Der 73-jährige Josef Jenni hat sich sein Leben lang für die Energiewende engagiert und hört nicht auf. / Bild: zvg
Oberburg: Die Firma Jenni Energietechnik ist 50 Jahre alt. Der Gründer Josef Jenni, der von seinem Thema nicht lassen kann und will, erzählt von seinen Projekten und Zielen.
Angefangen hat es vor 50 Jahren mit Steuerungen für Sonnenkollektoren. Daraus wurde eine Montagefirma für Sonnenheizungen und schliesslich das Unternehmen Jenni Energietechnik AG. Es baute das erste ganzjährig ausschliesslich mit Sonnenenergie versorgte Haus, propagierte mit «Oil of Emmental» die Nutzung einheimischer Holzreserven, konstruierte seine eigenen Maschinen und stellt nun unter anderem riesige Tanks zur Speicherung von warmem Wasser her. Der Schöpfer und Motor dieser Aktivitäten, der 73-jährige Josef Jenni, ist heute - wie er selbst sagt - «e chli pensioniert». Das heisst, er hat die Geschäftsleitung der Firma an ein fünfköpfiges Gremium übergeben, darin auch seine Tochter, Tabea Bossard-Jenni. Er sei stolz darauf, dass rund 200 Personen in seinem Umfeld mit sinnvoller Arbeit ihren Lebensunterhalt bestreiten könnten, sagt Jenni.
Der Pensionär
Aber kann ein Mann wie er überhaupt loslassen? Nicht wirklich. «Ich arbeite nach wie vor 50 Stunden pro Woche», sagt Josef Jenni, «halte mich aber vom Tagesgeschäft fern. Allerdings gibt es Kunden, die für ihre älteren Anlagen mich als damaligen Projektleiter engagieren wollen.» Das «bisschen pensioniert» habe allerdings den Vorteil, dass er nicht mehr rentieren müsse, weil er weniger Lohn beziehe. Wenn er nun gewisse Freiheiten habe, sei das auch gut für seinen Blutdruck. Eigentlich glaubt man seinem halben Rückzug aus der Firma nicht ganz. So überrascht es kaum, dass Jenni dem Besucher erklärt, er habe am Vormittag zwei Mitarbeiter daran hindern müssen, einen Solartank mit Schaumstoff statt mit Glaswolle zu isolieren. «Ich bin froh, wenn meine Mitarbeiter meine Entscheidungen nachvollziehen können», sagt er, «ich bin kompromissfähig, gebe mir Mühe, nicht alle zu bevormunden, habe es aber unter Umständen nicht so gerne, wenn mir jemand sagt, wie es geht.»
Der Solarpionier
Irgendwann, genau ist das nicht zu eruieren, wurde Jenni zum Solarpionier erkoren. Der Titel freue ihn, aber Solarpapst sei übertrieben, das höre er zum Glück nicht mehr so häufig. Der Pionier der Sonnenenergie setzt sich aber nicht nur für diese eine Energie ein. «Wenn wir im Winter elektrisch fahren wollen», sagt er, «müssen wir Propeller, Solaranlagen in den Bergen und die höhere Staumauer an der Grimsel akzeptieren. Die Energiewende ist ein Kraftakt, kein Spaziergang.» Und gerne zitiert er das Wort eines ihm gut bekannten ehemaligen Direktor eines Elektrokonzerns: «Umweltschutz ist, wenn die Schweinerei eine andere, eine deutlich kleinere wird.»
Der Politiker
Für den Kraftakt Energiewende hat Jenni sich als Gewählter der Evangelischen Volkspartei (EVP) von 2006 bis 2012 im Grossen Rat eingesetzt. Etwas kam dazu - der Kampf gegen die Bürokratie. «Was wir an Formalitäten für den Bau von Solaranlagen, im Speziellen bei der Photovoltaik, erledigen müssen, ist das Schlimmste», sagt er, «wir verbringen oft so viel Zeit im Büro wie auf der Baustelle, das macht unseren Leuten die Arbeit zum Verleiden.» Ein Übel seien Subventionen; würden sie beschlossen, hänge man bürokratische Bedingungen daran. «Man kann nie aufhören, solche Entwicklungen zu bekämpfen», meint er. Keinen Hehl macht Jenni ebenso daraus, dass er für seine Ideen auch gerne im Nationalrat gefochten hätte. 2007 und 2011 kandidierte er für die EVP, stiess aber parteiintern auf Widerstand. Die EVP brauche keinen Ein-Thema-Politiker wie ihn, habe es geheissen, jetzt seien Frauen an der Reihe. 2019 versuchte er es für die BDP und schaffte es auf Rang fünf. «Ein Achtungserfolg», findet er. Er habe aber auch merken müssen, dass der Parteiwechsel nicht goutiert worden sei.
Der Pragmatiker
Seit seiner Jugend ist der Solarpionier ein Gegner der Atomenergie. Sollte man die drei AKWs in der Schweiz also abschalten? «Eigentlich ja, aber das gäbe zur Zeit Probleme. Im letzten Winter wurde ein Drittel unseres Strombedarfs importiert. Mit Gösgen am Netz wäre es bloss ein Sechstel gewesen», meint Jenni. Und weiter: «Die Energiewende ist keine esoterische Übung, in der zur Wahrheit wird, was man gerne hätte.» So redet der Pragmatiker, dessen Firma heute auch Elektroheizelemente verkauft. «Sie sind ausschliesslich zum Betrieb mit überschüssigem Solarstrom bestimmt. So kann in Fernheizungen Holz eingespart werden», sagt Jenni. «Viele Leute wollen nicht wahrhaben, dass auch Energieholz knapp wird. Der Kanton Bern hat noch Potenzial, aber im Kanton Freiburg wird schon doppelt so viel verbrannt, wie nachwächst.»
Der Velofahrer
Mit 66 Jahren hat sich Josef Jenni, wie er in seinem Jubiläumsbuch mit dem Untertitel «Ein Leben für die Sonne» schreibt, einen Traum erfüllt - er ist per E-Bike von Oberburg zum Nordkap gereist. Die gut 4'400 Kilometer lange Strecke bewältigte er in 20 Tagen. Aber Jenni wäre nicht Jenni, wenn er die Reise nicht für seine eigentliche Mission unterbrochen hätte. Unterwegs hielt er an der Hochschule von Borlänge/Falun in Schweden einen Vortrag über die Nutzung solarer Wärme.