Kois und Forellen im Teich können den Amphibien zusetzen

Kois und Forellen im Teich können den Amphibien zusetzen
Im Frühling laichen hier Frösche und andere Amphibien. Es lauern jedoch Gefahren im Teich. / Bild: Jakob Hofstetter (jhk)
Sörenberg: Im Weiher beim Friedensmemorial tummeln sich Fische, die dort nicht hingehören. Dies kann Folgen für Amphibien haben. Die Kois zu entfernen, könnte schwierig werden.

«Leider geschieht es immer wieder, dass Leute ihre überzähligen Goldfische oder auch andere Arten in irgendeinem Teich aussetzen. Sie überlegen nicht, was dies alles für Probleme mit sich bringen kann», sagt Jörg Gemsch, Fachbereichsleiter Arten bei der Dienststelle Landwirtschaft und Wald (Lawa) des Kantons Luzern. Besonders folgenschwer sei dieses illegale Vorgehen bei Laichgewässern von Amphibien, wie dies beim Weiher am Pater-Damasus-Weg in Sörenberg der Fall sei. Dort legten Bergmolche, Grasfrösche, Erdkröten und eventuell Geburtshelferkröten ihre Eier ab. Ein gefundenes Fressen für die Fische, die den Amphibien-Bestand arg dezimieren können. Davon gefeit ist einzig die Erdkröte, wie Jörg Gemsch erklärt: «Ihre Eier tragen einen Stoff in sich, den die Fische nicht mögen.» 

Gefrässige Räuber

Nachdem im Frühling ein Bürger Kois, eine Zuchtform des Karpfens, im Teich bemerkt hatte, meldete er dies dem Lawa. Ein Augenschein vor Ort durch Philipp Amrein, Fachbereichsleiter Jagd und Fischerei, förderte noch mehr zu Tage: «Nebst mehreren Kois befinden sich auch Bachforellen im Weiher, und dies schon längere Zeit, denn ich stellte unterschiedliche Altersklassen fest», erklärt Amrein. Diese sind zwar nicht standortfremd wie die Kois, für den Amphibiennachwuchs jedoch ist das ein schwacher Trost. Forellen seien noch weit gefrässigere Laichräuber, sagt Philipp Amrein. Sie würden sogar ganze Frösche verschlingen. Wie gross der Schaden sei, den die beiden Fischarten im Teich am Amphibienbestand bereits angerichtet haben, könne nicht festgestellt werden. «Wir wissen nicht, seit wann die Forellen darin leben.»

Kois als Attraktion

Der Teich beim Friedensmemorial in Sörenberg gehört einer Erbengemeinschaft. Von Forellen im Teich wisse er nichts, sagt Hans Emmenegger auf Anfrage. Er habe nie welche gesehen und könne sich auch nicht vorstellen, wie diese in den Weiher gelangt sein könnten. Dieser habe nur einen geringen Zu- und Ablauf, und Forellen fühlten sich in praktisch stehendem Gewässer nicht wohl. Die Kois hingegen habe er im April im Teich eingesetzt, berichtet Emmenegger. «Jemand fragte mich, ob ich ein paar wolle, er habe zu viele. Ich fand, dass dies doch eine schöne Attraktion wären.» Sechs Kois schwimmen seitdem im Teich, jeden Abend geht Hans Emmenegger sie füttern. Dass sie nicht in die Waldemme entweichen, dafür habe er gesorgt, betont er. Der Abfluss sei so abgedeckt, dass die 20 bis 30 Zentimeter grossen Fische nicht hindurchschwimmen könnten. 

Bewilligung oder nicht?

Für Hans Emmenegger stellte sich nie die Frage, ob es erlaubt ist, Kois in einem Weiher einzusetzen. «Dieser befindet sich ja in Privatbesitz.» Diese Ansicht ist jedoch nicht ganz richtig: Gemäss Fischereigesetzgebung ist nämlich eine Bewilligung des Bundesamts für Umwelt (Bafu) notwendig, um standortfremde Arten in ein Gewässer einzusetzen, unabhängig davon, ob dieses öffentlich oder privat ist. Doch für gewisse Arten sieht der Bundesrat Ausnahmen von der Bewilligungspflicht vor. «So ist zum Beispiel der Einsatz von Kois in ein kleines, künstliches, stehendes Gewässer wie ein Gartenteich ohne Bewilligung möglich», erklärt Andreas Knutti, Wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Bafu. Als klein kann der Weiher in Sörenberg aber kaum bezeichnet werden. Gemäss Hans Emmenegger misst er gut 20 auf 30 Meter und weist eine Tiefe von vier bis fünf Metern auf. Ausserdem hat er sowohl einen Zu- wie einen Abfluss. Somit ist eine Bewilligung für die Kois nötig. 

Fauna nicht gefährden und verändern

Um eine Bewilligung zu erhalten, müssten gewisse Voraussetzungen erfüllt sein, wie Andreas Knutti vom Bafu ausführt. Der Gesuchsteller habe nachzuweisen, dass die einheimische Fauna nicht gefährdet werde und keine unerwünschten Veränderungen erfahre. Standortfremde Fische könnten die vorhandene Artengemeinschaft konkurrenzieren (Nahrung, Raum) oder als Fressfeinde auftreten, schildert Knutti das Problem. Weiter sei es möglich, dass Krankheiten übertragen würden. Ein typischer Fall sei der Goldfisch, der praktisch in jedem Teich ausgesetzt worden sei und sich rasch in der Schweiz verbreitet habe. «Er ist ein gefrässiger Zeitgenosse und vertilgt Pflanzen, kleine Krebstiere, Insekten bis zu Amphibien- und Fischeiern und Larven.» Einmal in einem Teich etabliert, sei es praktisch unmöglich, ihn aus dem System zu eliminieren. 

Schwierig einzufangen

Sollten die Kois in Sörenberg entfernt werden müssen, könnte auch dies zu einer Herausforderung werden. «Weil sie schlecht anbeissen, kann man sie kaum fischen», sagt Philipp Amrein, Fachbereichsleiter Jagd und Fischerei beim Kanton Luzern. Auch mit Elek-
trofischfanggeräten klappe es nicht, da sie sich auf den Grund fallen liessen. Eine Entleerung des Weihers wiederum hätte Folgen für die Tier- und Pflanzenwelt. Die Kois in die Waldemme entweichen zu lassen, gehe nicht, da illegal; überleben könnten sie im Wildbach nicht. Man werde sich dem «Fall Sörenberg» in den nächsten Wochen annehmen, sagt Amrein.