Hier stehen Kinder im Scheinwerferlicht

Hier stehen Kinder im Scheinwerferlicht
Bei der Luftakrobatiknummer waren viel Geschick und gute Zusammenarbeit gefragt. / Bild: Sabine Bissegger
Trubschachen: Der Kinder-Zirkus Wunderplunder schlug in der ­ersten Herbstferienwoche sein Zelt in Trubschachen auf. Die jungen Artistinnen und Artisten übten fleissig für die Vorstellung.

Wenn zu Ferienbeginn auf dem Schulhausplatz alte, ratternde Traktoren mit einer Reihe von Zirkuswagen auffahren, beginnen die meisten Kinderherzen höher zu schlagen, erst recht, wenn die Kinder wissen, dass sie bei diesem Zirkus die Hauptrollen spielen werden. Denn der Zirkus Wunderplunder ist ein Mitmach-Zirkus. Die Artistinnen und Artisten erarbeiten mit den sechs- bis zwölfjährigen eine jeweils einzigartige, auf die teilnehmenden Kinder zugeschnittene und von ihnen mitbestimmte Zirkusshow.

Erlebnis steht vor Leistung

So war es auch in Trubschachen. Erwartungsvoll versammelten sich die 54 Angemeldeten am Montagnachmittag im Zelt, nachdem einige schon vorher beim Aufbau tüchtig Material geschleppt hatten. Manchem Kind fiel wohl die Entscheidung schwer, in welcher Gruppe es mitmachen sollte. Vielleicht bei der Luftakrobatik mit den aufgehängten Ringen? Oder doch lieber beim Jonglieren? Oder bei der Bodenakrobatik? Oder bei den Feuerkünsten? Am nächsten Tag begann das Üben. Für das Zirkusteam galt es, die Möglichkeiten jedes Kindes auszuloten, es zu bestärken, es zu Erfolgen zu führen, ohne es zu überfordern. Das Erlebnis zählt mehr als die Spitzenleistung, und das Gefühl ist wichtig: Mich braucht’s, ohne mich geht’s nicht. 

Die Vorstellung als Höhepunkt

Am letzten Tag luden die jungen Künstlerinnen und Künstler zu zwei Vorstellungen ein. Natürlich ging so etwas nicht ohne ein Zirkus-Orchester. Dafür waren die Allerjüngsten auserkoren worden, verkleidet als drollige Raubkatzen. Auf E-Gitarren, Keyboard, mit Regenrohr und allerlei Schlagwerk erzeugten sie schräge, vergnügliche Klänge. Dann folgte ein Höhepunkt dem andern, immer eingeleitet vom mehrfach besetzten Direktorium. Oft waren die Szenen in magisches Licht getaucht. Natürlich fehlten auch die Clowns nicht. Und immer wieder – versteht sich – die obligaten Verbeugungen. Das Publikum, mit Masken vor allfälligen unerwünschten Viren geschützt, applaudierte kräftig und vergass ob den entzückenden Darbietungen die herbstliche Kälte.

Private Initiative

Als am Samstag die Zirkuswagen mit dem ganzen verpackten «Wunderplunder» unter Abschiedswinken abreisten, standen einigen Kindern die Tränen in den Augen. Die Zirkuswoche wurde von vier jungen Müttern im Alleingang organisiert, die nicht da-rauf warten mochten, bis irgendein Verein oder eine Organisation etwas Ähnliches auf die Beine stellte. Sie suchten Sponsoren – und fanden sie auch in reichem Masse, unterschrieben Verträge, trafen Absprachen mit Landbesitzern und Nachbarn. Die leuchtenden Augen, die strahlenden Gesichter der Kinder waren ihr verdienter Lohn. Ebenfalls die Unterstützung durch die Gemeinde, die solch privates Engagement honorierte. In manchem Kinderherz tönt es wohl noch eine Weile nach: «…mir si jetz da, lache u springe, tanze u singe im blau-gäube Zäut, das isch üsi Wäut.» In zwei Jahren – so ist es geplant – soll der Zirkus seinen «Plunder» wieder in Trubschachen auspacken.

08.10.2020 :: Ruedi Trauffer