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Rodscher!Rodscher?

Gelegentlich beissen sich einmal gesetzte Flöhe in meinem Ohr fest...Unlängst entfuhr mir während des Sportrückblicks bei einem jener sensationellen Federer-Returns ein Jauchzer. Meine Liebste kommentierte denselbigen ungerührt: «Reg dich nicht so auf, solche Bälle haben Aliens eben drauf – sag doch selber: Kann ein einziger von insgesamt siebeneinhalb Milliarden Menschen so viel Können, so viel Gutes und Erhabenes auf sich vereinen? Derart perfekt Tennis spielen, dass die andern daneben wie Hornusser-Schnupperstifte aussehen? Über Jahrzehnte hinweg alles gewinnen, was es zu gewinnen gibt? Welt-, Europa- und Schweizer Sportler des Jahres und nebenbei Ehrendoktor und Unicef-Botschafter werden, Hilfsprojekte unterstützen und doch locker mal bei einem jugendlichen Fan einen Hausbesuch einstreuen? Und – wieso ist Herr Supermann eigentlich militärdienstuntauglich, jedoch so gut wie nie gesundheitlich angeschlagen? Der Microsoftie-Bill hat nicht grundlos kürzlich gesagt, dass bei Rodscher die Gesetze des Alterns ausser Kraft scheinen.»

Meinen Einwand, dass auch Herr Federer durchaus – wenn zugegebenermassen auch wunderselten – Fehler oder Schwächen offenbare, wischte meine Liebste vom Tisch: «Unzulänglichkeiten sind in Rodschers Fall nicht naturbedingt – sowas lässt sich der Glaubwürdigkeit halber gezielt programmieren.» Ich habe darauf nichts unversucht gelassen, meine Angetraute von der Absurdität ihrer Behauptung zu überzeugen, habe argumentiert, ihr einen wortreichen Exkurs zum Unterschied zwischen über- und ausserirdisch aufgenötigt und sie letztlich sogar bezichtigt, eine Verschwörungstheoretikerin zu sein. Verzweifelt habe ich endlich auf Knien an ihren gesunden Menschenverstand appelliert… Sie blieb unbeeindruckt und verweigerte sich einer weitergehenden Diskussion – und damit war der eingangs erwähnte Floh definitiv installiert. Ein unheilvolles Grübeln nahm seinen Anfang. 

Meine Zweifel sind nicht verblasst, wurden eher noch genährt. Nicht zuletzt durch den Umstand, dass Herr Federer ja kein Rosché, sondern ein Rodscher ist. Wer weiss, vielleicht lässt sich dies ja auf die letzten Worte zurückführen, die Klein-Federlein von der Alien-Besatzung seines UFOs zu hören bekam. Falls diese nämlich ihr Flugobjekt in der Nähe von
St. Chrischona sanft in die «In den Säugümpen» genannte Matte gesetzt hätte, wäre ja wohl alsbald von oben die Anweisung gekommen: «Ok, ihr könnt ihn jetzt aussetzten.» – «Rodscher.» Der Rest wäre Geschichte. Oder auch nicht.  


17.05.2018 :: Dieter Sigrist Sumiswald
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