Der Truber Käse ist in Amerika angekommen

Der Truber Käse ist in Amerika angekommen
Michael Fankhauser und Curdin Janett sowie Mitarbeiter Andreas Brügger (von links) im Käsekeller in Biglen. / Bild: Jakob Hofstetter (jhk)
Emmental/Entlebuch: Für die Fromage Mauerhofer AG soll Käse ein Höchstmass an Genuss bieten. Er soll auch bezüglich Entstehung etwas Besonderes sein. In Amerika kommt dies gut an.

«Kürzlich konnten wir unseren ersten Truber Käse nach Amerika exportieren. Zwei weitere Sorten werden bereits seit März im grössten Comestible-Geschäft Manhattens angeboten», berichtet Michael Fankhauser. Der in Langnau aufgewachsene Unternehmer ist zusammen mit Curdin Janett Geschäftsleiter der 2018 gegründeten Fromage Mauerhofer AG. Ihr Leitgedanke ist, mehr aus der Schweizer Milch zu machen, das heisst, mehr Wertschöpfung daraus zu generieren. «Wir wollen damit einen Beitrag zum Erhalt des traditionellen Käsehandwerks und der kleinen Dorfkäsereistrukturen leisten», sagt Fankhauser. «Wir haben hier die beste Milch und die besten Käser. Es ist doch schade für alle diese Milch, die nicht verkäst, sondern von der Industrie verarbeitet wird.» Die Idee, Milch aus kleinen Dorfkäsereien zu einem unverwechselbaren Produkt zu verarbeiten und dieses professionell zu vermarkten, hatte Fankhauser bereits vor 15 Jahren, als er von Amerika zurückkehrte. Bis er seine Vision umsetzen konnte, dauerte es dann noch ein Paar Jahre. Die Firma ist im Besitz von 40 Aktionären, «alles Käseliebhaber wie wir beide», berichten die Geschäftsleiter. Die Dividende werde in Form von Käsespezialitäten ausgeschüttet.

Zusammen mit ausgewiesenen Käsern

Für den Betriebswirtschafter Michael Fankhauser und den Werbe- und Kommunikationsfachmann Curdin Janett war von Anfang an klar, dass sie für ihr Vorhaben ausgewiesene Fachleute des Käsehandwerks ins Boot holen müssen. «Wir entwickeln unsere Produkte jeweils in enger Zusammenarbeit mit den Käsern», sagt Curdin Janett. 

Mittlerweile produzieren zehn Käsereien für die Fromage Mauerhofer AG, aus dem Emmental und Entlebuch sind es deren sechs: Martin Götschi aus Trubschachen (unter anderen fabriziert er den Truber Käse), Bernhard Meyer vom Hüpfenboden, Gemeinde Trubschachen, Anton Wyss von der Käserei Mutte, Signau, Fritz Oberli aus Schangnau und Fritz Baumgartner von der Käserei Mühlekehr, Trub, sowie Franz Renggli von der Käserei Oberberg, Schüpfheim. «Mit Franz Renggli zusammen entwickeln wir unseren ersten Entlebucher Rohmilchkäse», verrät Michael Fankhauser. Die exklusiv für die Fromage Mauerhofer AG hergestellten Spezialitäten aus den genannten Käsereien reifen in einem Sandsteinkeller in Burgdorf sowie – seit kurzem – im Keller der geschlossenen Käserei in Biglen. Gepflegt werden sie unter anderem von zwei pensionierten Käsermeistern aus der Region. 

Einzigartig muss der Käse sein

Nicht nur sein Geschmack soll den Mauerhofer-Käse bei den Kunden beliebt machen, sondern auch seine weiteren Besonderheiten. Allen ihren Käsen gemeinsam ist, dass sie aus Rohmilch fabriziert werden, die in einem Umkreis von maximal zehn Kilometern zur Käserei gewonnen wird. Die Kühe sollen nur Gras und Heu fressen, und die Bauern sollen einen fairen Preis erhalten. Aktuell liege ihre Empfehlung an die Käser, den Bauern zwischen 80 Rappen und einem Franken auszuzahlen, sagt Michael Fankauser. 

Für jede Käsesorte gibt es nebst den obgenannten Anforderungen eigene Kriterien. Einige werden ausschliesslich aus Milch von Kühen von ein- und derselben Rasse hergestellt, zum Beispiel von Pro-Spezie-Rara-Rassen wie das Rätische Grauvieh. Für den Einzelbauer Käse wird Milch aus nur einem Stall ins Kessi geleert. Ein dritter Käse ist mit Emmentaler Kräutern vom Hof Hasensprung in Eggiwil umwickelt, in einem vierten sind Brennnesseln eingekäst. Für einen weiteren wird ausschliesslich Berg-Heumilch verwendet. Diese Hart-, Halbhart- und Weichkäse – darunter auch Schaf-, Ziegen- und Büffelmilchkäse – lässt die Fromage Mauerhofer AG eigens für sich herstellen. 

Export und Onlinehandel steigend

Zu fast jedem Käse ihrer Kollektion können Fankhauser und Janett eine wohlklingende Geschichte erzählen – und auch über ihre Firma und die Geschichte des Schweizer Käses. Diese Geschichten werden auch in Amerika gerne gehört. Fromage Mauerhofer erzählt sie auf der Homepage und in einem Hochglanzprospekt in englischer Sprache – angereichert mit schönen Bildern.

Dass der Export in die USA nun gut angelaufen ist, stimmt Fankhauser und Janett zuversichtlich für ihr Geschäft. In der Schweiz wird der Käse vornehmlich durch den Onlinehandel an die Kundinnen und Kunden gebracht. Portioniert und verpackt wird er durch Mitarbeitende der Stiftung Intact in Burgdorf. 

Dass diese Spezialitäten im Premiumsegment anzusiedeln sind, versteht sich von selbst. 

Qualität darf etwas kosten

Ein hochwertiges Produkt, das so viel Genuss biete, dürfe auch seinen Preis haben, sind Fankhauser und Janett überzeugt. In Zahlen: ab 45 Franken pro Kilo inklusive Versand. Ein wirklicher Genuss werde es jedoch nur, wenn alle etwas davon hätten. «Nicht nur die Kunden und wir sollen profitieren können, sondern auch die Käser, die Milchbauern und die Tiere», so die Haltung der Unternehmer. Offenbar sehen dies auch viele ihrer Kunden so. Der Onlinehandel floriert, zumindest jetzt. «Dank Corona konnten wir das Onlinegeschäft mit unseren rund 30 Käsespezialtäten verdoppeln», berichtet Fankhauser. 60 Prozent der Neukunden würden weitere Bestellungen aufgeben. 

Die beiden Unternehmer sind sich bewusst, dass sie mit ihren jährlich verkauften 20 Tonnen Käse lediglich einen kleinen Beitrag zum Erhalt des traditionellen Käsehandwerks leisten können. «Doch sind wir erst im dritten Geschäftsjahr. Wenn es mit dem Export weiterhin aufwärts geht, werden wir an Bedeutung gewinnen», ist Michael Fankhauser überzeugt.