Wunschlos glücklich?

Im März hat unser Sohn, der mit verschiedenen Behinderungen lebt, Geburtstag. Auf die Frage, was er sich wünscht, hat er jedes Jahr dieselbe Antwort für uns: «Einen Luftballon!» Nun – damit spiegelt er sicher nicht die Mehrheit der Menschen wider, so quasi wunschlos glücklich, wie er ist?...

Wunschlos glücklich – eine schöne Vorstellung. Doch gibt es diesen Zustand wirklich? Wünsche begleiten uns in der Regel von Kindheit an. Bei Kindern sind Wünsche oft spontan und eher materiell: ein neues Spielzeug, ein Haustier oder ein spannendes Abenteuer. Bei Jugendlichen wird der Wunsch nach Anerkennung, Freundschaften und Unabhängigkeit wichtiger. Als Erwachsene prägt häufig das Wissen um die eigene Verantwortung und die Realität unsere Wünsche. Gleichzeitig aber entwickeln viele die Sehnsucht nach Sinn, Erfüllung und innerem Frieden. Im Alter schliesslich gewinnen Werte wie Gesundheit und Zeit Bedeutung.

Wie sieht es mit Ihren Wünschen aus? Wie wäre es, sich einmal eine stille Stunde zu nehmen, um sich über die eigenen Wünsche klar zu werden? Was steht der Erfüllung meiner Wünsche im Wege? Welchen Stellenwert hat die Erfüllung eines bestimmten Wunsches für mich? Kann ich selbst etwas dafür tun, dass er sich erfüllt? Oder gilt es vielleicht, neu Ja dazu zu sagen, dass ein Wunsch unerfüllt bleibt?

Die tiefsten Sehnsüchte nach Liebe, Geborgenheit und Sinn, sie begleiten uns wohl ein Leben lang. Vor vielen tausend Jahren hat ein Mensch einmal geschrieben: «Gott ist für mich wie ein Hirte – mir wird es an nichts fehlen.» Im 23. Psalm können wir das nachlesen. Ein grosses Wort! Vielleicht können wir mit Gott in einem ruhigen Moment darüber ins Gespräch kommen: Jubelnd, wo wir es so erleben, klagend, wo es uns nicht so zu sein scheint und bittend, wo wir uns diese Genüge von ihm noch viel mehr wünschen.

Übrigens: Der Wunsch unseres Sohnes wird sich auch in diesem Jahr erfüllen!

05.02.2026 :: Silke Mattner