistin und freischaffende Autorin zwölf Entlebucherinnen. In ihrem neuen Buch gibt sie nun den Männern eine Plattform. «Es war hammermässig, wie die Männer reagiert haben. Ich musste bloss schauen, dass sie nicht nur von der Arbeit sprachen», meinte sie. Der Beruf spielt bei ihnen eine wichtige Rolle, sowohl beim ehemaligen Bauernknecht, der es zum Unternehmer brachte, wie auch beim Musiker und Sportlehrer, der beide Metiers gleichzeitig betrieb.
Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Allen Männern gemeinsam ist der Bezug zum Entlebuch. Alle kommen aus der Region zwischen Wolhusen und Wiggen, sind hier aufgewachsen oder zugezogen, so wie Helmut. Ihn hat das Schicksal von der ehemaligen DDR nach Schüpfheim verschlagen. Und Toni, dessen Vater aus Dopple-schwand ist, brachte als Rückwanderer den Biolandbau ins Napfgebiet.
Bezüglich Beruf und Alter gibt es aber grosse Unterschiede. Welten liegen zwischen dem 86-jährigen ehemaligen Bauernbub aus Hasle, der sich als Kind mit Rosenkranz und Weihwasser vor Gewitter und Blitzschlag schützte, und dem fast 60 Jahre jüngeren, in Hasle aufgewachsenen Wissenschaftler, der alles hinterfragt und sich nach dem Masterstudium eine Auszeit in Nepal gönnte. «Wer nie weg war, kann nicht vergleichen», lautet auch die Devise des von Fernweh geplagten Arztes und Weltreisenden Hans, der im Alter von 65 Jahren bereits in 150 Ländern war.
Sich berühren lassen
Zu jedem Porträtierten entwickelte die Autorin ein Vertrauensverhältnis und jedem widmete sie ein eigenes Thema. Sie liess sich berühren vom Rettungssanitäter, der nach 30 Jahren Berufstätigkeit seine Arbeit noch immer als Traumjob bezeichnet, und vom Tetraplegiker, der sich nicht unterkriegen liess, im Berufsleben wieder Fuss fasste und im Rollstuhl die Berge erkundet. «Ich hatte kein Problem mit Alkohol, aber ohne Alkohol», vertraute ihr einer an. Ein junger Mann erzählte, dass er immer wieder gerne ins Entlebuch komme, trotz des konservativen Umgangs der Entlebucher mit Homosexualität. Und von einem Familienvater erfuhr sie, dass er vor zehn Jahren seinen Beruf aufgab und sich seither vollzeitlich um Haushalt und Kinder kümmert. In seinem Heimatdorf ist er ein Exot. Doch Rollenbilder verändern sich, was auch der Theologe aus Schüpfheim bestätigte. «Während etwas Altes bröckelt, entsteht anderswo schon das Neue.»
Vorwärts schauen, trotz Corona
«Vüreluege ond ufe», das half Fridolin über die schlaflosen Nächte hinweg, die ihm Corona bereitete, dieses Virus, das auch die Arbeit von Martina Emmenegger Burkart erschwerte. «Dass alle auf ein Buch warten, aus dem ein grosser Knüller wird, ist nur ein Traum», sagte sie. «Zuerst kündigte ich meine Stelle beim Medienzen-trum, musste danach Sponsoren und Verkaufsstellen finden, das Projektmanagement anstossen und die Vernissage organisieren.» Und auch das war zuerst ungewiss. Doch es klappte.
«Entlebucher Männergeschichten, 12 Porträts» von Martina Emmenegger Burkart, 164 Seiten, 33 Franken, ISBN 978-3-906832-22-7