Als Diktator Mobutu einen Gärtner suchte

Als Diktator Mobutu einen Gärtner suchte
Das «Paradiesli», wie die Jakobs ihren Garten nennen, ist ein Ort für Pflanzen aus aller Welt. / Bild: Laura Fehlmann (lfc)
Lauperswil: Von Rüderswil über Zaïre in die Blütti bei Lauperswil. Seine Leidenschaft für Pflanzen hat Fritz Jakob weit gebracht - sowohl geografisch wie auch intellektuell.

Der alte Bauernhof in der Blütti bei Lauperswil liegt auf rund 800 Metern über Meer. Beim Haus endet der steile Weg. Neben dem Hintereingang plätschert ein Brunnen, grüne Farne und die roten Blüten einer Kamelie leuchten um die Wette. Rundum spenden hohe Bäume Schatten. Hier wohnen Ursula und Fritz Jakob. Er ist 1953 geboren, «im Jahr der Erstbesteigung des Mount Everest», wie er sagt. Im Militär, bei der Gebirgsinfanterie, habe er seine Leidenschaft für das Bergsteigen entdeckt. Eine mindestens ebenso grosse Leidenschaft hegt der gelernte Gärtner für die Pflanzenwelt. Nach der Lehre als Topf- und Schnittblumengärtner stellte er auf Gartenbau und -unterhalt um, legte die Meisterprüfung ab. Bald darauf folgten Gesellenjahre im ehemaligen Zaïre, der heutigen Demokratischen Republik Kongo. Als der junge Fritz Jakob nach Afrika reiste, herrschte in Zaïre noch der Diktator Mobutu; unter anderem auch über eine 17 Hektare grosse Fläche, die zu einem Park werden sollte, samt neu gebauter Kirche.


Grosses Wissen

«Reinem Zufall» verdankte Jakob die Reise nach Afrika. «Ich bin auf jemanden gestossen, der Mobutu persönlich kannte und dessen Gärten verwaltete. Dort wurde jemand gesucht, um eine Parkanlage zu planen», erinnert sich Jakob. Etwa eineinhalb Jahre arbeitete er in Zaïre als Gärtner. Dann reiste er mit dem verdienten Geld noch ein paar Monate in Afrika herum, «weil ich mein Spesengeld, das man mir in zaïrischer Währung auszahlte, nicht in Schweizer Franken umwechseln konnte». Zurück in der Schweiz fand Fritz Jakob eine Anstellung in der Gartenbauschule Oeschberg in Koppigen, wo er 30 Jahre blieb. Im Nebenerwerb arbeitete er zusätzlich im elterlichen Kleinbauernbetrieb in Rüderswil. Der Betrieb der Eltern von Ehefrau Ursula auf der Blütti, wo beide seit 2017 zusammen leben, gab und gibt auch viel zu tun. Bis vor einigen Jahren hielten sie an beiden Orten Schafe. «Auf dem Oeschberg unterrichtete ich Pflanzenkenntnisse und war zuständig für den Schulpark. Daneben sammelte und studierte ich auf Studienreisen zahlreiche Pflanzen», erzählt Jakob, der über Gärten und Pflanzen unglaublich viel weiss - allein schon die lateinischen Namen kommen ihm ohne Nachdenken über die Lippen. Über diese «paradiesischen Freiräume» hat er ein Buch geschrieben, das eben beim Langnauer Verlag Herrmann herausgekommen ist.


Ein botanischer Garten

Während eines Rundgangs durch den Garten auf der Blütti, beziehungsweise im «Paradiesli», wie das Ehepaar Jakob den Ort nennt, windet er seiner Frau ein Kränzchen. «Ohne sie wäre all das nicht zustande gekommen. Dank ihr konnte ich das Buch schreiben. Und sie ist diejenige von uns, die den grünen Daumen hat.» Sie entgegnet: «Fritz hat über 45 Jahre Notizen gemacht und gesammelt, die er für dieses Buch verwendete.» Das Material kam bei den verschiedenen Reisen, beim Bergsteigen und zuhause zusammen. Das «Paradiesli» ist ein botanischer Garten mit Pflanzen aus aller Welt, die sich dem Emmentaler Klima auf über 800 Metern angepasst haben. Die Kältempfindlichen überwintern an einem frostfreien Ort oder unter einer Folie. Das alles bedeutet Arbeit. «Noch können wir es machen», sagt Fritz Jakob. Man achte jedoch darauf, Pflanzen zu haben, die wenig Pflege brauchen und robust sind. Robust muss auch sein, wer im «Paradiesli» wohnt. Der Weg ins Tal und zurück ist eine Herausforderung. Ein Auto haben Jakobs nicht. Sie fährt mit dem Velo - nicht E-Bike - nach Langnau zum Einkaufen, so ist sie es seit ihrer Kindheit gewohnt.

21.05.2026 :: Laura Fehlmann (lfc)