Auf, dass die Quellen nie versiegen

Auf, dass die Quellen nie versiegen
An der Einweihung konnten die Gäste einen Blick in die neue Brunnstube werfen. / Bild: Bernadette Waser-Unternährer (wbe)
Marbach: Letztes Jahr nahm die Wasserversorgungs-Genossenschaft Marbach ihr erneuertes und erweitertes Versorgungsnetz in Betrieb. Nun wurde es offiziell eingeweiht.

«Die ganze Gegend ist nun erschlossen mit gutem Quellwasser», sagte Bruno Renggli, der Präsident der Wasser-versorgungs-Genossenschaft Marbach an dem wegen Corona verschobenen Anlass. Bei strahlendem Spätsommerwetter trafen sich die geladenen Gäste und der Bischof von Basel mit den Veranstaltern vor dem auf 1427 Meter über Meer gelegenen Reservoir. Drei Alphornbläser bereicherten die kleine Feier musikalisch. 

Versorgungsengpässe auf Alpen

«Die beiden Reservoirs unterhalb der Schrattenfluh lieferten bisher genügend Wasser», bestätigte Projektleiter Hermann Kurtz vom Ingenieurbüro Felder und Partner Entlebuch. Auf den Alpliegenschaften habe es aber wegen fehlenden Speichermöglichkeiten immer wieder Versorgungsengpässe gegeben. Nach Starkregenfällen sei das Wasser auf den Höfen zudem oft braun und nicht mehr trinkbar gewesen. «Durch die eingebauten Filter ist es heute keimfrei.» Inzwischen seien Bauten für über 1,5 Millionen Franken erstellt worden. «Alles ist neu, Reservoirs, Brunnenstuben und Fassungen. 1,5 Kilometer Leitungen bringen das Wasser ins Dorf. Dafür wurden die alten Rohre wiederverwendet. Die ganze Anlage können wir vom Schulhaus Marbach aus steuern.» 

Eine Herausforderung sei der Transport des Materials hinauf auf den Bauplatz gewesen. Nun funktioniere die Anlage und verbessere die Wasserversorgung im weitläufigen Einzugsgebiet. «Imbrig II» versorgt 17 Alpen, Betriebe und Wohnhäuser in Kadhus, Ober-Lochsitli, Wittenfärren und Lütscherli und den Ortsteil Marbach mit frischem Quellwasser. 

Bischof machte einst Ferien dort

Mit der Gegend verbunden zeigte sich auch der Bischof von Basel, Felix Gmür. «Einer meiner Vorfahren bewirtschaftete die Alp Kadhus. Schon als Kind habe ich hier meine Ferien verbracht», sagte er, bevor er zur Bibel griff. «Heute machen die Ingenieure das, was Mose machte, als er mit dem Stab auf den Felsen schlug, aus dem das Wasser kam. Gott, segne das Wasser der Schrattenfluh, die Anlage, die Quellen und alles, was dazu gehört. Die Quellen sollen nie versiegen», sprach er. Danach betrat er das neue Reservoir, gefolgt von Ministrant Heinz Zihlmann mit dem Weihwasserkessel. Nachdem der Bischof die ganze Anlage ausgiebig mit Weihwasser besprengt hatte, durfte das Volk sie besichtigen. Der erfischende Klang des rauschenden Wassers erfüllte den ganzen Raum.

Nach dem Apéro bestand die Gelegenheit, die beiden neuen Brunnenstuben unterhalb der Alp Imbrig zu besichtigen sowie das auf 1585 Meter über Meer gelegene Reservoir «Imbrig I»  mit seinem 40 Kubikmeter fassenden Tank. Es versorgt die Alpliegenschaften Imbrig, Gärtlen und Habchegg. Im da-runter liegenden Alpbeizli Imbrig wurden die Gäste schliesslich mit einem Raclette verwöhnt.

Die Wasserversorgungs- Genossenschaft Marbach

1903: Inbetriebnahme der ersten Anlage der neu gegründeten Wasserversorgungs-Genossenschaft mit drei Quellen im Brunnenmoos und Sidemoos sowie einem Reservoir, das 21 Kubikmeter umfasste.

1976: Bau eines zweiten Reservoirs im Gebiet Sidemoos.

1981: Abschluss des Kaufvertrags mit den Gebrüdern Fankhauser für die Quellen auf Imbrig.

August 2018: Baubeginn der neuen Anlage als Ersatz für die zu kleinen, zurückgebauten Reservoirs Habchegg und Imbrig. 

November 2019: Inbetriebnahme der erneuerten und erweiterten Anlage mit neuen Brunnenstuben, zwei neuen Reservoirs mit Brauchwasserreserven von 40 respektive 50 Kubikmetern Wasser sowie -einem Löschwasserreservoir mit einer Grösse von 100 Kubikmeter. Zur Anlage gehören weiter Druck-reduzierstationen und ein Regulierschacht.