Eigentlich ist die Schule gar nicht so schlimm

Jeder, der in seinem Leben schon
einmal in die Schule gegangen ist, kennt das Gefühl. Am Ende des
Jahres überlegt man sich nicht wirklich, was man jetzt so alles Schönes gelernt hat, stattdessen wartet man
mit Aufregung auf das Zeugnis.
Das ist das, was zählt. Das, worauf
wir unseren Fokus legen. Die Noten im Zeugnis bestimmen den Unterschied zwischen jenen, die nach
dessen Erhalt ein Schulterklopfen
und einen Batzen von der Gross­mutter bekommen und jenen, denen eine Strafpredigt und vielleicht sogar das Wiederholen des letzten Schul­jahres droht. Die Schüler, welche das Thema zwar verstanden haben,
aber an der Prüfung einfach einen schlechten Tag hatten, werden ebenso bestraft wie diejenigen belohnt werden, die erfolgreich von ihrem Nachbarn
abgeschrieben haben. In die Schule
zu gehen, ist für die meisten eine Pflicht, wenn nicht sogar eine Qual. Man freut sich über jeden Ausfall
und jeden zusätzlichen Ferientag.
Aber wie ist es überhaupt dazu gekommen? 

Ich erinnere mich noch gut daran, wie es war, als ich in die Primarschule ging. Ich ging gerne, immerhin sah ich alle meine Kollegen und streckte auch bei jeder Frage vom Lehrer, zu der
ich eine Antwort wusste, die Hand auf. Ich strengte mich bei allem an, nicht, weil ich gute Noten wollte, sondern weil ich alles verstehen, wissen und können wollte. Doch über die Jahre nahm dieser Wissensdrang ab, besonders in der Oberstufe war ich einfach froh, wenn der Tag vorüber war und ich nach Hause gehen und mich ausruhen konnte. 

Meine Einstellung schwenkte erst
wieder um, als ich an die Kantonsschule kam. Selbstverständlich mochte ich immer noch nicht alle Fächer, den Sinn in quadratischen Funktionen oder dem Pythagoras werde ich wahrscheinlich bis zur Matura nicht sehen. Jedoch gibt es noch viele andere Fächer. In Religion und Ethik diskutierten wir über Gott und die Welt. Das beinhaltete natürlich auch Religionen, die es Frauen verbieten, in die Schule zu gehen. Das Einzige, das Mädchen lernen dürfen, ist Kochen und Haushaltsführung.
Als ich das hörte, wurde mir bewusst, wie undankbar ich bis dahin gewesen war. Zur Schule zu gehen, ist ein Privileg und eine Chance. Eine Chance, mehr über die Welt, aber auch über mich selbst zu lernen. Es geht nicht um die Noten, die am Ende des Jahres in meinem Zeugnis stehen, sondern um das Wissen, dass ich mir in dieser Zeit angeeignet habe und darum, wie ich mich als Person entwickelt habe.

26.03.2026 :: Chiara Bach

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