Wer Ohren hat zu hören ...

...der höre! Da sind wohl die allermeisten von uns angesprochen, die mit Ohren ausgestattet sind. Diese Aufforderungen Jesu ist uns mehrfach in den Evangelien überliefert. Am prominentesten im Gleichnis vom Sämann (Lukas 8). Sein Same fällt auf vier unterschiedliche Böden. Aber nur der Same, der auf gutes Land fällt, gedeiht und trägt Früchte. Das Gleichnis steht dafür, wie unterschiedlich das Wort Gottes aufgenommen wird. Der Satz Jesu ist merkwürdig: Gibt es denn Ohren, die nicht zum Hören da sind? Jesus wusste offenbar von Menschen, die zwar Ohren hatten und eigentlich hätten hören sollen, und es doch nicht taten. Von tauben Menschen im eigentlichen Sinne war aber hier nicht die Rede. Im Hintergrund dieser Aussage liegt eine sprachliche Eigentümlichkeit, die sich in der Mundart mit dem Unterschied zwischen «ghöre» (hören) und «lose» (zuhören) bestens wiedergeben lässt. Beim «ghöre» kann ich distanziert und passiv bleiben. Beim «lose» muss ich Worte auf mich wirken lassen und aktiv werden. Meine Kinder zum Beispiel «ghöre» ganz viel, manchmal viel zu viel - auch das, was sie nicht hören sollten. «Lose» tun sie viel zu wenig. Wir Eltern sind aber nicht besser. Bis zu sieben Mal, so belegen Studien, muss ein Kind etwas wieder­holen, bis es bei Erwachsenen angekommen ist. Während wir im Deutschen einen Unterschied machen, machte Jesus, der Aramäisch sprach, keinen. Es gab nur ein Wort für «ghöre» und «lose»: Sch'ma. Wer Ohren hat, der «lost», oder hört gar nicht. Nur so kann zwischenmenschliche Kommunikation gelingen, und nur so wird Gottes Wort in unserem Leben Früchte tragen. Jesus bezeichnet die Hörenden am Ende des erwähnten Gleichnisses als diejenigen «die das Wort hören und behalten in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in Geduld».

12.02.2026 :: Pierrick Hildebrand