Klimafragen in die Arztpraxis und das Schulzimmer bringen

Klimafragen in die Arztpraxis und das Schulzimmer bringen
Hansueli Albonico will Klimafragen stärker im Gesundheitswesen verankern. / Bild: zvg
Langnau: Seit zwei Jahren bietet Hansueli Albonico eine Klima-Sprechstunde an. Doch das genügt ihm nicht: Eine solche Beratung soll Teil der medizinischen Grundversorgung werden.

Ist der Klimawandel schuld an meinem schlimmeren Heuschnupfen? Soll sich meine Familie gegen Zecken-Hirnhautentzündung impfen lassen? Mit Fragen wie diesen kommen Menschen in die Klima-Sprechstunde von Hansueli Albonico. Seit 2024 bietet der pensionierte Hausarzt aus Langnau diese Beratung jeweils am ersten Freitag im Monat kosten-los im BZ-Gebäude an (die «Wo-chen-Zeitung» berichtete). Sein Ziel: aufzeigen, dass Gesundheit und Klimaschutz zusammenhängen.


Breites Spektrum an Themen

In der Sprechstunde geht es um gesunde Ernährung, Bewegung, aber auch um sogenannte Klimakrankheiten oder den Umgang mit Medikamenten. Pro Termin führt der Arzt drei bis sechs Gespräche. «Es kommen ganz unterschiedliche Menschen», erzählt er. Entsprechend breit sei auch das Spektrum der Themen: von Allergien, über sich hierzulande verbreitende Tropenkrankheiten bis zur Frage, worauf man bei veganer Ernährung achten müsse. Inzwischen habe das Interesse an der Klima-Sprechstunde etwas nachgelassen, zieht Albonico nach zwei Jahren Bilanz. Die Resonanz in Öffentlichkeit und Fachwelt sei jedoch gross. Das Projekt wird mittlerweile von der Gemeinde unterstützt und wurde unter anderem mit einem Förderpreis der Stiftung für Naturheilkunde und Erfahrungsmedizin (SNE) der Eidgenössischen Krankenkasse ausgezeichnet.


Mehr als ein Einzelangebot

Hansueli Albonicos Anliegen reicht aber über seine Klima-Sprechstunde hinaus. «Es ging mir nie um ein isoliertes Angebot», betont er. Sein Ziel sei es, klimasensible Beratung in den Alltag von Haus- und Kinderarztpraxen zu integrieren. Denn dort liegt laut ihm ein Problem; solche Gespräche würden zu wenig stattfinden. Es fehle vielen Ärztinnen und Ärzten an spezifischem Wissen, vor allem aber auch an Zeit. Um dies zu ändern, sieht der Arzt zwei Ansatzpunkte. Erstens müssten Klimathemen stärker in die Ausbildung von Medizinstudierenden integriert werden. Zweites brauche es im Tarifsystem eine eigene Position für Klimaberatung, etwa in Form von jährlich 30 Minuten pro Patienten, damit Ärztinnen und Ärzte eine solche Beratung auch abrechnen könnten. Aber ist dieses Vorhaben realistisch und finanzierbar? «Dies wäre eine präventive Massnahme, die langfristig hilft, die Gesundheitskosten zu senken», findet Albonico. Gleichzeitig weiss er: «Änderungen im Tarifsystem sind komplex und langwierig.» Erste Gespräche in diese Richtung hätten jedoch stattgefunden. Inzwischen treibt er seine anderen Projekte weiter voran. Trotz sinkender Nachfrage will Hansueli Albo-nico weiterhin monatlich die Klima-Sprechstunde anbieten. Gleichzeitig arbeitet er daran, seine Idee breiter zu verankern.


Projekte für Praxis und Schule

Gemeinsam mit verschiedenen Fachorganisationen entsteht derzeit ein Praxistool, das Ärzte klimarelevante Gesundheitsinformationen leicht zugänglich machen soll. Zudem ist im regionalen Ärztenetzwerk ein Pilotprojekt geplant: Während zwei Jahren soll eine kleine Gruppe testen, wie sich die Klimaberatung in den Praxisalltag integrieren lässt. Auch die Bildung spielt für Hans­ueli Albonico eine grosse Rolle. Zusammen mit Lehrpersonen möchte er er Unterrichtseinheiten zum Thema Klima anstossen. In Langnau werden solche bereits umgesetzt. «Die Sensibilisierung und Bildung junger Menschen ist zentral», sagt er.

09.04.2026 :: Regine Gerber (reg)