Richtig frustrierend

Kennen Sie die kleinen, farbigen Bügelperlen? Man kann sie auf vorbereiteten Steckplatten zu Mustern zusammensetzen, dann gibt man sie einige Momente unter das Bügeleisen, der Plastik schmilzt leicht und die Bilder sind fixiert. Schliesslich kann man sie auskühlen lassen und verwenden.

Nun hat eines meiner Kinder gerade in mühevoller Arbeit unzählige Steckperlen zu einem kunstvollen Muster geformt. Vorsichtig bringt es die Form zum Bügelbrett. Doch da passiert es: Es hält die Platte leicht schräg, einige Perlen fallen hinunter, es will danach greifen und das halbe Muster liegt zerstreut am Boden. Frustriert lässt es auch noch den Rest fallen. Es ist enttäuscht über sich, wütend über die Situation und die ersten Tränen suchen sich ihren Weg.

Und ich kann zutiefst mit ihm fühlen. Solche Situationen kenne ich nur zu gut. Man gibt sich wirklich Mühe und will das Beste, und dann geht es trotzdem schief oder man wird doch von anderen kritisiert. Das frustriert so richtig.

Viele Eltern möchten ihren Kindern instinktiv solche Frustmomente möglichst ersparen. Pädagogen sind sich einig, dass dies Kindern aber im Blick auf ihr Leben nicht wirklich hilft. Denn vor ihnen liegt eine Zukunft, in der sie immer wieder frustrierende oder ungerechte Erfahrungen machen werden. Es ist ihnen viel mehr geholfen, wenn wir mit ihnen teilen, wie wir selbst mit solchen frustrierenden Erlebnissen umgehen.

Mein Glaube hilft mir dabei, weil er zeigt, dass mein Wert nicht dadurch bestimmt ist, ob ich Fehler mache. Ich weiss, dass Gott mich liebt, obwohl er nicht nur Fehler, sondern all mein Versagen und auch meine Schuld sieht. Gleichzeitig muss ich in frustrierenden Momenten auch niemand anderes dafür beschuldigen. Ich darf den Frust ungeschönt und direkt Gott klagen und auch bei ihm ablegen.

17.09.2020 :: David Jany

Weitere Artikel