Haben Sie sich auch Ziele gesetzt fürs neue Jahr? Wie viel haben Sie nach einer Woche bereits erreicht? Oder schon wieder aufgegeben? Ein Pilger sagte mir mal, als ich ihn fragte, wohin er unterwegs sei: «Der Weg ist das Ziel.» Und ich dachte mir: Dann kannst du auch immer im Kreis herum gehen. Wir brauchen ein Ziel, damit wir die Motivation für den Weg finden.
Es ist gut möglich, dass wir im Nachhinein merken: Der Weg war wichtiger als die Erreichung des Ziels. Ich habe viel erlebt und gelernt unterwegs. Aber ohne das Ziel hätte ich mich nicht auf den Weg gemacht. Ohne die angedrohte Prüfung hätte ich das gute Buch nicht gelesen, die Formel nicht gelernt.
Jesus erwartete das Reich Gottes. Eine Welt, in der gerechte Verhältnisse herrschen, niemand Mangel und Krankheit leidet und jeder Mensch sich als wichtig und wertvoll verstehen kann. Die Realität zu seiner Zeit war eher das Gegenteil. Aber anstatt nur darauf zu warten, dass Gott dieses Reich endlich errichtet, lehrte er seine Zeitgenossen, so zu tun, als ob es schon da wäre: die Kranken zu pflegen, den Armen zu helfen, seine Feinde zu lieben. Er und viele mit ihm machten sich auf den Weg. So entstanden christliche Gemeinden und Kirchen. In ihnen wur-de die Hoffnung auf dieses Gottesreich zelebriert und gelebt – und dabei wurde viel Gutes schon erfahrbar.
Und wenn wir sehen, was wir bis heute erreicht haben in Sachen Wohlstand, sozialer Gerechtigkeit und Medizin, müssen wir sagen: Der Weg hat sich gelohnt. Wir sind noch nicht am Ziel, und ob wir dort einmal ankommen, ist ungewiss. Aber ohne dieses Ziel in den Augen wären wir nicht da, wo wir sind. Das Ziel bestimmt den Weg. Es hilft, die Strapazen zu ertragen und die Richtung zu behalten. So dass bereits der Weg zu einer guten Erfahrung wird. Ein Stück des Ziels liegt schon auf dem Weg. Und das gilt auch für die Ziele, die Sie sich gesteckt haben für das neue Jahr.