Vielfältige Kultur in der Region - die Bouele-Musig aus Langnau eröffnete den Kuturgipfel. / Bild: Anna-Kathrina Flückiger
Emmental: Ob Blasmusik oder Tanzfestival: Viele kulturelle Angebote entstehen aus ehrenamtlichem Engagement. Diese Amateurkultur war deshalb Thema am Emmentaler Kulturgipfel.
Die Bouele-Musig Langnau spielt mährische Musik und ist damit eine einzigartige Formation im Emmental. Die dreizehn Mitglieder finanzieren ihre Leidenschaft weitgehend selbst: Instrumente, CD-Produktionen, Fahrspesen. Öffentliche Kulturförderung erhalten sie nicht. «Aber das Kässeli geht in etwa auf», erzählt Michael Scheidegger am Emmentaler Kulturgipfel (siehe Kasten). Auch der Verein Vertanzt, der seit 2010 jährlich ein viertägiges Tanzfestival in Röthenbach organisiert, berichtet von seinen Herausforderungen. Der Anlass lebe von Freiwilligenarbeit. «Wir brauchen Leute für alles: Programm, Küche, Technik. Das Ressort Sponsoring ist aktuell unbesetzt», sagt Nina Küchlin. Am ersten Emmentaler Kulturgipfel ging es darum, wie die Amateurkultur, also nicht berufliches, meist ehrenamtliches Kulturschaffen, gestärkt werden kann. Die Kulturförderung in der Schweiz ist subsidiär organisiert. Das heisst: Die nächsthöhere Ebene springt dort ein, wo die darunter liegende an ihre Grenzen stösst. Für lokale Kulturprojekte und -veranstaltungen sind deshalb in erster Linie die Gemeinden zuständig. Zusätzlich können sie vom Kanton unterstützt werden. Doch spielt dabei auch der Bund eine Rolle? Die «Wochen-Zeitung» hat bei der Direktorin des Bundesamts für Kultur, Carine Bachmann, nachgefragt.
Carine Bachmann, warum beteiligen Sie sich am ersten Emmentaler Kulturgipfel?
In der Schweiz wird Kultur nicht von oben diktiert, sondern entsteht in den Gemeinden und wird dort gelebt. Darum ist es für mich fundamental, für den Austausch hier zu sein. Gerade in ländlichen Gegenden spielt Amateurkultur eine wichtige Rolle. Sie ermöglicht Zugehörigkeit und stärkt Zusammenhalt und Demokratie.
Inwiefern engagiert sich der Bund in der Amateurkultur?
Sie ist einer von zwei Bereichen, in denen wir in der Kulturbotschaft 2025 - 2028 die Mittel erhöht haben. Der Bund will etwa Chöre oder Laientheater mit besseren Rahmenbedingungen stärken.
Wofür werden die Mittel konkret eingesetzt?
Wir unterstützen unter anderem zehn Dachverbände, etwa den Schweizer Blasmusikverband oder den Eidgenössischen Jodelverband. Sie entwickeln Dienstleistungen für ihre Mitglieder, beispielsweise zur Nachwuchsgewinnung, in der Beratung oder in der Aus- und Weiterbildung. Künftig sollen auch Angebote in der Digitalisierung oder in der Organisationsentwicklung unterstützt werden, von denen Kulturvereine aller Sparten profitieren. Ziel ist nicht, die Amateurkultur zu professionalisieren, sondern sie zu erhalten.