Im «Roten Thurm» kann man künftig nicht nur essen, sondern auch wohnen

Im «Roten Thurm» kann man künftig nicht nur essen, sondern auch wohnen
In diesem Saal will Reto Mühlemann Wohnungen einbauen. / Bild: Jakob Hofstetter (jhk)
Signau: Reto Mühlemann vom Gasthof zum Roten Thurm will bauen. Aus dem grossen Saal und den Hotelzimmern sollen sechs Wohnungen entstehen. Grund: zu geringe Auslastung.

Er wisse, dass nicht alle Leute Freude an seinem Projekt hätten, gibt Wirt Reto Mühlemann unumwunden zu. So sei das Hotel mit den sieben Zimmern in den Sommermonaten beliebt und zeitweise ausgebucht. Manche Signauerinnen und Signauer würden ihre Gäste im «Thurm» unterbringen. Auch der Saal im 2. Stock werde für Sitzungen und kleinere Versammlungen genutzt. «Übers Jahr gesehen ist die Auslastung aber klar ungenügend», betont er. Im Winter laufe im Hotel praktisch nichts und grosse Anlässe seien heute die Ausnahme. «Früher nutzten wir den Saal rund zweimal pro Monat für grosse Gesellschaften wie Hochzeiten, Geburtstagsfeiern oder Traueressen. Heute sind es noch zwei, drei im Jahr.» Das Kundenverhalten habe sich gewandelt hin zu kleineren Anlässen im privaten Rahmen, verbunden mit einem Catering, stellt Mühlemann fest, der seit 13 Jahren im «Thurm» wirtet. Nun müssten sie handeln und eine bessere Rendite erreichen. «Schliesslich möchte ich noch viele Jahre weiterwirten», sagt der 34-Jährige. 

Viele Ideen, aber nicht realisierbar

Sowohl die Zimmer als auch der Saal seien alt und sanierungsbedürftig. Ein Hotelzimmer zu renovieren koste sofort 25’000 bis 30’000 Franken; das rechne sich nie, gibt er zu bedenken. Und nur den Saal umzubauen gehe nicht, weil man, um an die Leitungen zu gelangen, in den Hotelzimmern die Wände öffnen müsse. Diese befinden sich auf der ersten Etage. Leicht gemacht habe er sich den Entscheid nicht, betont Reto Mühlemann. Er habe sogar bei den Gästen Ideen gesammelt, was man aus dem Saal machen könnte. «Diese reichten von einem Indoorspielplatz über eine Kita bis zu einer Wellnessanlage mit Sauna. Alles gute Ideen, nur leider nicht realisierbar. Keine Bank würde dafür Kredite gewähren.»

Für ältere und jüngere Mieter

So reifte der Entscheid, den rund 200 Quadratmeter grossen Saal und die sieben Hotelzimmer zu Wohnungen umzubauen. Geplant sind sechs Mietwohnungen, von 4½-Zimmern bis zu Studios. Obwohl die Bewohnerinnen und Bewohner die Dienstleistung des Restaurants nutzen können und auch ein Lift zur Verfügung steht, will Reto Mühlemann nicht explizit Alterswohnungen realisieren. «Unser Ziel ist es, eine altersdurchmischte Mieterschaft zu haben. Die Lage nahe des Bahnhofs und des geplanten neuen Schulhauses sind hierzu ideal.» 

Mühlemann hofft, im Spätherbst mit den Bauarbeiten beginnen zu können, so dass die Wohnungen im nächsten Sommer bezugsbereit sind. Weil das 1776 erbaute Haus geschützt ist, hat er das Vorhaben mit der Denkmalpflege abgesprochen. Ausser zweier im Dach eingebauter Balkone erfahre das Äussere des Hauses keine Änderung, hält der Wirt fest. Auch der Gastrobetrieb mit den insgesamt 180 Sitzplätzen laufe unverändert weiter.