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Projekt zur Förderung der Bienen
KANTON BERN: Bienenförderung beginnt lange bevor die erste Biene ausfliegt
04.02.2010 Ein kantonales Projekt will Bienen fördern. Würde die Zahl der Völker weiter sinken, hätte dies gravierende Auswirkungen. Bereits jetzt, da noch keine Biene ausfliegt, werden erste Massnahmen umgesetzt.
Bruno Zürcher
Nicht nur Blumen bieten Bienen Nahrung. Auch in den Blüten von Sträuchern und Bäumen finden die Insekten lebenswichtige Pollen und Nektar. In Kursen, in denen Landwirte, Landschaftsgärtner und Gemeindearbeiter lernen, wie eine Hecke zu pflegen ist, werden neu auch die Bedürfnisse der Bienen berücksichtigt. «Für die Biene ist wichtig, dass sie während des ganzen Sommers Pollen und Nektar sammeln kann. Wenn Löwenzahn und Obstbäume verblüht haben, wird die Nahrung oft knapp», erklärt Projektleiter Ruedi Ritter. «Daher ist eine Hecke, in der verschiedene Strauch- und Baum- arten wachsen und über eine lange Zeit blühen, wertvoll.» (Siehe Seite 2) Wichtig sei weiter, dass nicht die ganze Hecke auf einmal, sondern abschnittweise zurückgestutzt werde – dies komme nicht nur den Bienen sondern auch den Vögeln zugute.» Bevor zur Säge gegriffen wird, werden die Sträucher markiert, die belassen werden sollen. Werden den Sträuchern jährlich maschinell nur die äussersten Spitzen abrasiert, entstehen Hecken mit wenigen Blüten und Früchten, die weder Bienen noch Vögeln nützen. Liste mit Massnahmen Nicht nur mit guten Hecken kann man Bienen fördern. Vor kurzem wurde durch das Amt für Landwirtschaft und Natur eine Liste mit Massnahmen genehmigt. Der Hebel wird an vielen Stellen angesetzt. So soll der Betrieb von Lehrbienenständen, wo Jungimker ausgebildet werden, finanziell unterstützt werden. Nicht nur in Hecken soll die so genannte Bienenweide verbessert werden, sondern auch in Privatgärten oder Wiesen und Hecken entlang von Strassen. «Der Verband deutschschweizerischer Gartenbauvereine hat sich erkundigt, welche Pflanzen für Bienen besonders günstig sind. Gartenfreunde können nun Pakete mit Jungpflanzen und Samen beziehen und damit Bienen und Hummeln im Hausgarten viel Nahrung bieten.» In der Ausbildung der angehenden Forstwarte und Landwirte soll den Bienen neu mehr Platz eingeräumt. «Ein Bauer kann den Bienen beispielsweise helfen, indem er eine Wiese, auf der viel Löwenzahn wächst, erst mäht, wenn dieser verblüht hat», erklärt Ritter. Im Vergleich zum Ausland biete die hiesige Landwirtschaft aber unter anderem dank der geregelten Fruchtfolge und dem angepassten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gute Lebensbedingungen. Schliesslich sollen auch Kinder und Jugendliche vermehrt für die Bienen und deren Nutzen für den Menschen sensibilisiert werden. In Ferienpass-Angeboten sollen sie Einblick in die Welt der Bienen erhalten. Ein unglaublich spannendes Hobby Bereits als Kind hatten die Bienen Ruedi Ritter fasziniert. Seit mehr als 40 Jahren «beielet» er. Wenn er von seinen Bienen erzählt kommt der Fachmann ins Schwärmen: «Es ist ein unglaublich spannendes Hobby. Ich entdecke noch immer Neues an den Tieren», erklärt er. «Ich habe etwa beobachtet, dass Bienen, denen ein Bein fehlt, nicht aus dem Volk gestossen werden, sondern für den Wassertransport eingesetzt werden. Die Honigbiene ist ein absolut faszinierendes Tier, die allerdings auf die Hilfe des Menschen angewiesen ist.» Vor gut einem Jahr hat der in Hasle wohnhafte Ruedi Ritter sein Hobby zum Beruf gewandelt. Schon zuvor war er am Inforama tätig. Er unterrichtete unter anderem Schweine- und Rinderzucht. Im Unterschied dazu sei bei den Bienen vieles noch nicht erforscht, sagt Ruedi Ritter. Im Vergleich zu anderen Bereichen seien die Mittel bei der Bienen-Forschung bescheiden. «Wir können heute viele Dinge zu ungenau beantworten.» Halb so viele Bienen wie 1985 Ein grosser Faktor im Verlust von Bienen ist die Varroa-Milbe, die 1985 aufgetreten ist. Seither hat sich im Kanton Bern die Zahl der Bienenvölker halbiert. Warum ist die Bekämpfung der aus Indien stammenden Milbe so schwer? «Die Biene und die Milbe sind relativ nahe Verwandte», erklärt er. «Eine Milbe auf einem Hund zu bekämpfen wäre einfacher, weil ein Mittel eingesetzt werden könnte, das für den Hund unbedenklich aber für die Milbe tödlich wäre.» Nimmt die Zahl der Bienenvölker weiterhin stark ab, wird dies wohl gewaltige Auswirkungen haben. Zwar fliegen auch Hummeln, Wildbienen und etliche Fliegenarten die Blüten an, aber Honigbienen zeichnen für den Grossteil der Bestäubungen verantwortlich. Ohne ihre Arbeit würden nicht nur Obst, Beeren oder Raps nicht mehr befruchtet, auch etliche Wildpflanzen wären in ihrer Existenz gefährdet. Wie gross die Auswirkungen in der Natur wären, könne derzeit nicht genau abgeschätzt werden, erklärt Ruedi Ritter. Wie will er künftige Imkerinnen und Imker motivieren? Die Aussicht auf Honig alleine, dürfe sicher nicht den Ausschlag geben, um mit dem «Beielen» anzufangen, meint Ruedi Ritter. «Zwar können auch heute pro Volk ein paar Kilo Honig geerntet werden, im Zentrum muss aber die Faszination Biene stehen.»
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