Pommes unter Palmen

 «Wie geht’s deiner Katze?», werde ich seit meinen letzten Kolumnen häufig gefragt. Ich kann nur sagen: «Sie freut sich des Lebens! Danke für Ihr Mitgefühl.» Oft guckt sie mit mir Fernsehen. Und das nicht zu knapp, ich bin nämlich eine Fernsehratte. 

Im Vorschulalter sass ich mit den Eltern und vier älteren Geschwistern nach samstäglichem Vollbad im Frottee-Schlafanzug vor der Glotze. Die Augsburger Puppenkiste, vor allem Kater Mikesch und König Kallewirsch, gefiel mir sehr. Ich will jetzt nicht aufzählen, was mir seither televisionär widerfahren ist. Heutzutage jedenfalls lasse ich auf meinen iPad das Deutsche Fernsehen zu Wort kommen – als Hintergrundsound beim Kochen, als Gesellschaft, wenn es zu still ist und um meine Muttersprache zu pflegen und aktuell zu halten.  

Letztens sagte eine Verwandte am Telefon, sie müsse mit ihrer Tochter heute «Promis unter Palmen» schauen, so ein RTL-iges Geschwurbel. Ich verstand aber «Pommes unter Palmen». Wir lachten Tränen. Seither heissen alle Pilchers, Lindströms und andere seichten Produktionen für mich immer irgendwas mit Pommes: Pommes in den Bergen, Pommes auf dem OP-Tisch, Pommes am Fjord… Sie verstehen schon. 

Kurz nach dem Aufstehen schalte ich gerne Arztserien an. Schliesslich passe ich im Pyjama bestens zu den Patienten. Ein vortrefflicher Start in den Tag – denen geht es schlecht und mir bestens, und am Ende ist alles gut. Das nachmittägliche Format unter der Rubrik «Pommes im Hotel» liefern mir Gift- oder Pistolenmord, Liebe, Triebe, Hiebe und manchmal Drehbuchtexte, bei denen ich sprachliche Schmerzen empfinde. «Die Renovierung ist gestrichen» gehört da noch
zu den Highlights. Ja, der Witz dauert ein bisschen?... 

Mit Quizsendungen stelle ich später dann meine geistige Beweglichkeit auf den Prüfstand, um keine Spätfolgen zu riskieren. Auch freue ich mich für so manchen Schauspieler, wenn er bei «Pommes auf dem Traumschiff»
mitfahren durfte oder bemäkele, wenn ein fieser Kai aus der einen Serie auf einmal zum liebevollen Vater in der anderen Schmonzette mutiert. Ich kenne mich ja aus. Worauf ich mich wirklich freue, ist die 14. Staffel vom «Bergdoktor», die Anfang 2021 beginnt. Dass mir ja niemand meine Lieblingsserie «Pommes in den Bergen» nennt. Diese Serie ist sozusagen ein Gesamtpaket an emotionalen Lebensthemen, auf die ich nichts kommen lasse. Wenn Katze Heidi sich nicht auf jedes Papier legen würde, das vor mir liegt, nähme ich sogar mal wieder ein Buch zur Hand.
Aber wie sollte ich dabei kochen?