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Blätter aus dem Paradies

Vielleicht haben Sie auch davon gehört oder gelesen, was die durch ein Datenleck enthüllten Dokumente einer internationalen Kanzlei auf den Bahamas sichtbar machen: Dass multinationale Konzerne und Finanzinstitute sowie einige superreiche Privatpersonen nicht so weisse Hemden haben wie sie behaupten. Zugegeben, die Materie ist kompliziert und ohne vertiefte Wirtschafts-Kenntnisse kaum zu verstehen. Aber sie bestätigt eine Beobachtung, die schon Jesus vor 2000 Jahren machte: Wer hat, dem wird gegeben (beziehungsweise kann sich noch mehr nehmen) und wer nicht hat, dem wird auch noch das Letzte genommen. Zum Beispiel den Armen in Nigeria. Wenn die Recherchen stimmen, haben internationale Rohstoffhändler und korrupte Politiker dem Land allein in einem aufgedeckten Fall 1,3 Milliarden Dollar geraubt. Das ist mehr als die Weltbank mit Krediten die Entwicklung zu fördern versucht. Da fühle ich mich, der gelegentlich mit Geld Entwicklungsprojekte unterstützt und hofft, damit etwas Gutes zu tun, total hintergangen. Müssen denn die Armen (oder genauer: die Mittelschicht) versuchen, den Schaden zu verbessern, den die Reichen anrichten? Sollten wir nicht auch laut protestieren, statt nur still und wehrlos zuzuschauen? So wie in den 1980-er Jahren Oscar Romero und viele andere Gläubige im Mittelamerika gegen Gewalt und Unterdrückung protestierten und ihr Leben riskierten (und verloren). Glauben, sagte Oscar Romero, bedeutet nicht, in den Himmel zu schauen und an das Ewige Leben zu denken, sondern sich einzusetzen für die Armen auf der Welt. Und: «Es ist nicht Gottes Wille, dass die einen alles und andere nichts haben.» Die Blätter aus dem «Paradies» zeigen mir, dass ich nicht nur zuschauen darf, sondern auch protestieren und mich engagieren, wo es möglich ist. 



16.11.2017 :: Samuel Burger, reformierter Pfarrer in Konolfingen
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