Briefträger sind immer gutgelaunt und fröhlich! Zumindest kommt mir das so vor, wenn ich einem Vertreter oder einer
Vertreterin dieser Berufsgruppe begegne. Er oder sie winkt mir zu, verschenkt ein herzhaftes Lächeln, wechselt zwei,
drei Worte und ist schon wieder verschwunden. Zurück bleibt das angenehme Gefühl, dass sich jemand gefreut hat, mich
zu sehen, wenn auch nur ganz kurz. «Wiedersehen macht Freude» ist ein beliebter Ausdruck, der die Freude und das
Glück beschreibt, alte Freunde und Bekannte wiederzutreffen. Möglicherweise wirken Briefträger deshalb gutgelaunt
und fröhlich, weil sie in einer ständigen Wiedersehensfreude leben. Sie fragen nicht danach, ob meine Zähne geputzt,
die Haare gekämmt und die Wohnung aufgeräumt ist. Vor dem Briefträger darf ich ganz so sein, wie ich bin. Sobald eine
zwischenmenschliche Beziehung länger währt als nur einen Augenblick, weicht die Wiedersehensfreude unweigerlich
einer Alltagsroutine. Aufgaben, gegenseitige Ansprüche und unausgesprochene Erwartungen müssen geklärt werden.
Je besser dies geschieht, desto entlasteter gestaltet sich die Beziehung. Hingegen würde es sogar meine
herzensgute Ehefrau überfordern, wenn ich die Erwartung an sie hätte, meine
innersten Bedürfnisse nach Annahme und Liebe stillen zu müssen. Im Tiefsten kann Gott allein meinen seelischen
Liebestank auffüllen. Im biblischen Buch Zephanja, Kapitel 3, Vers 17, schreibt der Prophet, wie sehr sich Gott
über seine Stadt Jerusalem freut. Mit der nötigen Demut darf ich dieses Wort auch für mich persönlich nehmen:
«Gott jubelt über dich in Freude... jauchzt über dich mit Frohlocken...» Versuchen Sie sich einmal
vorzustellen, liebe Leserin, lieber Leser, wie der lebendige Gott über Sie mit Freude jubelt und mit Frohlocken
jauchzt! Die Freude eines Briefträgers Ihnen gegenüber währt höchstens zwanzig Sekunden, Gottes Begeisterung
über Sie eine ganze Ewigkeit!