Tierärzte haben sich neu organisiert

Tierärzte haben sich neu organisiert
Seit Anfang Jahr stehen die Wagen der Grosstierärzte – wenn sie nicht ausgerückt sind – bei der neuen Praxis in der Hüselmatte. / Bild: Daniel Schweizer (sdl)
Langnau: Seit Anfang Januar werden in der Tierarztpraxis am Bahnhof nur noch Kleintiere behandelt. Für die Grosstiere wurde in der Hüselmatte in Langnau eine eigene Praxis eröffnet.

Drei Jahre haben Daniela Hulsebos und Martin Blaser die Tierarztpraxis für Gross- und Kleintiere am Bahn-hof in Langnau gemeinsam geführt. Daraus sind per Anfang Jahr zwei eigenständige Praxen geworden: für Kleintiere die Tierarztpraxis am Bahnhof AG am bisherigen Standort mit Daniela Hulsebos als Inhaberin und Geschäftsleiterin, für Grosstiere die Grosstierpraxis Langnau GmbH in der Hüselmatte mit Martin Blaser und Thomas Mock als Geschäftsführer und Inhaber.

Intern war die Trennung zwischen Nutz- und Kleintier seit Langem Tatsache, berichtet Daniela Hulsebos. «Die zunehmend unterschiedlichen Anforderungen, aber auch die engen Platzverhältnisse waren letztlich treibende Faktoren der Aufteilung.» Mit kleinerem Volumen könne effizienter gearbeitet und die Abläufe besser strukturiert werden. Hulsebos ist überzeugt, die neue Lösung bringe auch den Kundinnen Vorteile. «Wir können auf unseren Fachbereich fokussieren.» Zudem reduzierten sich die Wartezeiten am Telefon oder an der Theke vor Ort für die Kundschaft. Diese profitiere auch vom Umstand, dass ihre Praxis überdurchschnittlich ausgerüstet sei. «Wir behandeln häufig auch Fälle, die ansonsten an eine Tierklink verwiesen würden.»

Martin Blaser von der Grosstier­praxis sieht das ähnlich: «Unser neuer Standort wurde nach dem Motto ‹klein aber fein› eingerichtet. So konnten wir das Medikamentenlager besser organisieren. Zudem sind wir telefonisch direkt erreichbar.» Mit ihrem Fachwissen und einem stabilen und eingespielten Team könnten sie einen Mehrwert bieten. In den meisten Fällen wisse man gleich, worum es gehe, sagt Blaser. «Man kennt sich halt.» Die bereits zahlreichen positiven Rückmeldungen hätten diese Einschätzung bestätigt.

Ihr Anspruch bleibe es, ein Ange-bot mit moderner Grosstiermedizin bereitzustellen mit einem Notfalldienst rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr.


Grosser Fachkräftemangel

«Wir haben trotz massivem Mangel an Tierärztinnen in der Schweiz in un­serer Praxis zum Glück ein stabiles Team», kommt Daniela Hulsebos auf die personelle Situation zu sprechen. Gründe für den Fachkräftemangel sieht sie unter anderem in der beschränkten Anzahl Studienplätze, mit der damit zurückgehenden Anzahl
an Studienabgängern. Weiter sei der Notfalldienst mit einem nächtlichen Pikettdienst, der nahtlos in den nächsten Arbeitstag übergehe, herausfordernd. «Immer mehr Leute brennen aus, kehren dem Beruf den Rücken. Die Selbstmordrate ist ein Mehrfaches höher als im Schweizer Durchschnitt anderer Berufe», sagt die Tierärztin.

Auch Martin Blaser sieht im regelmässigen Nacht- und Wochenenddienst eine Hürde. Zahlreiche Kollegen könnten offene Stellen nicht besetzen, weil diese mit regelmässigen Einsätzen im Notfalldienst mitunter unattraktiv sind. «Aber», hebt Hulsebos zum Schluss die schöne Seite ihres Berufs hervor, «wir können helfen, wir begegnen jeden Tag neuen, interessanten Fällen. Und wir erfahren seitens der Kundschaft sehr viel Dankbarkeit.»

22.01.2026 :: Daniel Schweizer (sdl)