Sind die Herausforderungen des Baby- und Kleinkindalters geschafft, rutscht man, oft unverhofft schnell,
in die Phase der Adoleszenz, besser bekannt als «DIE Pubertät». Was auf einen zukommt, weiss man als Eltern nur vage. Die eigene Pubertät liegt einige Jahre zurück – und so manches hat man erfolgreich verdrängt. Und plötzlich: Zack – alle Hosen zu kurz, die T-Shirts XXS und Stil und Haare von existenzieller Bedeutung. Mein Pubertier baut sich kürzlich vor mir auf, schaut auf mich hinunter und lässt mit einem Grinsen die lockere Bemerkung fallen: «1,20 Meter Kampfzwärg, he?» Ja, ich muss es zugeben, grössentechnisch hat er mich eindeutig im Sack. Und genauso unvermeidlich wie seine Überholspur in der Höhe sind die wiederkehrenden Phasen des Pubertier-Daseins: Mittag, Türe knallt: «Hunger! Was git´s?» Was sich danach am Mittagstisch abspielt, gleicht einer Schlacht – und die findet nicht nur auf dem Teller statt.
Der Kleiderschrank, ein Katastrophengebiet: Überall Trümmer in Form von T-Shirts, Jeanslawinen und verlorenen Socken – der Sprössling kann sich wirklich nicht erklären, wie es
so weit kommen konnte. Planung von Aktivitäten wird von Teenagern mit bewundernswerter Gelassenheit angegangen. Risiken und Zeitpläne spielen dabei eine untergeordnete Rolle. Man verlässt sich lieber auf das bewährte Prinzip: «Chunt de scho guet.»
Die Lautstärke: Manchmal frage ich mich, ob Teenager so brüllen, weil sie fürchten, wir würden sie sonst nicht hören. Sie röhren wie Elche – laut, unvermittelt und oft völlig sinnlos.
Und dann wären da die Lieblingswörter: «Ke Bock» ist ohne Zweifel auf Platz 1. «Ke Bock» ist ein echtes Multitool und kann vielseitig eingesetzt werden: für die Schule, Hausaufgaben, Aufräumen?... es finden sich täglich unzählige Situationen, zu denen es passt. Weitere Highlights des Teenager-Wortschatzes: Diga, easy, crazy, sad, «nid so deep», chill und Bro.
Und wir Eltern? «Ihr seid ja so peinlich» – wer kennt den Satz nicht?
Kein Wunder – wir sind einfach zu erwachsen und nicht cool genug für die Teenager-Welt. Unsere Witze
finden sie so gar nicht lustig. Regeln und Termine sind ein direkter Angriff auf ihre Freiheit.
Am Ende bleibt: Leben mit Teenagern heisst Staunen, Schmunzeln, starke Nerven – und ab und zu Ausweichen. Schlachten am Mittagstisch, «Ke Bock»-Momente und peinliche Eltern gehören einfach dazu.
Und genau darin steckt das Wunder: Aus Kindern werden eigenständige Persönlichkeiten – chaotisch, laut, witzig, lebendig und liebenswert.