Wenn mir aus dem Badezimmerschränkchen irgendein Pflegeprodukt – pling-plang-plong – ins Waschbecken fällt, regt mich das wahnsinnig auf. Auch, wenn ich in die Hose steige, mit dem Fuss hängenbleibe und ich gezwungen bin, wie ein Storch auf einem Bein rumzuhüpfen, um die Balance zu halten, bekomme ich Vögel. Sobald ich etwas am Becken abspüle, dauert es nicht lange, bis ich mich selbst von oben bis unten nass spritze. Dann nenne ich mich laut eine Plantsch-Kuh. Es gibt noch so einige Kleinigkeiten, die mich aufregen. Die Psychologie spricht dann entweder von tief liegenden Spannungen, hohem Stresslevel oder nicht aushaltbarem Kontrollverlust. Ein weiterer Grund, warum man sich über Lappalien aufregt, tut sich auf, wenn man sich nach dem Ausrasten fragt, worüber man sich wirklich aufregt. Denn nicht selten übertragen wir Ärger und Wut auf Dinge und Gegebenheiten, die ungefährlich sind. Immerhin ist es besser, eine Cremetube im Waschbecken anzuschreien, als zum Beispiel dem Kollegen zu sagen, dass er ein hinterhältiger Mistkerl ist. Dieses Ventilverhalten ist völlig normal, wenn es nicht zu häufig auftritt. Aber sind wir nur noch am Motzen, sollten wir vielleicht doch mal ergründen, wo der Hase wirklich im Pfeffer liegt. Abgesehen davon sind wir dann ja für unsere Mitmenschen mühsam. Wer mag schon jemanden, der dauernd nur ausruft. Apropos Mitmenschen: Lange habe ich mich über Menschen aufgeregt, die nachweislich eher von schlichtem Gemüt sind, aber in ihrer Unwissenheit verdammt viel Selbstvertrauen besitzen. Oder anders ausgedrückt: Doof, aber mit sicherem Auftreten. Dann hörte ich vom Dunning-Kruger-Effekt. Die Psychologen David Dunning und Justin Kruger aus den USA beschrieben dieses Phänomen 1999. Sie untersuchten in einer breit angelegten Studie, warum Menschen mit geringer Kompetenz ihre eigenen Fähigkeiten überschätzen. Sie fanden heraus, dass ihnen die Einsicht fehlt, ihre Inkompetenz zu erkennen. Beim Fussball schauen vorm TV ist das ja noch ganz niedlich, wenn die Couchpotatoes genau wissen, wie das Spiel zu gewinnen ist. Im Team-Meeting kann ein ahnungsarmer Besserwisser einem ganz schön den Tag versauen. Während sich Menschen für Experten halten, die keine Ahnung haben, unterschätzen sich echte Experten oft und hegen Selbstzweifel. Seit ich das verstanden habe, lehne ich mich innerlich entspannt zurück, wenn ich solch einem vermeintlichen Experten begegne. Naja, meistens jedenfalls. Manchmal rege ich mich auch wahnsinnig auf.