Emmentaler degustieren – für einmal im Online-Modus

Emmentaler degustieren – für einmal im Online-Modus
Der Emmentaler war lecker – die Degustation per Videochat aber doch eher gewöhnungsbedürftig. / Bild: Christina Burghagen (cbs)
Emmental: Zu einer schmack­haften Pressereise lud Emmentaler Switzerland ein. Wegen ­Corona sassen die Teilnehmenden zu Hause an ihren Bildschirmen – geschmeckt hats trotzdem.

Aussergewöhnliche Zeiten ziehen kreative Aktionen nach sich: Gänzlich auf Abstand führte Emmentaler Switzerland vergangene Woche eine Pressereise der besonderen Art durch. Per Videoschaltung sollten sich Journalistinnen und Journalisten von der Einzigartigkeit des Emmentalers AOP überzeugen. Doch virtuelle Gaumenfreuden wurden gottlob noch nicht erfunden. 

Käse, Beilagen und mehr

So stattete Emmentaler Switzerland im Vorfeld jeden Teilnehmenden mit Käse und diversem Zubehör aus. Das Paket konnte sich sehen lassen: Käse in fünf Facetten, geschützt in einem Kühltäschchen, eine Flasche Weisswein, Emmentaler Honig, Tessiner Feigensenf, eingelegte Baumnüsse und ein rotwangiger Apfel deckten den kulinarischen Teil ab. Als Ausstattung diente ein Holzbrett, eine schwarze Schürze sowie ein multifunktionales Sackmesser – selbstverständlich alles mit dem typischen Emmentaler Schriftzug versehen. 

Pünktlich auf die Sekunde erschien Cesare Mimo Caci, Marketingleiter der Emmentaler Schaukäserei Affoltern, auf dem Bildschirm und schon in den ersten Minuten begann der Schmaus mit einem Emmentaler Classic, vier Monate gereift, goldgelb und mild-nussig. Wie fein diese Gottesgabe mit einem Tupfer Honig mundet, bewies sich zu Beginn der virtuellen Reise. 

Nun hatte Matthias Sempach das Wort. Der Schwingerkönig hat ein Faible für Ursprüngliches. Aufgewachsen auf einem Bauernhof, teile er nicht nur die Herkunft, sondern auch die Traditionen mit dem weltberühmten Käse, erzählte er. Seit Oktober 2019 liefert Sempach Milch von seinem Bauernhof im Entlebuch, den er mit seiner Partnerin Heidi Jenni bewirtschaftet. Sein Milchvieh tummle sich in der warmen Jahreszeit auf den Weiden einer Alp. Das Futter komme fast gänzlich aus eigener Mahd, dazu gebe er Kraftfutter aus Mais und Weizen, liess der Schwingerkönig sein Publikum wissen. «Niemals Soja oder Silofutter, das verlangt schon das Pflichtenheft für die Herstellung vom Emmentaler AOP.» 

Wie vor hundert Jahren

Christoph Räz von der Käserei Uettligen und Vizepräsident von Emmentaler Switzerland rühmte in seinen Ausführungen die familiäre Atmosphäre in jeder der insgesamt 111 Emmentaler Käsereien, in denen wie vor hundert Jahren die gleichen Arbeitsabläufe herrschen. Zwischen zwei und zehn Personen arbeiten in einer Käserei. Schritt für Schritt erklärte der Käsespezialist die Entstehung eines Käselaibs vom Gerinnen im Kupferkessel über den Schnitt der Gallerte bis hin zur Pressung und dem Salzbad. Auch erklärte Räz für alle, die sich immer noch fragen, woher die Löcher im Käse kommen, dass Kohlensäure, die sich während der Lagerung bildet, verantwortlich für die Löcher sei. 

Woher stammt mein Käse?

Auf www.emmentaler.ch kann dank der Nummer auf dem Käse herausgefunden werden, in welcher Käserei er hergestellt wurde. Interessant auch zu erfahren, dass nach genauer Prüfung nur die besten Käselaibe in Höhle oder Bunker weiterreifen dürfen. Wie ein Emmentaler «Urtyp» mit Apfelschnitz schmeckt, ein «le roi» mit Salzkristallen in den Löchern würzig die Zunge betört oder ein «Höhlengereifter» mit Feigensenf den Geschmackssinn kitzelt, durfte die virtuelle Reisegruppe genüsslich testen. Überraschend zeigte sich auch die Kombination mit der Spezialität unreif eingelegter schwarzer Baumnüsse. So originell diese computergestützte Degustation auch war – in einer Gruppe im Käsekeller Spezialitäten zu schnausen und klingend anzustossen, ist hoffentlich bald wieder möglich.