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LÜTZELFLÜH: Dass die Versteigerung durchgeführt wird, ist so gut wie sicher
26.01.2012 Nach fast 100 Jahren muss die Familie Aeschlimann den Hof Waldhaus 17 in Lützelflüh verlassen. Wenn nicht ein Wunder geschieht, ist die Versteigerung unausweichlich.
Jakob Hofstetter
«Wer nur Pächter ist, muss halt damit rechnen, dass er dereinst den Hof verlassen muss», sagt Paul Aeschlimann. Genau dieses Schicksal trifft nun ihn und seine Familie. Nein, hadern will er nicht und sentimental werden schon gar nicht. «Aber es ist wirklich verdammt hart». Bereits seine Urgrosseltern, die Grosseltern und die Eltern lebten im Waldhaus. Paul Aeschlimann verbrachte dort die Kindheit, seit 40 Jahren bewirtschaftet er den Betrieb zusammen mit seiner Frau Sara, zeitweilig halfen auch die beiden nun erwachsenen Kinder mit. Der Sohn, inzwischen gelernter Landwirt, arbeitet bei starkem Arbeitsanfall immer wieder auf dem Betrieb mit. «Sein Wunsch und unser Wunsch wäre es gewesen, dass er bald einmal den Hof übernehmen und in fünfter Generation weiterführen würde», berichtet Paul Aeschlimann. Daraus wird nun definitiv nichts. Besitzer melden Eigenbedarf an Daran, dass die Aeschlimanns nun den Hof verlassen müssen, gibts nichts mehr zu rütteln. Das weiss die Familie bereits seit Frühjahr 2009, als Erben des verstorbenen Besitzers Eigenbedarf geltend machten und die Kündigung aussprachen. «Dies geschah alles rechtens», betont der Pächter. «Die Tochter einer Miterbin hat einen Bauern geheiratet. Dass die Familie das Heimwesen nun selber bewirtschaften will, ist ja verständlich.» Jedoch sei es für ihn und seine Familie viel schneller gekommen als erwartet. «Ich bin jetzt 61 und habe gehofft, dass wir mindestens noch etwa drei Jahre hierbleiben können.» Schade um die schönen Kühe Die Aeschlimanns betreiben im Waldhaus Ackerbau und Milchwirtschaft. Sie sind erfolgreiche Viehzüchter. «Bereits mein Vater hatte Freude an schönen Kühen. Die Begeisterung schwappte auf meine Frau und mich über, und auch unser Sohn ist voll bei der Sache». Mit ihren Kühen, alle selber gezüchtet, holten sie auch schon den Starzüchter-Titel an der Starparade in Langnau, wo jeweils die schönsten der schönen Jungkühe präsentiert werden. Nun sollen all die schönen Tiere, auch der gesamte Maschinenpark und alles, was auf einem Bauernhof gute Dienste leistet, versteigert werden. Das schmerzt die Familie sehr. Bis zuletzt versuchten die Aeschlimanns diesen gefürchteten Tag zu verhindern. «Es hat einfach nirgends gepasst» «Weil wir in unserem Sohn einen Nachfolger gehabt hätten, suchten wir intensiv nach einer Pacht, seit wir die Kündigung erhalten haben», sagt der Bauer. Sonderlich wählerisch seien sie nicht gewesen. «Ein Milchwirtschaftsbetrieb in der Grös-se des jetzigen – für etwas über 20 Kühe – müsste es sein, den wir ohne Angestellte bewirtschaften könnten.Zudem sollte er nicht allzu weit weg von hier sein», nennt er die Kriterien. Fündig geworden sind sie nicht. Zum Kauf seien ihnen mehrere Betriebe angeboten worden, aber in der Ostschweiz, für zwei oder drei Millionen. Mehrere Pachtangebote seien daran gescheitert, dass die Eigentümer einstiger Milchwirtschaftsbetriebe den Stall für die Fleischproduktion umgestellt hätten. Ein erneutes Umrüsten wäre sehr teuer zu stehen gekommen. «Es hat einfach nirgends gepasst», fasst er die Ergebnisse der vielen Abklärungen zusammen. Die Hoffnung stirbt zuletzt Paul und Sara Aeschlimann haben sich nun darauf eingestellt, dass sie die Versteigerung, die auf den 3. März angesagt ist, auch wirklich durchführen müssen. Seit letztem Herbst arbeiten sie auf Hochtouren darauf hin. Doch immer wieder, wenn sie am «Grümpeln» sind oder Maschinen und Geräte flott machen für die Gant, schimmert die leise Hoffnung durch, dass sich in letzter Minute vielleicht doch noch ein Wunder einstellen und ihnen jemand eine Pacht nach ihren Vorstellungen anbieten wird. Was Paul und Sara Aeschlimann machen werden, wenn das erhoffte Wunder nicht eintrifft, wissen sie noch nicht. «Bevor wir uns mit der Zukunft befassen, müssen wir hier abschliessen», so Paul Aeschlimann. Dem Weiler Waldhaus werden sie nicht den Rücken kehren. Ein paar 100 Meter vom Bauernhaus entfernt haben sie vor acht Jahren ein kleines Wohnhaus erworben – dannzumal in der Absicht, dereinst ins «Stöckli» ziehen zu können, wenn dann der Sohn Bauer im Waldhaus sei. Die neuen Bauersleute im Waldhaus 17 sind Philippe und Annette Krähenbühl aus Steffisburg. Laut Paul Aeschlimann werden auf dem Hof nun grössere Änderungen anstehen. Philippe Krähenbühl will sich gegenüber der «Wochen-Zeitung» nicht zu seinen Plänen äussern. Jakob Hofstetter
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