Der Wasserverbund Kiesental versorgt gut 12’600 Personen in zehn Gemeinden mit Trinkwasser. / Bild: Silvia Wullschläger (sws)
Konolfingen: In zwei Wasserfassungen wird ein Chlorothalonil-Grenzwert nach wie vor überschritten. Besser ist die Situation dort, wo man Wasser mischen kann.
Wie der Wasserverbund Kiesental (Waki) bereits im Februar und März informierte, wird bei zwei Wasserfas-
sungen der Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter (µg/l) für ein Abbauprodukt von Chlorothalonil – ein Wirkstoff eines Pflanzenschutzmittels – überschritten. Daran hätten auch die neuesten Befunde vom Mai nichts geändert, der entsprechende Wert vom Pumpwerk in Stalden betrage 0,3 und im Gmeis 0,24 µg/l, informiert der Waki. Das Wasser aus diesen beiden Fassungen gelange in die Versorgungszelle von Konolfingen 1. Die Versorgungszellen von Bowil-Zäziwil-Grosshöchstetten und von Oberhünigen/Reutenen würden durch Quellen und die Grundwasserfassung in Bowil gespiesen, welche den Grenzwert der Abbauprodukte von Chlorothalonil einhalten würden.
Entspannung in gewissen Gebieten
Seit vergangenem Februar mischt der Waki auch das Wasser in der Versorgungszelle von Konolfingen mit Wasser aus der Grundwasserfassung Moosacher, Bowil. Mit gewissem Erfolg, wie Geschäftsführer Hans Schäfer auf Anfrage sagt: «In der oberen Zone von Konolfingen inklusive Konolfingen-Dorf können wir die Grenzwerte nun einhalten.» Keine Verbesserung gibts in der unteren Zone von Konolfingen, welche mit Wasser aus dem Gmeis sowie dem Pumpwerk in Stalden versorgt wird. Einzig im Gebiet Tonisbach würden die Grenzwerte eingehalten, da dieses aus dem Reservoir Konolfingen-Dorf versorgt werde, steht in der Mitteilung weiter.
Grosse Teile der unteren Zone von Konolfingen beziehen ihr Wasser jedoch aus dem Gmeis beziehungsweise dem Pumpwerk in Stalden. Die Abklärungen zur Erschliessung von neuem, unbelastetem Quellwasser in der Versorgungszelle von Konolfingen würden zwar weiterlaufen. «Im Rahmen eines Grobkonzeptes hat sich jedoch gezeigt, dass eine Mischung mit dem Wasser aus dem Gmeis kaum dazu führen wird, den Wert von Abbauprodukten von Chlorothalonil unter den Grenzwert zu senken», schreibt der Waki. Dies wegen fehlender Mischmöglichkeiten wie auch aufgrund des Mischverhältnisses.
Werden Grenzwerte angepasst?
Was also tun? «Ein Patentrezept hat niemand», sagt der Waki-Geschäftsführer. «Wir brauchen das Wasser vom Gmeis und können diese Quellfassung nicht einfach stilllegen.» Von dort stammt rund die Hälfte des Trinkwassers in der Region Konolfingen. Es besteht sogar ein Projekt, im Gmeis ein neues Grundwasserpumpwerk zu bauen (siehe Kasten).
Hans Schäfer relativiert die Anfang Jahr verschärften Grenzwerte für alle Abbauprodukte von Chlorothalonil: «Auch das kantonale Amt für Wasser und Abfall hielt jüngst in einem Brief an die Wasserversorgungen fest, dass es sich um einen vorsorglichen, nicht um einen toxikologisch hergeleiteten Wert handelt.» Im Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) werde darüber diskutiert, künftig alle Abbauprodukte zusammen und nicht mehr einzeln zu messen und den Grenzwert entsprechend zu erhöhen, sagt Schäfer.
Das BLV selber hat in einem Brief im Januar festgehalten, dass keine unmittelbare Gesundheitsgefährdung aufgrund von Chlorothalonil-Metaboliten bestehe. Konsumentinnen und Konsumenten könnten Trinkwasser weiterhin konsumieren. Dieser Aussage schliesst sich der Wasserverbund Kiesental an.