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Was will Gott?

«Man muss es nehmen, wie Gott will», sagte die ältere Frau mit resignierter Stimme, «vielleicht habe ich noch einige Jahre zu leben, wenn nicht, dann soll sein Wille geschehen.» Ehrlich gesagt: Der Gott dieser Frau oder zumindest das Bild, das sie sich von ihm macht, wirkt auf mich nicht sehr sympathisch. Da schlafe ich am Sonntag lieber aus, als diesem Gott in der Kirche begegnen zu müssen. Jesus sagte einmal sinngemäss, dass es wohl keinen menschlichen Vater gibt, der seinem hungrigen Sohn statt Brot nur einen Stein anbieten würde. Wieviel mehr wird der Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn darum bitten. Im Buch Jeremia (32, 14) heisst es von Gott: «Es soll mir eine Freude sein, ihnen Gutes zu tun.»

Könnte es nicht auch Gottes Wille sein, dass die ältere Frau gesund bleibt, dass ihre Blumen gedeihen, das Wetter für den Ausflug am Mittwoch gut ist und die Enkelin die Autoprüfung schafft? 

Natürlich gehören Krankheiten und Niederlagen zu unserem Leben dazu. Nicht jedes Gebet um Heilung wird erhört. Irgendwann wird eine körperliche Schwäche dazu führen, dass wir sterben. Sogar Jesus hatte einen Weg zu gehen, der ihm alles abverlangte. Das Schwere zu ertragen, kann Gottes Wille sein, zumal er die Möglichkeit hat, sogar aus dem Notvollen etwas Gutes entstehen zu lassen. Gleichzeitig kann er uns mitten im Schweren drin seinen Frieden schenken. Wir müssen nicht nur ertragen, sondern dürfen uns von ihm tragen lassen. Wie es wohl wäre, wenn wir vertrauensvoll sagen könnten: «Man darf es nehmen, wie Gott will.» Es ist Gottes Wille, mich als mein himmlischer Vater in heiteren und dunklen Stunden begleiten zu dürfen; durch dieses ganze Leben hindurch der wahren Heimat entgegen. 


18.01.2018 :: Herbert Held, reformierter Pfarrer, Röthenbach
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