Neue Pläne für die Vordere Zürchermatte

Neue Pläne für die Vordere Zürchermatte
Noch ist das Areal eine Brache. Doch die Bay Projektentwicklung AG will an diesem Standort Wohnungen bauen. / Bild: Regine Gerber (reg)
Langnau: Nach dem geschei­terten Projekt von Lidl soll das Stämpfli-Areal künftig vor allem fürs Wohnen genutzt werden. Kleine Gewerbe- oder Detailhandelsangebote bleiben möglich.

Für die Vordere Zürchermatte, das ehemalige Stämpfli-Areal, liegen neue Nutzungspläne vor. Nachdem die Stimmberechtigten im Oktober 2023 die Überbauungsordnung für einen Lidl-Supermarkt abgelehnt hatten (siehe Kasten), soll das Areal künftig in erster Linie für Wohnungen genutzt werden. Im Erdgeschoss der Überbauung sollen zudem Gastgewerbe, Dienstleistungen, stilles bis mässig störendes Gewerbe oder Detailhandel möglich sein. 

Das Areal gehörte bis vor Kurzem Lidl Schweiz. Nach dem Nein an der Urne entschied sich das Unternehmen, das Grundstück zu verkaufen. Neue Eigentümerin ist die Bay Projektentwicklung AG aus Konolfingen, die unter anderem auch das Areal Bahnhof Süd besitzt.


ZPP setzt Rahmen

Damit das neue Vorhaben umgesetzt werden kann, sind Anpassungen an der baurechtlichen Grundordnung nötig. Derzeit liegt das Gebiet in einer Arbeitszone; nun soll es in eine Mischzone umgezont werden, um auch Wohnen zu ermöglichen. Vorgesehen ist zudem eine Zone mit Planungspflicht (ZPP), mit der die Gemeinde die Rahmenbedingungen festlegt.

Geplant ist eine Überbauung mit bis zu vier Geschossen und einer maximalen Gebäudehöhe von 15 Metern. Zudem sollen unterirdische Parkplätze sowie Aussenräume entstehen. Auch Massnahmen zur Förderung der Biodiversität und zur Hitzeminderung sollen umgesetzt werden. Wie das Projekt konkret ausgestaltet wird, wird sich aber erst später zeigen; die ZPP schreibt dazu ein qualitätssicherndes Verfahren vor.


Lehren aus dem Lidl-Nein

Welche Lehren hat die Gemeinde aus dem gescheiterten Lidl-Projekt gezogen? «Wir haben die maximal zulässige Verkaufsfläche eingeschränkt, so dass der Standort für einen Supermarkt nicht mehr attraktiv ist», sagt Roland Zaugg, der seit Anfang Jahr als neuer Gemeinderat für das Planungswesen zuständig ist.

Mit diesem Schritt reagiere die Gemeinde auf die Kritik am Lidl-Projekt, erklärt Roland Zaugg, der damals selbst im Befürworter-Komitee war. Die Gegner hatten unter anderem befürchtet, ein zusätzlicher Supermarkt ausserhalb des Dorfkerns könnte bestehende Geschäfte konkurrenzieren.

Allerdings: Gemäss ZPP bleibt eine Verkaufsfläche von 1000 Quadratmetern möglich. Laut Medienmitteilung soll ein Angebot auf die Wohnsiedlung und die Berufsschule ausgerichtet sein. Übersteigt ein Laden dieser Grösse nicht deren Bedarf? «Diese Fläche umfasst auch Lagerbereiche, so dass nur kleinere Geschäfte möglich sind», erklärt Zaugg. «Ein lokales Lädeli wäre wünschenswert», ergänzt er. Welche Angebote realisiert werden, liege jedoch später bei der Ei­gentümerin. Die ZPP schreibt zudem keinen Mindestanteil an Gewerbe vor – es wäre also auch eine reine Wohnnutzung denkbar, wie der verantwortliche Gemeinderat bestätigt.


Sicherheit weiterhin Thema

Ein weiterer Kritikpunkt am früheren Projekt betraf die Sicherheit der Schulwege über die Burgdorfstrasse. Massnahmen stehen hier noch aus. «Dies wird bei der Ausarbeitung des Projekts konkret berücksichtigt. Erste Gespräche mit der zuständigen kan­tonalen Stelle wurden bereits geführt», sagt Zaugg. Man werde diesem Aspekt besondere Aufmerksamkeit schenken.

Fest steht hingegen, dass der einmal geplante Fussgängersteg, an dessen Kosten sich Lidl beteiligt hätte, nicht ausgeführt werden kann. Zum einen hätte dieser ein Privatgrundstück betroffen. Der mittlerweile neue Eigentümer lehne den Steg ab, so der Gemeinderat. Zum anderen wäre die Lösung nicht mit den Anforderungen des Behindertengleichstellungsgesetzes vereinbar gewesen.

Bis die Bagger in der Vorderen Zürchermatte auffahren, wird es noch dauern. Zunächst muss die genehmigte ZPP vorliegen – damit rechnet der Gemeinderat frühestens Ende 2028. Aktuell hat die Bevölkerung im Rahmen der Mitwirkung Gelegenheit, sich zu den Plänen zu äussern. Die Unterlagen liegen bis zum 8. Mai öffentlich auf. Anschliessend wird die Planung überarbeitet und dem Grossen Gemeinderat vorgelegt. Dessen Entscheid unterliegt dem Referendum. «Wir sind zuversichtlich, dass die neue Planung auf Zustimmung stösst», sagt Roland Zaugg.

Lidl-Pläne 2023 an der Urne abgelehnt

2015 kaufte Lidl das Areal der Stämpfli AG mit der Absicht, eine Supermarkt-Filiale sowie Wohnungen zu bauen. 

Im März 2023 nahm der Grosse Gemeinderat die Überbauungsordnung an. Dagegen wurde das Referendum ergriffen. Zu den Gegnern gehörten Vertreterinnen und Vertreter der SP, der GLP und des Vereins Dorfbild Langnau sowie auch Gewerbetreibende. Sie befürchteten durch die Lidl-Filiale mehr Verkehr und dass sich das Dorfzentrum weiter entvölkern könnte. Zudem bemängelte das Komitee unter anderem die geplanten oberirdischen Parkplätze.

Im Oktober 2023 kam die Über-bauungsordnung vors Stimmvolk und wurde mir knapp 55 Prozent abgelehnt.

09.04.2026 :: Regine Gerber (reg)