In der Gemeinde Eggiwil mangelt es an Kindern - und an Lehrpersonen

In der Gemeinde Eggiwil mangelt es an Kindern - und an Lehrpersonen
Ein Bild, das bald der Vergangenheit angehören wird: Schülerinnen und Schüler beim Schulhaus Siehen. / Bild: Hansjörg Mader (hme)
Eggiwil: Die Gemeinde reduziert ihre Schule auf zwei Standorte, vielleicht in ein paar Jahren auf ein einziges Zentrum. Gründe sind sinkende Schülerzahlen und der Mangel an Lehrpersonen.

488 freie Stellen sind aktuell auf dem kantonalen Job-Portal für Lehrpersonen zu finden. Der Mangel an Lehrkräften sei konstant hoch, ist bei Bildung Bern zu erfahren (siehe Kasten). Die Schule Eggiwil sucht auf dem Portal derzeit keine Verstärkung - oder nicht mehr. Für den Standort Siehen, wo aktuell noch eine gemeinsame Klasse mit Kindern von der 1. bis zur 6. Klasse unterrichtet wird, fand man niemanden. «Es gab zwar interessante Bewerbungen», sagte die Co-Schulleiterin Caroline Schneider an einem Informationsanlass letzte Woche. Aber am Ende habe sich niemand bereit erklärt, die Stelle zu übernehmen. Das fehlende Personal führt dazu, dass die Kinder aus dem Gebiet Siehen ab dem kommenden Schuljahr in den Schulhäusern Dorf oder Horben unterrichtet werden. Aktuell noch weitergeführt werden soll in Siehen der Kindergarten. Aber auch die Kleinsten würden in Zukunft in zwei Klassen im Tal unterrichtet, orientierte die Schulleiterin weiter. Ganz aufgehoben wird per Ende des laufenden Schuljahres die Schule Hindten, wo es aktuell 14 Kinder hat.


Von neun auf zwei

Der Gemeinderat und die Schulleitung von Eggiwil haben eine gewisse Routine, was die Schliessung von Schulhäusern anbelangt; innert zweier Jahrzehnte sank die Zahl von neun auf zwei. Kleine Schulen würden manchmal schon in den unteren Überprüfungsbereich «rutschen», wenn eine Familie wegziehe, beschrieb Lydia Bähler, Gemeindepräsidentin, die Problematik. Hinzu kommt: Die Geburtenzahlen unterliegen Schwankungen. «Auf dem Kapf hatte es vor zehn Jahren fast keine Schülerinnen und Schüler mehr, was zur Schliessung führte und nun leben wieder um 30 Kinder dort», berichtete Bähler. Dank der Konzentration auf die Schulen Dorf und Horben sollen diese Schwankungen besser ausgeglichen werden können.


Schulräume über den Turnhallen?

Die Strategie zur Schulorganisation sieht längerfristig gar ein mögliches Schulzentrum im Dorf vor. «Aktuell hätten wir hier aber zu wenig Platz», erklärte die Gemeindepräsidentin am Infoanlass in der Turnhalle. Das Gebäude mit den beiden übereinander angeordneten Turnhallen (24 x 12 Meter) spielt bei den Überlegungen zur Schulorganisation eine zentrale Rolle. «Die Turnhallen müssen sowieso saniert werden», sagte Lydia Bähler. «Gleichzeitig könnten wir das Gebäude um einen Stock erweitern.» Nebst Klassenzimmern bräuchte es Räume für Gruppenarbeiten, Spezialunterricht oder für eine Tagesschule. Letztere werde auch in Eggiwil früher oder später ein Thema, meinte Bähler. Die möglichen Kosten einer Sanierung und Erweiterung sind noch nicht bekannt. Die Baukommission werde nun mit der Planung starten, erklärte Lydia Bähler. Auch weitere Kosten werden auf die weitläufige Gemeinde zukommen; beispielsweise für die Schülertransporte, die mit den Schliessungen nötig werden. «Einen zusätzlichen Schulbus haben wir auf das kommende Schuljahr schon organisiert», sagte die für die Bildung zuständige Gemeinderätin Luzia Egli-Wicki.

Schulen mit speziellen Konzepten sind im Vorteil

Dass Schulen in peripheren Gebieten Mühe haben, Lehrpersonen zu finden, hört Stefan Wittwer nicht zum ersten Mal. Der Geschäftsführer von Bildung Bern, dem Verband der Lehrpersonen, Schulleitungen und weiteren pädagogisch ausgebildeten Fachleuten, stammt selber aus dem Emmental und kennt die hiesige Topographie. «Wenn es zum Beispiel keinen ÖV hat, bewerben sich mit Sicherheit weniger Lehrkräfte», sagt Wittwer. Dass Klassen wie in Siehen, wo Erst- bis Sechst-Klässler zusammen unterrichtet werden, für junge Lehrpersonen per se weniger attraktiv sind, glaubt er hingegen nicht. «Es gibt durchaus junge Leute, die das bewusst suchen», sagt Wittwer. «Sozial hat ein Unterricht mit mehreren Jahrgängen grosse Vorteile.» Jede Lehrerin und jeder Lehrer hätte aber auch Vorlieben. «Wenn man sich mit Erst- und Zweit-Klässlern wohl fühlt, will man nicht plötzlich an einem Kindergarten unterrichten, auch wenn dies, was die Ausbildung anbelangt, möglich wäre.»


IF-Fachleute sind gesucht

Weniger Probleme, freie Stellen zu besetzen, hätten Schulen mit speziellen Konzepten und solche, die als Partnerschule der pädagogischen Hochschule viele Praktika anbieten und in engem Kontakt mit Studierenden seien, hat Wittwer die Erfahrung gemacht. Welche Berufe sind besonders gesucht? Heilpädagoginnen und Heilpädagogen und Primarlehrpersonen von der ersten bis zur sechsten Klasse. Dass sich der Lehrermangel in den letzten Jahren nicht entschärft hat, untermauert Wittwer mit einer Statistik, welche aufzeigt, dass vor immer mehr Klassen nicht-qualifiziertes Personal steht.

21.05.2026 :: Bruno Zürcher (zue)