Über den Bau wird kaum diskutiert – Verkehr und Aldi sind die Themen

Über den Bau wird kaum diskutiert – Verkehr und Aldi sind die Themen
Mit der neuen baurechtlichen Grundordnung könnte dieses Gebäude beim Ilfiskreisel gebaut werden. / Bild: zvg
Langnau: Die Abstimmung über den Zonenplan und das Bau­reglement «Am Ilfiskreisel» sorgt für Diskussionen. Diese drehen sich indes weniger um den Bau – andere Themen dominieren.

Am 27. September bestimmt Langnaus Stimmvolk über die Frage, ob auf dem rund 3000 Quadratmeter grossen Areal nördlich des Ilfiskreisels eine neue baurechtliche Grundordnung gelten soll. Heute befindet sich das Gebiet in der Mischzone M3; demnach sind dort gewerbliche Nutzungen wie auch Wohnen möglich. Als die Aldi Suisse AG 2016 bei der Gemeinde Langnau eine Voranfrage für den Neubau einer Filiale einreichte, entschied sich der Gemeinderat für das Areal eine eigene baurechtliche Grundordnung (Zone mit Planungspflicht ZPP) ausarbeiten zu lassen. «Das Ziel lautet, dass auf der Parzelle ein Gebäude erstellt wird, das den Raum optimal ausnützt, sich aber gleichzeitig gut ins Ortsbild einfügt», hatte der damals zuständige Gemeinderat Bernhard Gerber erklärt. 

«Ein Nein verhindert Aldi nicht»

Mit der neuen Regelung könnte dort ein Gebäude erstellt werden, das auf der Südseite maximal 16 Meter hoch ist und im nördlichen Teil 10.50 Meter. Das Richtprojekt sieht eine Geschossfläche von 1200 Quadratmetern vor. Im Erdgeschoss ist die Aldi-Filiale geplant, in den oberen Stockwerken Räume für Dienstleister wie auch Wohnungen. «Ein Aldi ist dort zonenkonform», hält Niklaus Müller fest, welcher mittlerweile im Gemeinderat das Ressort Planungswesen leitet. «Ich finde es wichtig, dass die Leute wissen, dass sie mit einem Nein nicht verhindern, dass dort ein solcher Laden eröffnet wird.» Was entgegnet er den Kritikern, welche ein Verkehrschaos befürchten? «Der Gemeinderat hat extra eine Studie ausarbeiten lassen. Das Resultat: Die Strassen können den Mehrverkehr bewältigen.» Zudem sei man auf die Wünsche der Einsprecher eingegangen und habe bereits Massnahmen wie etwa Tempo-30 auf der Burgdorfstrasse umgesetzt. «Mich irritiert etwas, dass das Thema Verkehr gerade jetzt aufgegriffen wird: Als beispielsweise die Sonnenarena mit rund hundert Wohnungen gebaut wurde, störte sich kaum jemand an den zusätzlichen Autos.»  

«Viel kleiner als das Ilfis-Center»

Das Areal ist im Besitz der Ferienpark Immobilien AG, welche zur Holding des Langnauer Bauunternehmers Hannes Stämpfli gehört. Realisieren würde das Gebäude dann ein Investor, «Aldi wird das Lokal mieten», erklärt Stämpfli. Man dürfe die Vorlage nicht auf diesen Laden reduzieren, schliesslich seien auch ein Ärztezentrum und weitere Dienstleister geplant. «Zudem ist das Gebäude viel kleiner als etwa das Ilfis-Center», betont Stämpfli. Wäre er bereit, eine alternative Nutzung des Nein-Komitees zu prüfen? «Bislang wurde ich nie kontaktiert», sagt Hannes Stämpfli. «Es wird dort ein Gebäude mit einer Aldi-Filiale entstehen – auch bei einem Nein, wäre dies möglich, wenn auch das Areal weniger sinnvoll genutzt würde.»

«Zuerst muss man die Verkehrsprobleme lösen»

Bruno Widmer gehört dem elfköpfigen Komitee an, das für ein Nein bei der Abstimmung über das Baureglement und den Zonenplan «am Ilfiskreisel» wirbt. Wie seine Mitstreiter wohnt er in der Umgebung des Areals. 


Herr Widmer, die Argumente des Nein-Komitees drehen sich nicht um den Bau, sondern um den Verkehr. 

Die Überbauung mit dem Grossverteiler wird zu viel mehr Verkehr führen. Schon jetzt ist der Ilfiskreisel oft überlastet. Die Automobilisten weichen immer mehr auf die Quartierstrassen aus – zum Leidwesen der dortigen Bewohner. Aus diesem Grund sind wir der Meinung, dass man zuerst die Verkehrsprobleme lösen muss. Man muss auch bedenken, dass weitere Projekte folgen werden: Stämpfli-Areal oder Bahnhof-Süd. 


Gegen den geplanten Bau an sich haben Sie gar nichts einzuwenden? 

Das Gebäude, das dort entstehen soll, ist wunderschön. Wir haben auch nichts gegen verdichtetes Bauen. Die Nutzung mit dem Grossverteiler ist allerdings nicht optimal. Wir haben diesbezüglich konkrete Ideen, die mehr Sinn machen würden. 


Die wären?

Das darf ich nicht sagen. Das mussten wir den Leuten, die Ideen für eine andere Nutzung haben, versprechen. 


Denken Sie, dass Sie den Eigentümer überzeugen könnten?

Wir werden Hannes Stämpfli nach der Abstimmung kontaktieren und hoffen, dass er offen für andere Ideen ist. 


Auch bei einem Nein könnte dort ein Gebäude samt Aldi entstehen.

Das ist eine Drohung des Gemeinderats. Gemäss Aussagen der kantonalen Denkmalpflege müssen aber einige qualitative Kriterien erfüllt sein – niemand darf dort etwas Hässliches und Verschwenderisches bauen. 


Was werden Sie noch unternehmen, um die Abstimmung zu gewinnen?

Wir sind vor allem im Dorf unterwegs und gehen auf die Leute zu. Auch werden wir die Leute in den Aussenbezirken noch über unsere Sicht der Dinge informieren. 

17.09.2020 :: Bruno Zürcher (zue)